Shell Aktie: Trump fordert Prüfung durch Justizministerium
Veröffentlicht am: 22.08.2026 um 21:29 Uhr | Redaktion boerse-global.de
US-Präsident Trump hat Ölkonzernen am Freitag Preisabsprachen vorgeworfen und eine Prüfung durch das Justizministerium gefordert. Shell steht damit neben Chevron und Exxon im Zentrum eines politisch aufgeladenen Vorwurfs – just in einer Phase, in der die Branche prächtig verdient und die Ölpreise durch geopolitische Spannungen kräftig gestiegen sind.
Die Zahlen der Konzerne sprechen zunächst gegen die These der Preistreiberei durch Kartellabsprachen. Shell steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr um 22 Prozent, der Gewinn je Aktie kletterte auf 2,94 US-Dollar von zuvor 1,40 US-Dollar.
Chevron legte beim Umsatz um 28 Prozent zu, Exxon ebenfalls um 22 Prozent bei einem Gewinnsprung von 66 Prozent. Die Dividendenrenditen der drei Schwergewichte liegen mit 2,5 bis 3,5 Prozent in ähnlichen Bereichen – bei Shell sind es 3,4 Prozent.
Ölpreise als eigentlicher Treiber
Hinter dem Gewinnsprung steckt weniger Kartellverhalten als vielmehr die Entwicklung am Rohölmarkt. Nachdem die USA und der Iran ein 60-Tage-Abkommen nicht verlängert hatten, zog der Ölpreis deutlich an. Brent notierte zuletzt bei über 91 US-Dollar, WTI bei knapp 86 US-Dollar – ein Wochenplus von rund 5 Prozent.
Die Vereinigten Arabischen Emirate suspendierten zudem Finanztransaktionen mit dem Iran, was die Nervosität am Markt zusätzlich befeuerte. Steigende Ölpreise wirken sich direkt auf die Fördersparten der Multis aus und erklären einen erheblichen Teil der Gewinnsprünge, ohne dass es dafür abgesprochenen Preissetzungsverhaltens bedürfte.
Analysten bleiben zurückhaltend, Anleger honorieren die Story
An der Wall Street überwiegt trotz der starken Zahlen Zurückhaltung: Von 18 Analysten, die die Shell-Notierung an der NYSE beobachten, vergeben 13 ein "Hold"-Rating, nur fünf raten zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel für die nächsten zwölf Monate liegt in US-Dollar deutlich über dem aktuellen Kursniveau der Aktie in New York. Institutionelle Investoren halten laut den Erhebungen rund 28,6 Prozent der Anteile.
Im Londoner Handel rückte am Freitag vor allem die Dividendenstory in den Fokus, begünstigt durch den festeren Ölpreis – Marktbeobachter zogen dabei Vergleiche zu BP, British American Tobacco und Legal & General.
An der Börse zeigt sich Shell davon unbeeindruckt gefestigt: Der Titel schloss am Freitag bei 39,94 Euro, nur 0,2 Prozent leichter als am Vortag, nachdem er zuvor bereits um mehr als drei Wochen um 2,9 Prozent zugelegt hatte. Auf Sicht von sieben Tagen steht ein Plus von 2,4 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn summiert sich der Zuwachs auf 28 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 41,32 Euro, erreicht Ende März, trennen die Aktie nur noch 3,3 Prozent – ein Zeichen, dass Anleger den politischen Vorstoß aus Washington bislang nicht als ernsthafte Belastung für das Geschäftsmodell einpreisen.
Politischer Druck ohne unmittelbare Konsequenz
Ob aus der Forderung Trumps tatsächlich eine Untersuchung durch das US-Justizministerium wird, ist offen. Für Shell-Anleger dürfte entscheidender bleiben, wie sich die geopolitische Lage rund um den Iran und die Ölpreise weiter entwickelt – sie treiben die operative Ertragskraft des Konzerns derzeit deutlich stärker als jede politische Debatte über angebliche Preisabsprachen.
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