SoftBank: 10 bis 20 Milliarden Dollar Junk-Bond geplant
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 13:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Es gibt Momente, in denen ein Konzern zum Spiegelbild eines ganzen Zeitalters wird. SoftBank Group ist gerade so ein Fall. Während die Weltbörsen darüber diskutieren, ob künstliche Intelligenz nun endlich den nächsten Produktivitätsschub bringt oder nur die nächste Blase aufpumpt, liefert Masayoshi Sons Konzern die Antwort gleich mit Zahlen: Die Aktie legte heute um 5,2 Prozent zu, nach einem Schlusskurs von 35,95 Euro am Dienstag steht das Papier nun bei 37,81 Euro. Über sieben Tage summiert sich das Plus auf 39 Prozent, über 30 Tage auf 27 Prozent.
Ausgelöst hat den jüngsten Schub die Ankündigung von GPT-6 Astra durch OpenAI, ein Ereignis, das laut Medienberichten die Begeisterung für asiatische Technologiewerte insgesamt neu entfacht hat.
SoftBank ist über seine Beteiligung an OpenAI und über Arm mittendrin in dieser Erzählung – und die Kursreaktion zeigt, wie eng der Markt SoftBank inzwischen als Wetten-Vehikel auf die gesamte KI-Wertschöpfungskette liest, nicht nur als Beteiligungsholding mit Bilanzkennziffern.
Vom Value-Investor zum Infrastruktur-Baumeister
Was bei all der Kurs-Euphorie leicht untergeht: SoftBank baut derzeit an mehreren Fronten gleichzeitig physische und finanzielle Infrastruktur für das KI-Zeitalter. Die Tochter SB Energy hat Anfang September einen Börsengang in den USA eingereicht, um genau jene Infrastruktur zu finanzieren, die künstliche Intelligenz braucht: Rechenzentren gekoppelt mit Solarenergie und Batteriespeichern.
Nach Unternehmensangaben sind bereits 8,8 Gigawatt Rechenzentrumskapazität in Texas und Ohio vertraglich gebunden oder im Bau, dazu 5,5 Gigawatt an Energieprojekten.
Für das erste Halbjahr 2026 wies SB Energy allerdings auch einen Nettoverlust von rund 3,2 Milliarden Dollar aus – ein Hinweis darauf, dass der Aufbau dieser Infrastruktur teuer ist und bleibt. Die Aktien sollen unter dem Kürzel SBE an der Nasdaq notieren.
Diese Wachstumsambitionen wollen finanziert werden, und hier zeigt sich die zweite Seite der Geschichte. SoftBank hat Anfang September eine Retail-Anleihe über eine Billion Yen, umgerechnet 6,3 Milliarden Dollar, platziert – mit einem Kupon von 4,75 Prozent am oberen Ende der zuvor angepeilten Spanne. Das allein wäre schon eine bemerkenswerte Kapitalmarktoperation.
Doch laut Bloomberg reicht Konzern-Finanzchef Yoshimitsu Goto noch weiter: Ab dem 14. September will er gemeinsam mit weiteren Führungskräften in New York Investoren für einen möglichen Junk-Bond in Dollar sondieren, organisiert über Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Morgan Stanley. Im Raum stehen 10 bis 20 Milliarden Dollar, eventuell ergänzt um eine Euro-Tranche.
Ein Konzern, der auf Pump wächst – und der Markt feiert es
Man kann das als klassisches SoftBank-Muster lesen: Son hat seinen Vision Fund stets mit fremdem Kapital gehebelt, um auf disruptive Technologien zu setzen. Jetzt wiederholt sich das Muster auf Konzernebene, nur dass diesmal Energieinfrastruktur und Rechenzentren die Trophäen sind statt Start-up-Beteiligungen.
Dazu passt auch die im Dezember 2025 fixierte Übernahme von DigitalBridge Group für 16,00 Dollar je Aktie in bar – ein Infrastrukturinvestor mit 108 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen, der SoftBanks digitale Infrastruktursparte zusätzlich verbreitert.
Der Markt goutiert diese Strategie derzeit mit Vehemenz, wie der Blick auf den technischen Zustand der Aktie zeigt: Der 14-Tage-RSI steht bei 73,2, ein Wert, der auf eine überkaufte Lage hindeutet, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 63 Prozent unterstreicht, wie nervös und schnelllebig diese Rally tatsächlich ist. Die Marktkapitalisierung liegt inzwischen bei umgerechnet 178,62 Milliarden Euro.
Bleibt die Frage, die sich jeder Beobachter stellen muss: Trägt die physische Substanz aus Rechenzentren, Solarparks und Chip-Beteiligungen tatsächlich das Tempo, mit dem der Kurs gerade nach oben schießt? Die Antwort wird sich erst zeigen, wenn SB Energy an die Börse geht und die Milliarden-Anleihe tatsächlich platziert ist.
Bis dahin bleibt SoftBank das, was der Konzern unter Son schon immer war: eine gehebelte Wette auf die nächste technologische Welle – nur dass diese Welle inzwischen Strom, Silizium und Sprachmodelle gleichzeitig heißt.
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