RWE, GWh

RWE: 75 GWh für Wasserstoffanlage in Rotterdam

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 14:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

JPMorgan erwartet bei RWE mögliche Zielanhebungen, während ein neuer Stromvertrag und Investitionen den Wasserstoffkurs des Konzerns prägen.

Offshore-Windpark in der Nordsee bei goldenem Sonnenaufgang, ruhige See, Panorama
RWE AG (DE0007037129) Offshore-Windpark in der Nordsee bei goldenem Sonnenaufgang, ruhige See Illustration mit AI erstellt.

Der Essener Energiekonzern RWE rückt heute verstärkt in den Fokus der Finanzmärkte. Das Analysehaus JPMorgan hat die Aktie auf die Beobachtungsliste für positive Nachrichten („Positive Catalyst Watch“) gesetzt.

Analyst Javier Garrido begründet diesen Schritt mit der Aussicht auf eine mögliche Anhebung der Jahresziele. Die bisherige Gewinnplanung des Versorgers für die kurz- und mittelfristige Entwicklung sei konservativ gewählt, was Spielraum für positive Überraschungen bei der Prognoseanpassung lasse.

Analysten erwarten steigende Gewinnziele

JPMorgan belässt die Einstufung für RWE auf „Overweight“. Der Optimismus der Analysten stützt sich auf die Erwartung, dass die operativen Ergebnisse die bisherigen Schätzungen übertreffen könnten. Im aktuellen Marktumfeld notiert die Aktie bei 60,26 € und weist damit einen deutlichen Abstand von 11 % zum gleitenden Durchschnitt der vergangenen 200 Tage auf, der bei 54,27 € liegt.

Flankiert wird die positive fundamentale Einschätzung durch den Expansionskurs im Bereich der grünen Gase. RWE schloss heute einen langfristigen Stromliefervertrag (PPA) mit dem Industriegas-Spezialisten Air Products ab. Ab dem Jahr 2027 wird RWE jährlich bis zu 75 Gigawattstunden (GWh) erneuerbaren Strom für eine neue Wasserstoffverflüssigungsanlage in Rotterdam bereitstellen.

Der Strom stammt aus dem Onshore-Windpark Karolinapolder sowie dem Solarpark Kerkrade. Das Projekt in Rotterdam soll nach seiner Fertigstellung die größte Anlage ihrer Art in Europa sein und die Kriterien der europäischen Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED III erfüllen.

Strukturwandel und hohe Strompreise

RWE-Chef Markus Krebber betonte am Donnerstag bei einer Veranstaltung der Wirtschaftsinitiative Frankfurt, dass das Zeitalter sinkender Energiepreise vorerst vorbei sei. Trotz des Ausbaus erneuerbarer Energien bleibe Strom weltweit teuer.

Krebber verwies auf die steigende Nachfrage durch die Elektromobilität und den massiven Energiebedarf von KI-Rechenzentren. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, investiert RWE jährlich rund 7 Milliarden Euro in den Umbau des Energiemix.

Parallel dazu forderte der Vorstandsvorsitzende angesichts einer jüngsten Sabotage-Serie einen besseren Schutz der kritischen Infrastruktur. Er plädierte für mehr Geheimhaltung bei Netzdetails, eine stärkere Überwachung im öffentlichen Raum sowie eine Debatte über physische Notwehr zum Schutz der Anlagen. Die Forderungen folgen auf gezielte Angriffe gegen Stromleitungen in der Nähe von Kohlekraftwerken in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen.

Sicherheitsrisiken belasten kurzfristig den Betrieb

Die Sabotageversuche hatten unmittelbare Auswirkungen auf die Stromerzeugung. RWE musste Kraftwerksblöcke mit einer Gesamtleistung von 4.200 Megawatt vorübergehend vom Netz nehmen. In diesem Zusammenhang nahm die Polizei einen 48-jährigen Verdächtigen fest. NRW-Energieministerin Mona Neubaur kritisierte in der Folge die Bundesregierung und forderte verbindliche Rechtsgrundlagen für den Schutz der Infrastruktur.

Trotz dieser operativen Störungen zeigt sich der Kurs widerstandsfähig. Seit Beginn des Jahres konnte die RWE-Aktie einen Wertzuwachs von 33 % verzeichnen.

Anleger honorieren damit offenbar die Kombination aus stabilen Cashflows aus langfristigen Lieferverträgen und der strategischen Positionierung im wachsenden Wasserstoffmarkt. Die Perspektive auf eine baldige Anhebung der offiziellen Finanzziele durch den Vorstand bleibt derzeit der zentrale Treiber für die Marktbewertung.

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