RWE, Kraftwerke

RWE: Kraftwerke nach Sabotageverdacht abgeschaltet

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 17:26 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nach einem Vorfall an einem Amprion-Umspannwerk plant RWE die schrittweise Rückkehr von fünf Kraftwerksblöcken ans Netz bis zum Wochenende.

Essener Industriekulisse mit Förderturmsilhouette, weiches Aquarell in Pastelltönen
RWE AG (DE0007037129) Essener Industriekulisse mit Förderturmsilhouette als weiches Aquarell in Pastelltönen Illustration mit AI erstellt.

Der Energiekonzern RWE sieht sich mit einem massiven Betriebsausfall in seinen Braunkohlekraftwerken konfrontiert. Seit gestern Abend sind fünf Kraftwerksblöcke an den Standorten Neurath und Niederaußem vom Stromnetz getrennt. Betroffen ist eine installierte Leistung von insgesamt rund 4.200 Megawatt. Auslöser für den Stillstand ist ein Vorfall im Umfeld eines Umspannwerks des Übertragungsnetzbetreibers Amprion.

Medienberichten zufolge geht die Polizei nach ersten Erkenntnissen von einer wahrscheinlich vorsätzlichen Tat aus. RWE Power befindet sich im engen Austausch mit den Sicherheitsbehörden und den Verantwortlichen von Amprion, um die Hintergründe aufzuklären und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Der Ausfall derart großer Kapazitäten stellt für den Konzern eine technische und logistische Herausforderung dar.

Gestufter Plan für das Wiederanfahren

Um die Blöcke sicher zurück ans Netz zu bringen, wurde ein detaillierter Zeitplan erstellt. Noch am heutigen Mittwoch sollen insgesamt drei Blöcke mit einer kombinierten Leistung von 2.600 Megawatt den Betrieb wieder aufnehmen. Für die verbleibenden zwei Blöcke, die zusammen über 1.600 Megawatt verfügen, ist die Rückkehr in den Regelbetrieb bis zum kommenden Wochenende vorgesehen.

Der Vorfall trifft RWE in einer Phase, in der das Unternehmen seine Position im Netzgeschäft massiv ausbaut. Erst am 23. Juni wurde bekannt, dass der Essener Konzern seine Beteiligung an Amprion auf 55 Prozent erhöht und damit die Mehrheit übernimmt.

Der Kaufpreis für die zusätzlichen Anteile belief sich auf 3,6 Milliarden Euro. Die Freigabe durch die Kartellbehörden für diesen strategisch wichtigen Zukauf wird für das dritte Quartal 2026 erwartet.

Finanzielle Stabilität trotz operativer Störungen

Zur Finanzierung seiner Expansionsschritte hatte RWE bereits am 22. Juni eine umfangreiche Kapitalmaßnahme abgeschlossen. Dabei wurden rund 74,4 Millionen Aktien zu einem Platzierungspreis von 54 Euro je Stück veräußert.

Der Bruttoerlös dieser Transaktion belief sich auf rund 4 Milliarden Euro, wodurch die Bilanz für künftige Investitionen gestärkt wurde. Bis zum Jahr 2031 plant der Konzern allein im regulierten Netzgeschäft von Amprion Investitionen in Höhe von 6,5 Milliarden Euro.

Die operative Ertragskraft des Konzerns zeigte sich zuletzt robust. Vor gut drei Wochen vermeldete RWE für das erste Halbjahr 2026 ein vorläufiges bereinigtes EBITDA von 3.011 Millionen Euro. Das bereinigte Nettoergebnis lag in diesem Zeitraum bei 1.257 Millionen Euro.

Auf Basis dieser Zahlen hatte das Management vor rund einem Monat die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr angehoben und peilt nun ein bereinigtes EBITDA zwischen 5,75 und 6,35 Milliarden Euro an.

Auch für das darauffolgende Jahr 2027 gab sich die Konzernführung zuversichtlich und erhöhte das Ziel für das bereinigte EBITDA auf eine Spanne von 6,7 bis 7,3 Milliarden Euro. Diese Prognosen unterstreichen den Wachstumskurs, den das Unternehmen trotz kurzfristiger Beeinträchtigungen durch den aktuellen Kraftwerksstillstand verfolgt.

Marktreaktion und Kursentwicklung

An der Börse sorgten die Nachrichten über den Sabotageverdacht für leichte Verkäufe. Der aktuelle Kurs der RWE-Aktie notiert bei 57,66 Euro, was einem Rückgang von 1,1 Prozent gegenüber dem Vortag entspricht.

Trotz dieses moderaten Tagesverlusts weist der Wert seit Jahresbeginn eine positive Bilanz auf und konnte in diesem Zeitraum um 27 Prozent zulegen. Anleger beobachten nun genau, ob der geplante Wiederanfahrplan der Kraftwerksblöcke bis zum Wochenende wie vorgesehen umgesetzt werden kann.

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