Sappi Aktie: Eberhardt soll Joint Venture führen
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 19:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Papierkonzern Sappi treibt die strukturelle Neuausrichtung seines Europageschäfts voran, während er gleichzeitig mit regulatorischem Gegenwind und inflationsbedingtem Kostendruck kämpft.
Am vergangenen Mittwoch haben Sappi und der Partner UPM wichtige Personalentscheidungen für ihr geplantes Gemeinschaftsunternehmen im Bereich grafische Papiere getroffen. Gunnar Eberhardt wurde als künftiger CEO und Stephen Blyth als CFO für das Joint Venture nominiert. Diese Personalien stehen jedoch unter dem Vorbehalt, dass die zuständigen Behörden dem Zusammenschluss zustimmen.
Personalentscheidungen trotz regulatorischer Hürden
Die Nominierungen erfolgten zu einem Zeitpunkt, an dem das Vorhaben durch Wettbewerbsbedenken belastet wird. Die Europäische Kommission veröffentlichte vor gut drei Wochen eine Beschwerdemitteilung, in der sie Bedenken äußerte, dass die Fusion zu höheren Preisen und einer geringeren Qualität bei Kommunikationspapieren führen könnte.
Laut Packaging Insights ist die Kommission bisher nicht davon überzeugt, dass die angeführten Vorteile wie Kosteneinsparungen oder ökologische Verbesserungen den potenziellen Schaden für den Wettbewerb ausgleichen.
Das Management von Sappi zeigt sich dennoch entschlossen, den Prozess bis Ende 2026 abzuschließen. Ein Rückhalt bei den Anteilseignern ist vorhanden: Das Vorhaben wurde bereits mit einer Mehrheit von 98,5 Prozent durch die Aktionäre gebilligt. Parallel dazu bereitet sich das Unternehmen darauf vor, das europäische Grafikpapiergeschäft in die neue, unabhängig geführte Partnerschaft einzubringen.
Betriebliche Erholung im Visier
Abseits der regulatorischen Debatte konzentriert sich das Unternehmen auf die Stabilisierung der operativen Margen. Im abgelaufenen dritten Quartal meldete Sappi ein bereinigtes EBITDA von 53 Millionen US-Dollar. Dies markiert zwar einen Rückgang von 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, lag jedoch im Rahmen der im Juli abgegebenen Prognosen.
Als Hauptursache für den Gewinnrückgang gelten Rekordzuwächse bei den Inputkosten, insbesondere für Schwefel und Logistikleistungen, welche die Zuwächse aus dem Hochlauf der Somerset Mill PM2 teilweise zunichtemachten.
Für das vierte Quartal stellt das Unternehmen eine deutliche Besserung in Aussicht. Das EBITDA soll nach Unternehmensangaben materiell über dem Niveau des Vorquartals liegen. Getragen wird diese Erwartung durch das Ausbleiben großer Wartungsstillstände, steigende Preise für Chemiezellstoff (Dissolving Wood Pulp) sowie eine Erholung der Volumina auf dem nordamerikanischen Markt.
Kostensenkungen und Preiserhöhungen stützen Ausblick
Um die Rentabilität nachhaltig abzusichern, hat Sappi bereits proaktiv Kosten in Höhe von 120 Millionen US-Dollar aus dem Geschäft genommen. Die Hälfte dieser Summe entfällt auf Fixkostenreduzierungen, die vor allem in den europäischen Standorten umgesetzt wurden.
Zudem versucht der Konzern, den Margendruck über Preiserhöhungen an die Kunden weiterzugeben. Medienberichten zufolge wurden für Kartonprodukte Aufschläge von 40 bis 60 US-Dollar pro Tonne angekündigt, die in den kommenden Quartalen sukzessive wirksam werden sollen.
Die Aktie reagiert bisher verhalten auf die operativen Pläne und beendete den Handel am Freitag bei 0,6850 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich der Wertverlust des Papiers damit auf 45 Prozent. Der Titel notiert weiterhin deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch, das am 11. September des Vorjahres noch bei 1,44 Euro markiert wurde.
Anleger blicken nun auf den 30. September, wenn für das Unternehmen die sogenannte „Closed Period“ beginnt, in der keine weiteren Finanzinformationen kommuniziert werden. Die detaillierten Ergebnisse für das vierte Quartal sowie das gesamte Geschäftsjahr 2026 werden laut Sappi am 6. November veröffentlicht.
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