Scor Aktie: UBS senkt Ziel auf 32,50 Euro
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 05:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vor dem Start des bedeutenden Branchentreffens „Rendez-Vous de Septembre“ in Monte Carlo sieht sich der französische Rückversicherer Scor mit einer skeptischen Analysteneinschätzung konfrontiert. Während die europäische Versicherungswirtschaft ab dem kommenden Samstag in Monaco zusammenkommt, um über die Preiskonditionen für das nächste Jahr zu verhandeln, warnen Experten vor einem schwierigen Marktumfeld für den Konzern.
Die Analysten der UBS haben Scor am 19. August von „neutral“ auf „sell“ herabgestuft und das Kursziel von 34,50 Euro auf 32,50 Euro gesenkt. Als Begründung führen sie an, dass das Treffen in Monte Carlo, das vom 5. bis zum 9. September stattfindet, ein negativer Impulsgeber für den gesamten Sektor sein könnte.
Medienberichten zufolge rechnet die Bank damit, dass die risikojustierten Preisrückgänge deutlicher ausfallen dürften, als es der Marktkonsens derzeit widerspiegelt.
Solide Quartalszahlen trotz Sonderbelastungen
Trotz der vorsichtigen Stimmung blickt Scor auf eine operative Entwicklung zurück, die zuletzt von stabilen Kennzahlen geprägt war. Am 30. Juli meldete das Unternehmen für das zweite Quartal 2026 einen Konzerngewinn von 171 Millionen Euro. Besonders im Bereich der Sach- und Unfallrückversicherung (P&C) zeigte sich der Konzern widerstandsfähig.
Die Schaden-Kosten-Quote, eine wichtige Kennzahl für die Profitabilität des Versicherungsgeschäfts, lag bei 79,5 Prozent. Begünstigt wurde dieses Ergebnis durch eine geringe Belastung aus Naturkatastrophen und eine gute Schadensentwicklung im Basisgeschäft.
Die Aktie spiegelt diese operative Stabilität teilweise wider und verzeichnete am gestrigen Dienstag einen Schlusskurs von 34,14 Euro. Damit weist der Titel ein Plus von 19 Prozent seit Jahresbeginn auf. Aktuell notiert das Papier zudem rund 12 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 30,52 Euro, was den positiven Trend der vergangenen Monate unterstreicht.
Allerdings wurde das Ergebnis im zweiten Quartal durch einen Rechtsstreit getrübt. Ein Schiedsgericht hatte Scor am 25. Juni dazu verpflichtet, eine Entschädigung in Höhe von 488,3 Millionen US-Dollar an den Versicherer Covéa zu leisten.
Nach Berücksichtigung bereits gebildeter Rückstellungen belastete diese Entscheidung das Nettoergebnis im zweiten Quartal mit etwa 50 Millionen Euro. Auf die Solvenzquote und die Liquiditätssituation hatte die Zahlung laut Unternehmensangaben jedoch keine negativen Auswirkungen.
Solvenzziele und strategische Kooperationen
Ein weiterer Fokus der Anleger liegt auf dem bevorstehenden Kapitalmarkttag im Dezember. Die UBS erwartet, dass Scor seinen Zielkorridor für die Solvenzquote von aktuell 185 bis 220 Prozent auf eine Spanne von 200 bis 240 Prozent anheben wird.
Eine solche Erhöhung der Kapitalpuffer könnte den Spielraum für künftige Aktienrückkäufe einschränken und den Zeitpunkt für neue Programme nach hinten verschieben. Zum 30. Juni lag die geschätzte Solvenzquote des Konzerns bei 220 Prozent.
Abseits der europäischen Märkte treibt Scor seine internationale Expansion voran. Am 10. Juli vereinbarte das Unternehmen eine strategische Zusammenarbeit mit Japan Post Insurance. Ziel ist die Gründung eines gemeinsamen Rückversicherungsvehikels, um versicherungstechnische Risiken beider Gesellschaften zu bündeln. Japan Post Insurance wird sich an diesem Vehikel finanziell beteiligen, während Scor die Steuerung des Risikomanagements übernimmt.
Im Bereich der Lebens- und Krankenrückversicherung (L&H) erzielte Scor im zweiten Quartal ein Versicherungsergebnis von 49 Millionen Euro. Bereinigt um den einmaligen Effekt aus dem Schiedsverfahren hätte dieser Wert bei 113 Millionen Euro gelegen. Die wirtschaftliche Gesamtwertschöpfung des Konzerns stieg zum 30. Juni auf 9,0 Milliarden Euro, was einem ökonomischen Wert von 50 Euro pro Aktie entspricht.
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