Rolls-Royce Aktie: BAE wählt Williams für Brontanax
Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 08:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Während Rolls-Royce operativ glänzt, sorgt ein verpasster Auftrag im britischen Verteidigungssektor für Aufsehen. Der Triebwerkshersteller wurde von BAE Systems bei der Entwicklung der neuen Brontanax-Drohne übergangen. Wie Medienberichte zeigen, entschied sich BAE gegen das Orpheus-Triebwerk von Rolls-Royce und wählte stattdessen einen Antrieb des US-Unternehmens Williams International.
Preisstreit belastet Drohnen-Kooperation
Hintergrund der Entscheidung für den US-Zulieferer ist ein massiver Preisstreit. Das Angebot von Rolls-Royce galt demnach als zu teuer. Branchenkreisen zufolge habe sich das Unternehmen nicht ausreichend kompromissbereit gezeigt, um im Budgetrahmen des Projekts zu bleiben. Die Brontanax-Drohne, die als Begleitflugzeug für die Royal Air Force (RAF) konzipiert ist, wurde am 22. Juli in Farnborough vorgestellt. Während über 70 britische Firmen an dem Programm beteiligt sind, fehlt Rolls-Royce auf der Partnerliste.
Tufan Erginbilgic, CEO von Rolls-Royce, reagierte ausweichend auf die Entscheidung und verwies für weitere Details an BAE Systems. Er betonte jedoch, dass sein Unternehmen die Führung bei souveränen Antriebsfähigkeiten für autonome Systeme anstrebe. Trotz des Rückschlags bei der Brontanax-Drohne sicherte sich der Konzern erst im Juni Fördermittel der US-Luftwaffe für die Entwicklung autonomer Kampfflugzeugtriebwerke. Zudem laufen Kooperationen mit Partnern in Deutschland an Drohnenprogrammen.
Starke Halbjahreszahlen treiben Jahresprognose nach oben
Trotz des Unmuts im Rüstungsbereich präsentierte Rolls-Royce am Donnerstag herausragende Zahlen für das erste Halbjahr 2026. Der operative Gewinn stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 46 Prozent auf 2,5 Milliarden Pfund. Besonders die Sparte Defence und der Bereich Power Systems trugen zu diesem Erfolg bei. Defence verzeichnete ein organisches Umsatzplus von 17 Prozent, während der Gewinn in diesem Segment um 57 Prozent zulegte. Bei Power Systems kletterte der operative Gewinn sogar um 72 Prozent.
Aufgrund dieser Entwicklung hob das Management die Prognose für das Gesamtjahr 2026 deutlich an. Erwartet wird nun ein operativer Gewinn zwischen 4,7 und 4,9 Milliarden Pfund. Der Free Cashflow soll im Bereich von 3,8 bis 4,0 Milliarden Pfund liegen. Bis zum Jahr 2028 strebt das Unternehmen mittlerweile ein operatives Ergebnis zwischen 4,9 und 5,2 Milliarden Pfund an. Diese positive Dynamik spiegelt sich auch im Aktienkurs wider, der seit Jahresbeginn um 31,00 Prozent zulegte.
Analysten setzen auf langfristige Wachstumsfelder
Die Analysten der Jefferies Financial Group bestätigten am heutigen Montag ihre Kaufempfehlung für die Aktie mit einem Kursziel von 1.870 Pence. Das Vertrauen in die Restrukturierung unter Erginbilgic bleibt hoch. Der Konzern hat bereits einen Aktienrückkauf über eine Milliarde Pfund aus dem Vorjahr abgeschlossen und die Dividendenzahlungen wieder aufgenommen.
Neben der klassischen Luftfahrt treibt Rolls-Royce den Ausbau neuer Technologien voran. In Singapur, wo das Unternehmen seit 1974 aktiv ist, liegt der Fokus verstärkt auf nachhaltigen Kraftstoffen und der Dekarbonisierung bis 2050. Parallel dazu führt der CEO Gespräche mit Betreibern großer Rechenzentren über die Energieversorgung mittels kleiner modularer Reaktoren (SMRs). Mit einem aktuellen Abstand von nur 3,53 Prozent zum 52-Wochen-Hoch, das bei 17,90 Euro notiert, bleibt die Aktie im Fokus der Anleger, während der Markt die weiteren Entwicklungen bei den Verhandlungen über staatliche Triebwerksförderungen beobachtet.
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