Siemens, Energy

Siemens Energy Aktie: Rebellius scheidet aus Aufsichtsrat

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 16:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein 1,3-Milliarden-CAD-Projekt stärkt das Kraftwerksgeschäft, während die Gewinnschwelle von Siemens Gamesa für 2026 noch aussteht.

Große Gasturbine wird in einer Werkshalle von Technikern montiert und inspiziert
Siemens Energy AG (DE000ENER6Y0) fertigt große Gasturbinen für Kraftwerke, hier eine Werkshalle mit laufender Montage Illustration mit AI erstellt.

Neuer Großauftrag und personelle Zäsur

Am Montag sicherte sich ein Konsortium aus Aecon und Siemens Energy Canada einen bedeutenden Großauftrag in Kanada. Für die Modernisierung des Kernkraftwerks Pickering in Ontario liegt das Gesamtvolumen bei 1,3 Milliarden CAD, was rund 800 Millionen Euro entspricht.

Siemens Energy übernimmt dabei die Überholung der Generatoren sowie die Lieferung von 14 Dampfturbinenrotoren und moderner Leittechnik. Das Projekt unterstreicht die starke Stellung im klassischen Energie- und Kraftwerksgeschäft, das weiterhin verlässliche Einnahmen generiert.

Parallel dazu vollzieht sich im Aufsichtsrat eine historische Zäsur. Mit Matthias Rebellius scheidet zum 30. September der letzte Vertreter der ehemaligen Muttergesellschaft Siemens aus dem Kontrollgremium aus. Als Nachfolger im Aufsichtsrat soll Pekka Lundmark mit Wirkung zum 1. Oktober gerichtlich bestellt werden.

Damit kappt der Konzern die letzten engen personellen Verbindungen zum früheren Mutterkonzern. Für Anleger markiert dieser Moment den Eintritt in eine Phase vollständiger Eigenständigkeit, in der die künftige Wertentwicklung allein von der operativen Leistungsfähigkeit abhängt.

Die Beständigkeit der operativen Wende

Die entscheidende Frage für den Kapitalmarkt lautet nun, wie dauerhaft die Erholung im Windenergiebereich trägt. Die Sanierung der Windkrafttochter Siemens Gamesa stand über Jahre im Zentrum der Konzernkrise.

Hohe Qualitätsmängel und Projektverzögerungen hatten Milliardenverluste verursacht. Zwar meldete die Windsparte vor über einem Monat erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder ein positives Quartalsergebnis, doch die Bewährungsprobe im Gesamtjahr steht noch bevor.

Entscheidend für das Vertrauen der Investoren ist das Erreichen der Gewinnschwelle im gesamten Geschäftsjahr 2026. Das Management hält unverändert an diesem Ziel fest. Gelingt der Sprung in die nachhaltige Profitabilität im Windbereich, würde dies den größten Unsicherheitsfaktor des Konzerns endgültig beseitigen.

Rückendeckung bietet der historisch hohe Auftragsbestand von 162 Milliarden Euro, der zum Stichtag am 30. Juni in den Büchern stand. Für Anleger kommt es darauf an, dass diese Aufträge mit soliden Margen und ohne kostspielige Nachbesserungen abgearbeitet werden.

Volle Auftragsbücher stützen den Ausblick

Im optimistischen Szenario gewinnt die Ertragsdynamik in den kommenden Quartalen weiter an Kraft. Bereits im dritten Quartal kletterte der Konzernumsatz um 17,47 Prozent auf 11,45 Milliarden Euro. Das Ergebnis je Aktie erreichte 1,28 Euro. Diese Zahlen belegen, dass die Nachfrage nach Netztechnik und konventioneller Kraftwerksinfrastruktur unverändert hoch bleibt.

Zusätzliches Potenzial verspricht die geplante Abspaltung des Bereichs Transformation of Industry. Die Sparte soll künftig unter dem Namen Omterra als eigenständiges Unternehmen firmieren. Der Aufsichtsrat billigte diesen Schritt vor rund einem Monat.

Mit einem Jahresumsatz von 5,7 Milliarden Euro und einer Marge von 11,3 Prozent im Geschäftsjahr 2025 gilt das Segment als hochprofitabel. Eine spätere Teilveräußerung oder ein Börsengang könnte erhebliche Werte heben, während Siemens Energy eine bedeutende Minderheitsbeteiligung behält.

Hinzu kommt der operative Fortschritt im Offshore-Sektor. Der Nordsee-Windpark Borkum Riffgrund 3 ging Ende August mit 83 installierten Turbinen in den kommerziellen Betrieb. Vor diesem Hintergrund sehen viele Marktteilnehmer weiteres Potenzial. Medienberichten vom Mittwoch zufolge liegt das durchschnittliche Kursziel der Analysten bei 194,80 Euro.

Projektrisiken und komplexe Großaufträge

Demgegenüber stehen ernsthafte Risiken, die vor allem in den langen Laufzeiten komplexer Infrastrukturprojekte liegen. Großaufträge für Offshore-Netzanbindungen wie Hochspannungs-Komponenten laufen mitunter bis zum Ende des Jahres 2034. Unerwartete Lieferengpässe, Inflation oder technische Komplikationen können über die jahrelange Projektlaufzeit hinweg erhebliche Mehrkosten verursachen.

Zudem hat die Börse bereits viel Positives vorweggenommen. Die Aktie von Siemens Energy legte seit Jahresanfang um 20 Prozent zu und schloss am Freitag bei 144,06 Euro. Rückschläge bei Großprojekten oder Verzögerungen bei der Fertigung könnten schnell zu spürbaren Enttäuschungen führen.

Ein weiterer Faktor ist die Trennung von Omterra. Zwar eröffnet die Verselbstständigung neue strategische Optionen. Zugleich verliert der verbleibende Konzern damit aber einen verlässlichen Ertragsbringer, der schwankungsanfälligere Sparten in der Vergangenheit stabilisiert hat.

Richtungsentscheidung zum Ende des Geschäftsjahres

Für Anleger spitzt sich die Situation zu einer klaren Weichenstellung zu. Solange Siemens Energy den Kurs in Richtung des angestrebten Break-even im Windsegment für das Gesamtjahr 2026 hält, bleibt das Fundament für eine Neubewertung intakt. Kippt die Sparte im Schlussquartal jedoch unerwartet wieder in die Verlustzone, dürfte die Zuversicht der Marktteilnehmer empfindlich schaden nehmen.

Ein wichtiger Meilenstein für die künftige Ausrichtung steht im kommenden Frühjahr an. Auf der Hauptversammlung am 25. Februar 2027 folgt die formale Wahl von Pekka Lundmark in den Aufsichtsrat. Bis dahin werden vor allem die kommenden Jahresergebnisse zeigen, wie stabil das operative Fundament des Energietechnikkonzerns tatsächlich ist.

Anzeige

Siemens Energy-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Siemens Energy-Analyse vom 26. September liefert die Antwort:

Die neusten Siemens Energy-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Siemens Energy-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 26. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Siemens Energy: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Disclaimer...

de | DE000ENER6Y0 | SIEMENS | boerse | 70186672 |