Rocket Lab: Auftragsbestand um 137 Prozent auf 2,36 Milliarden
Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 01:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rocket Lab will nicht mehr nur Raketen bauen. Der Konzern will das Rückgrat der privaten Raumfahrt werden – Satellitenhersteller, Betreiber, Infrastrukturanbieter in einem. Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 liefern den bisher stärksten Beleg für diesen Kurswechsel.
Die Aktie schloss bei 80,10 US-Dollar, kaum verändert zum Vortag. Unter der Oberfläche zeigt sich aber ein Unternehmen, das schneller wächst, als sein Aktienkurs vermuten lässt.
Ein Auftragsbuch mit Industriemaßstab
Der Umsatz kletterte auf einen Rekordwert von 234,1 Millionen US-Dollar. Das sind 62 Prozent mehr als im Vorjahr. Unter dem Strich blieb zwar ein Nettoverlust von 49,3 Millionen US-Dollar. Die wirklich interessante Zahl steckt aber im Auftragsbestand.
Der ist um 137 Prozent auf 2,36 Milliarden US-Dollar gewachsen. Das ist kein Sammelsurium kleiner Startbuchungen mehr. Im Portfolio steht jetzt ein 397-Millionen-Dollar-Auftrag der US Space Force, dazu über 160 Millionen US-Dollar für geostationäre Satelliten. Die Sparte „Space Systems" trug allein 181,3 Millionen US-Dollar zum Produktumsatz bei.
Das zeigt: Rocket Lab verkauft zunehmend die Satelliten selbst – nicht nur den Transport ins All. Ein fundamentaler Unterschied im Geschäftsmodell, und einer, der die Bewertung des Unternehmens neu einordnet.
Die Iridium-Wette und der Neutron-Faktor
Parallel zu diesem organischen Wachstum verfolgt Rocket Lab einen der ambitioniertesten Schachzüge der privaten Raumfahrtbranche: die geplante Übernahme von Iridium Communications für 8 Milliarden US-Dollar. Der Deal soll bis Mitte 2027 abgeschlossen sein. Damit würde Rocket Lab vom Dienstleister zum Eigentümer und Betreiber einer globalen Satellitenkonstellation.
Wie schnell die Aktie zu ihrem bisherigen 52-Wochen-Hoch von 151 US-Dollar zurückfindet, hängt aber an einem anderen Projekt: der Neutron-Rakete. Aktuell liegt der Kurs 47 Prozent darunter. Der Archimedes-Antrieb, der die neue Mittelklasse-Rakete befeuern soll, wurde kürzlich getestet – der Zeitplan bleibt aber ein Streitpunkt.
Das Unternehmen rechnet für das vierte Quartal 2026 mit dem „Pad Rollout", also dem ersten Aufbau der Rakete auf der Startrampe. CEO Peter Beck hat allerdings signalisiert, dass sich das eigentliche Startfenster weiter nach hinten verschiebt. Sein Argument: technische Reife geht vor Kalender.
Für Investoren bedeutet das Warten. Neutron ist der Schlüssel, um direkt mit SpaceX' Falcon 9 zu konkurrieren. Der Erstflug bleibt aber das größte Ausführungsrisiko im gesamten Rocket-Lab-Bild.
Institutionelles Vertrauen trotz Schwankungen
Ruhig ist die Aktie nicht. Die 30-Tage-Volatilität liegt bei 87 Prozent annualisiert – ein Wert, der zeigt, wie nervös der Markt bei jeder Nachricht reagiert. Institutionelle Investoren lassen sich davon aber nicht abschrecken.
Nach den Quartalszahlen stockte Cathie Woods ARK Invest ihre Position auf: Das Fondshaus kaufte 292.873 Aktien für rund 23,4 Millionen US-Dollar. Ein Signal, dass zumindest ein Teil der Anlegerschaft die kurzfristige Kursschwäche als Kaufgelegenheit liest statt als Warnzeichen.
Der langfristige Trend spricht für diese Sichtweise. Über zwölf Monate steht die Aktie 84 Prozent im Plus, seit Jahresbeginn sind es 15 Prozent. Die Marktkapitalisierung liegt bei 44,84 Milliarden Euro – eine Bewertung, die weit über das hinausgeht, was ein reiner Anbieter der kleinen Electron-Rakete rechtfertigen würde.
Die Infrastruktur-Wette
Die Strategie wird deutlicher: Electron und die kommende Neutron sollen das logistische Rückgrat bilden, auf dem Rocket Lab seine Expansion in Satellitenbau und globale Kommunikation aufbaut. Der Start des containerisierten Launch-Systems „GHOST" und die Gründung der Rocket Lab Germany GmbH unterstreichen den Anspruch, im Bereich der schnell verfügbaren „Responsive Space"-Missionen weltweit eine Führungsrolle einzunehmen.
Der Kurs bewegt sich derzeit nah am 200-Tage-Durchschnitt von 80,21 US-Dollar – ein Zeichen dafür, dass der Markt noch nach einer klaren Richtung sucht. Der Umbau vom reinen Raketenanbieter zum vertikal integrierten Raumfahrtkonzern ist trotzdem längst im Gange.
Ob Rocket Lab diesen Anspruch einlösen kann, entscheidet sich in den kommenden Monaten an einer einzigen Frage: Hält die Ingenieurskunst bei Neutron mit dem Tempo der kommerziellen und Übernahme-Ambitionen Schritt? Die Antwort darauf wird darüber bestimmen, ob die aktuelle Bewertung gerechtfertigt ist – oder ob der Iridium-Deal am Ende schwerer wiegt als jede einzelne Raketenrampe.
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