SoftBank: 35 Milliarden Dollar für OpenAI
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 11:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
SoftBank Group fährt derzeit auf so vielen Schienen gleichzeitig, dass mir als Beobachter fast schwindelig wird. Batterie-Joint-Venture in Osaka, Milliarden für OpenAI, Kapital für Stargate, eine neue KI-Infrastrukturfirma namens Roze AI, dazu eine geplante Anleiheemission über 6,3 Milliarden Yen und Finanzierung für die Baurobotik-Firma Gravis Robotics.
Für mich ist das kein Zufall, sondern Strategie: Masayoshi Sons Konzern will bei praktisch jedem Baustein der KI-Wertschöpfungskette mitmischen – von der Stromversorgung der Rechenzentren bis zur Beteiligung an den Modellentwicklern selbst.
Die Frage, die sich Anleger stellen sollten, lautet nicht, ob SoftBank ambitioniert ist. Sondern ob diese Breite an Wetten den Kurs stützt oder ihn zunehmend anfällig macht.
Ein Konzern, viele Baustellen
Am Donnerstag verkündete SoftBank gemeinsam mit dem südkoreanischen Batterieunternehmen Cosmos Lab und der KI-Firma DeltaX die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens für Großzellen und Energiespeichersysteme in Osaka. Die Produktion soll im Geschäftsjahr bis März 2028 starten, die Massenfertigung ein Jahr später folgen.
Bis zum Geschäftsjahr 2030 peilt SoftBank mit dieser Sparte einen Jahresumsatz von über 100 Milliarden Yen an, umgerechnet rund 638 Millionen US-Dollar. Die Logik dahinter leuchtet mir ein: KI-Rechenzentren brauchen enorme und zuverlässige Stromversorgung, und wer die Speichertechnologie dazu selbst kontrolliert, sichert sich einen strategischen Vorteil gegenüber reinen Cloud-Anbietern.
Parallel dazu bleibt SoftBank auch bei den Kapitalspritzen für die großen KI-Player aktiv – bis zu 35 Milliarden Dollar sollen in OpenAI fließen, 500 Millionen Dollar in das Rechenzentrumsprojekt Stargate. Zugleich hält der Konzern laut Auswertungen 67 Prozent seines US-Aktienportfolios in Intel, eine Investition von 2 Milliarden Dollar.
Diese Konzentration auf einen einzigen Titel innerhalb des US-Portfolios finde ich bemerkenswert riskant. Wenn Intels Ausführung bei der KI-Chipstrategie stolpert, trifft das SoftBank überproportional hart – ein Klumpenrisiko, das im Schatten der spektakuläreren OpenAI- und Stargate-Schlagzeilen leicht übersehen wird.
Bewertung und Kursbild passen nicht recht zusammen
Auf operativer Ebene zeigt SoftBank für das erste Quartal 2026 ein gemischtes Bild: Der Umsatz stieg im Jahresvergleich auf 2.019.591 Millionen Yen, während das Nettoeinkommen mit 347.330 Millionen Yen niedriger ausfiel als im Vorjahr.
Analysten bleiben trotzdem optimistisch und rechnen mit einem Gewinn von 1.318,4 Milliarden Yen bei einem Umsatz von 10.877,1 Milliarden Yen – Zahlen, die auf eine deutliche Beschleunigung setzen. Eine Fair-Value-Schätzung von Simply Wall St sieht sogar rund 48 Prozent Aufwärtspotenzial gegenüber dem japanischen Kurs.
Der Aktienkurs im deutschen Handel spiegelt diesen Optimismus derzeit nicht wider: Am Donnerstag schloss das Papier bei 28,90 Euro, ein Plus von 1,6 Prozent zum Vortag, doch auf Sicht von sieben Tagen steht ein Minus von 7,1 Prozent, über 30 Tage sogar von 7,7 Prozent zu Buche.
Der RSI von 43,8 signalisiert weder Über- noch Unterverkauft-Zustand, doch die annualisierte Volatilität von 74 Prozent zeigt, wie nervös der Markt dieses Papier aktuell handelt.
Für mich passt das ins Gesamtbild: Ein Konzern mit derart vielen parallelen, kapitalintensiven Wetten wird vom Markt mit einem entsprechenden Risikoaufschlag belegt, ganz unabhängig davon, wie überzeugend die einzelnen Projekte klingen.
Dazu kommt ein Marktumfeld, das laut Goldman Sachs als „extrem volatil“ beschrieben wird, mit einer Verschiebung der KI-Investitionslogik von reiner Nachfrage hin zu Bewertungsfragen. Genau in dieser Gemengelage wirkt SoftBanks Strategie, gleichzeitig Schulden aufzunehmen, Milliarden in Beteiligungen zu stecken und neue Geschäftsfelder wie Batterien und Robotik aufzubauen, ambitioniert – aber auch fragil.
Mein Fazit
Die Substanz der SoftBank-Strategie überzeugt mich in der Breite: Batterien, Robotik, Chip-Beteiligungen und KI-Infrastruktur ergeben ein kohärentes Ökosystem-Narrativ. Doch die Finanzierung über eine weitere Milliardenanleihe bei gleichzeitig sinkendem Nettoeinkommen und einem konzentrierten US-Portfolio spricht dafür, dass der Markt zu Recht vorsichtig bleibt.
Die Kursschwäche der vergangenen Wochen dürfte weniger an einzelnen Projekten liegen als an der schieren Summe der offenen Baustellen. Wer von der langfristigen KI-These überzeugt ist, findet bei SoftBank viele Ansatzpunkte – wer Stabilität sucht, dürfte mit der aktuellen Risikodichte hadern.
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