S&P, Gewinne

S&P 500: Gewinne trotzen steigenden Zinsen

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 08:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Trotz Kursverlusten zeigen Gewinnrevisionen im S&P 500 Stärke. Analysten erwarten 2026 ein Wachstum von über 25 Prozent, während Zinsen und Ölpreis belasten.

S&P 500: Robuste Gewinnentwicklung trotz Renditeanstieg und Ölpreis
Ein moderner, heller Handelsraum an der Börse mit unscharfen Personen im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der S&P 500 rutschte am Dienstag um 0,7 Prozent auf 7.691,76 Punkte ab, belastet von steigenden Anleiherenditen und einem erneuten Ölpreisschub. Unter der Oberfläche zeichnet sich jedoch ein Bild, das wenig zur Nervosität an den Rentenmärkten passt: Die Gewinne der Indexmitglieder entwickeln sich so robust wie seit Jahren nicht mehr.

Raymond James wertete die Berichtssaison zum zweiten Quartal 2026 aus und kommt zu einem bemerkenswerten Befund. Bereits das fünfte Quartal in Folge fallen die Gewinnrevisionen über S&P 500, MidCap 400 und SmallCap 600 hinweg positiv aus — ein Muster, das laut den Analysten typischerweise früh in einem Konjunkturzyklus auftritt.

Für 2026 rechnet das Analystenhaus mit einem Gewinnwachstum von über 25 Prozent im S&P 500, selbst nach Bereinigung um Bewertungseffekte bei privaten Beteiligungen. Zehn der elf Sektoren zeigten bessere Revisionen als im historischen Durchschnitt, einzig der Materialsektor fiel ab.

Die Kehrseite: Zinsen und Öl drücken auf die Stimmung

Während die Gewinnseite überzeugt, sorgt die Zinsseite für Gegenwind. Die 30-jährige Anleiherendite kletterte zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten, bevor sie wieder nachgab.

Auslöser ist ein Zusammenspiel aus wachsenden Inflationssorgen, hoher Staatsverschuldung und der Konkurrenz um Kapital durch die Finanzierung des KI-Investitionsbooms. Hinzu kommt der Nahost-Konflikt: Nachdem eine 60-tägige Frist für eine diplomatische Lösung zwischen den USA und Iran am Montag ohne Anschlussabkommen verstrichen ist, zog Rohöl erneut an und trieb die Renditen zusätzlich nach oben.

Raymond James sieht das größte Risiko für die Aktienmärkte allerdings anderswo: bei den Cashflows der großen Hyperscaler. Deren geschätzter freier Cashflow für 2026 liegt inzwischen bei minus 45 Milliarden Dollar — vor zwei Jahren stand hier noch ein Plus von rund 250 Milliarden Dollar. Für 2027 rechnet der Konsens sogar mit minus 130 Milliarden Dollar, ein Resultat der massiven Investitionen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur.

Warsh im Blick

Die Marktteilnehmer richten den Fokus zunehmend auf Fed-Chef Kevin Warsh, der bislang wenig Neigung zeigte, den Renditeanstieg zu bremsen. Sein Auftritt beim Notenbankertreffen in Jackson Hole am 28. August dürfte richtungsweisend werden — nicht nur für die Zinserwartungen, sondern auch dafür, wie viel Rückenwind die robuste Gewinnentwicklung der Indexunternehmen in den kommenden Wochen tatsächlich entfalten kann.

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