Siemens Energy Aktie: Goldman Sachs prüft Turbinenverkauf
Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 17:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Abspaltung der Industriesparte Transformation of Industry ist beschlossene Sache. Für mich ist das aber nicht die spannendste Personalie in dieser Woche – spannender ist, was Reuters und Bloomberg über das Dampfturbinen-Geschäft berichten. Dort deutet sich ein handfester Verkauf an, und der zeigt, wie ernst es dem Management mit der Konzentration aufs Netz- und Kraftwerksgeschäft tatsächlich ist.
Ein zweiter, weniger beachteter Schritt
Während die Ausgliederung von Transformation of Industry als eigenständiges Unternehmen mit Minderheitsbeteiligung von Siemens Energy längst in den Schlagzeilen stand, berichtete Bloomberg am Montag über einen weiteren Baustein: Goldman Sachs soll eingebunden sein, um eine Mehrheitsbeteiligung am Steam-Turbine-Geschäft zu verkaufen.
Als mögliche Bieter kursieren klingende Namen aus der Private-Equity-Welt – CVC Capital Partners, EQT, Bain Capital, Brookfield und KKR. Das ist aus meiner Sicht die konsequente Fortsetzung der bereits abgehandelten Portfolio-Bereinigung, nur eben an einer Stelle, die bislang weniger im Fokus stand.
Genau das spricht für mich für strategische Ernsthaftigkeit statt für kosmetische Umbaumaßnahmen. Wer nicht nur die Industriesparte abgibt, sondern parallel auch im Kraftwerksbereich Randgeschäfte zur Disposition stellt, verfolgt eine klare Linie: Fokus auf Netze und Stromerzeugung, weg von zyklischen Nebengeschäften.
Dass gleich mehrere große Finanzinvestoren als potenzielle Käufer genannt werden, deutet zudem darauf hin, dass der Markt diesem Geschäft durchaus einen eigenständigen Wert zutraut.
Rückkauf als Signal der Zuversicht
Parallel dazu hat Siemens Energy am Montag ein Aktienrückkaufprogramm über rund eine Milliarde Euro abgeschlossen. Zwischen dem 4. Juni und dem 14. August wurden gut 6,4 Millionen Aktien zurückgekauft, das entspricht 0,751 Prozent des Grundkapitals.
Für mich ist das ein Baustein, der zur Umbaugeschichte passt: Ein Unternehmen, das gleichzeitig Randgeschäfte verkauft und eigene Aktien einzieht, signalisiert Kapitaldisziplin – nicht Verkaufsdruck aus einer Position der Schwäche.
Der Kurs bestätigt diese Lesart zumindest kurzfristig. Mit einem Plus von 2,9 Prozent auf 155,50 Euro am heutigen Donnerstag liegt die Aktie fast exakt auf ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 155,17 Euro und rund 3,2 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Das liest sich für mich wie eine Aktie, die nach der jüngsten Konsolidierung wieder Tritt fasst, ohne bereits euphorisch zu laufen.
Wo die Vorsicht bleibt
Ganz ohne Fragezeichen ist die Geschichte trotzdem nicht. RBC senkte am 20. August das Kursziel von 210 auf 200 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Outperform“. Das war vor der jüngsten Nachrichtenflut zum Turbinen-Verkauf, insofern lässt sich daraus kein aktuelles Urteil ableiten – wohl aber ein Hinweis, dass zumindest ein Haus die Bewertungsspielräume zuletzt enger sah, bevor die neuen Trennungsnachrichten bekannt wurden.
Auch die Distanz zum 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, gut 20 Prozent, zeigt: Der Markt hat die Story noch nicht vollständig eingepreist. Die Volatilität von 53 Prozent auf 30-Tage-Basis erinnert zudem daran, dass jede neue Personalie rund um Verkäufe oder Abspaltungen kurzfristig für Ausschläge sorgen kann, in beide Richtungen.
Mein Fazit
Unterm Strich überwiegt für mich der Eindruck einer Aktie im Umbau mit Substanz. Die Trennung von Transformation of Industry war der große, sichtbare Schritt.
Der mögliche Verkauf des Dampfturbinen-Geschäfts an einen der genannten Finanzinvestoren wäre der kleinere, aber nicht minder aufschlussreiche zweite Schritt – er würde zeigen, dass das Management sein Bekenntnis zum Netz- und Kraftwerksfokus auch dort einlöst, wo es weniger öffentliche Aufmerksamkeit gibt. Bestätigt sich der Verkauf, dürfte das die Story der Portfolio-Bereinigung glaubwürdiger machen, als es die Abspaltung allein je könnte.
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