RWE: Krebber fordert mehr Überwachung
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 05:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach einer Serie von Sabotage-Angriffen auf das deutsche Stromnetz drängt Markus Krebber, Vorstandsvorsitzender der RWE AG, auf eine fundamentale Neubewertung der Sicherheit kritischer Infrastruktur.
Am Donnerstag mahnte Krebber während einer Veranstaltung in Berlin, dass die aktuelle Bedrohungslage durch hybride Angriffe nicht mehr mit bürokratischen Prozessen aus Friedenszeiten bewältigt werden könne. Der Konzernchef forderte, aus den jüngsten Erfahrungen schnell Lehren zu ziehen und die Überwachungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum deutlich auszuweiten.
Reaktion auf Sabotageakte am Stromnetz
Der Vorstoß des RWE-Chefs folgt auf konkrete Störfälle, die den Energieversorger Anfang September unmittelbar trafen. Nach einer externen Einwirkung im Umfeld eines Umspannwerks des Netzbetreibers Amprion bei Bergheim mussten am 1. September fünf Braunkohlen-Kraftwerksblöcke von RWE vorübergehend vom Netz genommen werden.
Betroffen war eine Kraftwerkskapazität von insgesamt rund 4.200 Megawatt. Zum Zeitpunkt des Vorfalls speisten die Anlagen Medienberichten zufolge rund 3.000 Megawatt in das Netz ein.
Obwohl Amprion erklärte, dass die allgemeine Stromversorgung zu keinem Zeitpunkt gefährdet war, verdeutlichte der Vorfall die Verwundbarkeit der Anlagen. Die betroffenen Einheiten, darunter die Blöcke Neurath G und Niederaußem H, konnten erst im Verlauf der darauffolgenden Tage sukzessive wieder angefahren werden.
Laut dpa fordert Krebber nun, dass Betreiber kritischer Infrastruktur alle verfügbaren technischen Möglichkeiten zur Überwachung nutzen dürfen. Zudem kritisierte er bestehende Transparenzgesetze, welche die Standorte sensibler Anlagen öffentlich zugänglich machen, und plädierte stattdessen für eine verstärkte Geheimhaltung.
Angehobene Prognosen und Analysten-Echo
Die operative Belastung durch die Sabotagefälle trifft RWE in einer Phase wirtschaftlicher Stärke. Das Unternehmen hatte Ende Juli seine Ziele für das laufende Geschäftsjahr deutlich nach oben korrigiert.
Für das Jahr 2026 erwartet der Konzern nun ein bereinigtes EBITDA zwischen 5,8 und 6,4 Milliarden Euro, nachdem zuvor lediglich 5,2 bis 5,8 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden waren. Das bereinigte Nettoergebnis wird nun in einer Spanne von 1,95 bis 2,45 Milliarden Euro prognostiziert.
Diese positive Geschäftsentwicklung spiegelt sich auch in der Aktienperformance wider, die seit Jahresbeginn ein Plus von 32 % verzeichnet. Am Freitag schloss das Papier bei 59,60 Euro und notiert damit knapp 4 % unter seinem 52-Wochen-Hoch von 62,00 Euro.
Analysten bewerten die Perspektiven des Essener Konzerns weiterhin optimistisch. Am 20. August erhöhte JPMorgan das Kursziel für die RWE-Aktie von 65 auf 68,50 Euro und bestätigte die Einstufung „Overweight“. Am selben Tag bekräftigte die Deutsche Bank ihre Kaufempfehlung („Buy“) mit einem von 63 auf 65 Euro angehobenen Kursziel.
Neben der Erhöhung der Prognosen treibt RWE seine langfristige Strategie voran. Vor über einem Monat erhöhte der Konzern seine Mehrheitsbeteiligung am Übertragungsnetzbetreiber Amprion auf 55 %.
Die Investitionssumme von 3,6 Milliarden Euro wurde über eine Kapitalerhöhung finanziert, bei der namhafte Ankerinvestoren wie die Qatar Investment Authority und die norwegische Norges Bank einstiegen. Detaillierte Einblicke in den aktuellen Geschäftsverlauf wird RWE am 11. November mit der Vorlage der Ergebnisse für das dritte Quartal geben.
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