Schweizerische Nationalbank Aktie: Franken verliert an Boden
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Schweizerische Nationalbank bleibt bei ihrem Nullzins – und schickt den Franken damit auf Talfahrt. Der Entscheid war erwartet worden, die Reaktion am Devisenmarkt fällt trotzdem deutlich aus: Der Dollar kletterte auf den höchsten Stand zum Franken seit rund einem Jahr, aktuell bei 0,8268 Franken. Der Euro überschritt die Marke von 0,94 Franken und notiert bei 0,9423.
Die SNB begründet ihre Zurückhaltung mit den Zinsdifferenzen zu anderen großen Volkswirtschaften. Während EZB, Fed und Bank of Japan ihre Leitzinsen zuletzt angesichts hartnäckiger Inflation angehoben haben, sieht die Notenbank in Zürich keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Genau diese Differenz drückt auf die Attraktivität des Franken als Anlagewährung – und treibt Kapital in höher verzinste Alternativen.
Konjunktur läuft rund, Inflation zieht an
Die Ausgangslage der SNB wirkt komfortabel, nicht getrieben. Vizepräsident Antoine Martin sprach auf der Pressekonferenz davon, dass die Inflation noch einige Zeit erhöht bleiben dürfte, befeuert durch steigende Güterpreise. Direktoriumsmitglied Petra Tschudin verwies auf ein außergewöhnlich starkes Schweizer BIP-Wachstum im zweiten Quartal, getragen von einer robusten Chemie- und Pharmaindustrie.
Die Inflationsrate liegt aktuell bei 0,8 Prozent – im internationalen Vergleich niedrig, passt aber nicht recht zu einem negativen Kurzfristzins am Saron-Markt. Genau dieser Widerspruch nährt Zweifel, wie lange die SNB ihre Nullzins-Linie noch halten kann. Präsident Martin Schlegel betonte, man werde die Lage weiterhin beobachten und die Politik bei Bedarf anpassen.
Marktbeobachter werten den Entscheid weniger als Signal für eine dauerhaft expansive Geldpolitik, sondern als Ausdruck einer soliden Ausgangslage: konjunkturell stabil, ohne akuten Kurskorrekturdruck. Zusätzlichen Rückenwind für den Euro lieferten am Berichtstag bessere als erwartete deutsche Geschäftsklimadaten, die den Wechselkurs zusätzlich in Richtung des Franken drückten.
Für die Notenbank bleibt die Gratwanderung bestehen: eine anziehende Inflation bei gleichzeitig negativem Realzins über den Saron. Sollte sich der Preisdruck in den kommenden Monaten verfestigen, dürfte die Diskussion über ein Ende der Nullzins-Phase in Zürich neu an Fahrt gewinnen.
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