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Siemens Aktie: Betriebsrat rechnet mit Kaeser-Aufspaltung ab

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 19:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Siemens-Betriebsrat attackiert die Konzernaufspaltung unter Ex-Chef Kaeser und lobt den Technologiekurs von CEO Busch. Die Aktie verliert.

Siemens-Aktie: Betriebsrat kritisiert Kaesers Zerschlagungskurs scharf
Industrielle Fertigungshalle mit komplexen Maschinen und atmosphärischer Beleuchtung als Symbol für Unternehmensstrategie. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Siemens-Aktie verliert im heutigen Handel 2,4 Prozent und notiert bei 275,30 Euro. Für Gesprächsstoff sorgt aber nicht der Kurs. Der Siemens-Gesamtbetriebsrat greift die Konzernstrategie der Kaeser-Ära scharf an.

Betriebsratschef rechnet mit Kaeser-Ära ab

Tobias Bäumler, Vorsitzender des Siemens-Gesamtbetriebsrats, kritisiert gegenüber der WELT AM SONNTAG die Aufspaltung des Konzerns unter dem früheren Vorstandschef Joe Kaeser. Zwischen 2018 und 2020 trennte sich Siemens von der Medizintechniksparte Healthineers und dem Energiegeschäft Siemens Energy.

Aus Sicht der Arbeitnehmervertreter war das ein Fehler. "Beide Unternehmen haben sich hervorragend entwickelt, und mit ihnen wäre Siemens heute noch wertvoller", sagt Bäumler. Der Betriebsrat lehnte den Umbau schon damals ab: "Wir stellten uns gegen den Umbau und die Zerschlagung, weil diese rein margengetrieben waren."

Brisant wird die Debatte durch eine Personalie. Joe Kaeser, treibende Kraft der damaligen Aufspaltung, sitzt heute als Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens Energy.

Busch bekommt Lob, Kaeser nicht

Den aktuellen Umbau unter CEO Roland Busch bewertet der Betriebsrat dagegen positiv. "Im Gegensatz zu dem letzten Konzernumbau unter Joe Kaeser sehen wir den derzeitigen Umbau durch Roland Busch positiv", so Bäumler. Der Unterschied liege im Ansatz: Busch setze auf Technologie statt auf reine Margenoptimierung durch Spaltung.

Ein zentrales Ziel ist die Vorbereitung auf die KI-Ära. Bäumler verweist auf junge Konzerne wie Google oder Amazon, die ihre Bereiche längst eng vernetzt haben. Bei Siemens, einem 179 Jahre alten Konzern, fehlt diese Vernetzung noch. Der Betriebsratschef fordert deshalb eine einheitliche Datenbasis für den gesamten Konzern und mehr Transparenz vom Management.

Zahlen zeigen das Auseinanderdriften

Die Kritik trifft einen wunden Punkt. Siemens Energy hat sich zu einem der stärksten DAX-Werte entwickelt, während die Siemens AG zuletzt langsamer wächst.

Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 steigerte die Siemens AG ihre Umsatzerlöse nur einstellig auf 20,79 Milliarden Euro. Siemens Energy legte im selben Zeitraum deutlich stärker zu: Der Umsatz kletterte um 18,5 Prozent auf 11,45 Milliarden Euro. Das Ergebnis wuchs sogar um 63,6 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro.

Genau diese Diskrepanz nährt die Debatte um einen möglichen Holding-Abschlag der Siemens-Aktie gegenüber den ausgegliederten Sparten. Die Aktie selbst bewegt sich seit dem 52-Wochen-Hoch von 291,25 Euro Anfang August in einer Korrektur und liegt aktuell rund 5,5 Prozent darunter.

Der Betriebsrat liefert mit seiner Kritik neue Munition für diese Diskussion. Ob der von Busch eingeschlagene Kurs den Bewertungsabstand zu Healthineers und Siemens Energy tatsächlich schließt, entscheidet sich an den kommenden Quartalszahlen.

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