SoftBank, Anstieg

SoftBank: 23% Anstieg über sieben Tage

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 19:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
SoftBank profitiert vom Kursanstieg und hohen Leerverkäufen, während geplante Dollar-Anleihen die Finanzierung der KI-Investitionen prägen.
Abstrakte Darstellung von modernem Architekturdesign und dynamischem Finanzwachstum bei Sonnenaufgang. Illustration mit AI erstellt.

Es gibt diese Momente an der Börse, in denen die Physik der Märkte plötzlich gegen die Logik der Skeptiker arbeitet. SoftBank Group erlebt gerade genau so einen Moment. Wer in den vergangenen Wochen gegen die Aktie gewettet hat, sitzt inzwischen auf einer Position, die zur Belastung werden könnte – und das sagt einiges über den Zustand des gesamten KI-Booms.

Am Donnerstag schloss die Aktie bei 36,70 Euro, heute steht sie bei 37,47 Euro, ein Plus von 2,1 Prozent. Über sieben Tage summiert sich der Anstieg auf 23 Prozent, über 30 Tage auf 22 Prozent. Zahlen, die für sich stehen könnten – doch der eigentliche Reiz der Geschichte liegt woanders: bei denen, die auf das Gegenteil gesetzt haben.

Der Short Squeeze, der keiner sein wollte

Laut Bloomberg stieg der Anteil der Leerverkäufe am frei handelbaren Aktienbestand bis Mittwoch auf 2,27 Prozent – der höchste Stand seit Juli 2025. Der Nominalwert dieser Short-Positionen erreichte 3,9 Milliarden Dollar, ebenfalls ein Rekord, mindestens seit Anfang 2015. Bloomberg spekuliert, dass ein erzwungener Ausstieg dieser Positionen die Aktie noch weiter treiben könnte.

Man muss kein zynischer Marktbeobachter sein, um darin eine gewisse Ironie zu erkennen: Je überzeugter die Skeptiker von einem Rückschlag waren, desto mehr Treibstoff liefern sie nun für die gegenteilige Bewegung.

Diese Dynamik ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Wette, die SoftBank selbst eingegangen ist – und zwar in großem Stil. Der Konzern hat zweistellige Milliardenbeträge in KI-Unternehmen gepumpt und dafür seine Bilanz spürbar gehebelt.

Ein Brückenkredit über 40 Milliarden Dollar, aufgenommen in diesem Jahr, half bei der Finanzierung der Investitionen rund um OpenAI. Nun sucht der Konzern nach langfristigerem Ersatz für diese kurzfristige Finanzierung.

Zwischen Ramschanleihe und Ramsch-Rating

Genau hier wird die Geschichte interessant für alle, die nicht nur auf den Kurs schauen, sondern auf die Statik dahinter. SoftBank trägt bei S&P Global Ratings ein BB+, die höchste Stufe im spekulativen Bereich – aber eben spekulativ.

Zum Vergleich, wie ihn Berichte japanischer Medien ziehen: Alphabet kommt auf AA+, Amazon auf AA. Zwischen SoftBank und den Tech-Schwergewichten, gegen die der Konzern im KI-Rennen antritt, liegen also mehrere Ratingstufen Kreditwürdigkeit.

Diese Lücke will SoftBank nun mit frischem Fremdkapital überbrücken. Nach dem Ende letzter Woche gepreisten Retail-Bond über eine Billion Yen, umgerechnet 6,3 Milliarden Dollar, mit einem Kupon von 4,75 Prozent, folgt der nächste Schritt: CFO Yoshimitsu Goto und weitere Führungskräfte treffen sich vom 14. bis 17. September in den Räumen von Citigroup mit Investoren, um das Interesse an einer Dollar-Ramschanleihe auszuloten. Medienberichten zufolge könnte SoftBank dabei zwischen 10 und 20 Milliarden Dollar einsammeln, möglicherweise ergänzt um eine Euro-Tranche.

Bloomberg-Intelligence-Analystin Sharon Chen brachte die Rechnung dahinter auf den Punkt: Die Bruttoverschuldung könnte von rund 80 Milliarden Dollar im März 2025 auf mehr als 130 Milliarden Dollar steigen, sollte SoftBank die anstehenden Investitionen tatsächlich schuldenfinanziert stemmen.

Ein Kurs, der die Nerven strapaziert

Für Anleger bedeutet das: Die Rally der vergangenen Wochen speist sich nicht allein aus Begeisterung für KI-Beteiligungen, sondern auch aus der schieren Mechanik eines Marktes, in dem Wetten gegen die Aktie selbst zum Kurstreiber werden. Der RSI von 71,2 signalisiert eine überkaufte Lage, die annualisierte Volatilität von 62 Prozent zeigt, wie nervös dieser Markt tickt.

Die Marktkapitalisierung von umgerechnet 209,09 Milliarden Euro trägt inzwischen eine Wette, deren Ausgang maßgeblich davon abhängt, ob Gläubiger im September bereit sind, SoftBanks KI-Ambitionen mitzufinanzieren – zu einem Preis, der die schwächere Bonität des Konzerns widerspiegelt. Die Roadshow in New York wird zeigen, wie belastbar dieses Vertrauen wirklich ist.

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