SAP Aktie: Cloud-Auftragsbestand erreicht 22,9 Milliarden
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 22:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
SAP hat mit den Zahlen zum zweiten Quartal 2026 für Aufsehen gesorgt – und das trotz eines gesenkten Gewinnausblicks. Der Softwarekonzern meldete ein Konzernergebnis von 2,21 Milliarden Euro, ein Plus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gesamtumsatz kletterte um 9 Prozent auf 9,88 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT legte um 7 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro zu. Der Markt reagierte positiv, obwohl SAP zugleich seine Gewinnprognose für das laufende Jahr zurücknahm.
Cloud-Geschäft treibt, Übernahmen bremsen die Marge
Kern der Wachstumsstory bleibt das Cloud-Geschäft. Der Cloud-Umsatz stieg um 22 Prozent, währungsbereinigt sogar um 24 Prozent, auf 6,28 Milliarden Euro. Noch deutlicher fällt der Blick nach vorn aus: Der Current Cloud Backlog, also die bereits vertraglich gesicherten Cloud-Erlöse, wuchs um rund ein Viertel auf 22,9 Milliarden Euro. Dieser Wert gilt als wichtigster Frühindikator für künftige Umsätze und untermauert, dass die Nachfrage nach SAPs Cloud- und KI-gestützten ERP-Lösungen ungebrochen ist.
Getrübt wird das Bild durch den gesenkten Ausblick: SAP rechnet nun mit einem Wachstum des bereinigten EBIT von 13 bis 17 Prozent, zuvor waren 14 bis 18 Prozent avisiert. Verantwortlich dafür sind die jüngsten Zukäufe Dremio, Prior Labs und Reltio, die den Konzern nach eigenen Angaben mit einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag belasten. Operativ bleibt SAP dennoch robust aufgestellt: Der freie Cashflow lag bei 3 Milliarden Euro, die Nettoliquidität übersteigt 10 Milliarden Euro. Diese Substanz gibt dem Konzern Spielraum, die Integration der Zukäufe zu stemmen, ohne die Bilanz zu belasten.
Anleger blenden die Ausblick-Kürzung aus
An der Börse zählte am Ende offenbar mehr das operative Momentum als die vorsichtigere Gewinnprognose. Die SAP-Aktie legt am heutigen Mittwoch um 4,09 Prozent auf 163,94 Euro zu, nachdem sie bereits am Dienstag deutlich gestiegen war. Damit setzt sich eine Erholungsbewegung fort, die den Titel zuletzt aus einer längeren Seitwärtsphase katapultiert hat. Trotz der jüngsten Dynamik notiert die Aktie aber noch immer 6,57 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt – ein Hinweis darauf, dass der übergeordnete Abwärtstrend der vergangenen zwölf Monate noch nicht vollständig überwunden ist.
Die Analystenreaktionen fallen gemischt bis positiv aus. JPMorgan bestätigte seine neutrale Einstufung mit einem Kursziel von 175 Euro, während Jefferies deutlich optimistischer bleibt und bei einer Kaufempfehlung ein Kursziel von 210 Euro nennt. Beide Häuser verweisen auf das Cloud-Wachstum und die fortschreitende KI-Monetarisierung als zentrale Werttreiber, sehen die kurzfristige Ergebnisbelastung durch die Übernahmen aber unterschiedlich kritisch.
SAP als Stütze im DAX, Zweifel an europäischen KI-Werten bleiben
Die Zahlen kamen zu einem Zeitpunkt, an dem europäische Technologiewerte insgesamt unter Druck standen. Am Dienstag hatten Sorgen um die Bewertung KI-getriebener Aktien den Markt belastet, während gleichzeitig geopolitische Spannungen um Iran den Ölpreis auf 88,06 US-Dollar je Barrel trieben und den Nasdaq 100 um 1,74 Prozent auf 27.278,90 Punkte drückten. Der DAX schloss dennoch nahezu unverändert bei 25.460,48 Punkten, wobei die SAP-Zahlen als stützender Faktor galten.
Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob sich das Cloud-Wachstum in den kommenden Quartalen in höheren Margen niederschlägt, sobald die Integrationskosten der jüngsten Zukäufe abklingen. Der deutliche Rückgang der Aktie über die vergangenen zwölf Monate hat den Titel günstiger bewertet als noch vor einem Jahr, während der jetzige Kursanstieg zeigt, dass der Markt der langfristigen Wachstumsstory rund um Cloud und künstliche Intelligenz weiterhin Vertrauen schenkt. Ob der Widerstand im Bereich von 170 Euro nachhaltig überwunden wird, dürfte sich in den kommenden Handelstagen entscheiden.
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