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Rocket Lab Aktie: Q3-Zahlen am 9. November erwartet

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 16:59 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Lufteinschlüsse im Tankdom verzögern Neutron; Umsatz und Auftragsbestand stützen Rocket Labs bestehendes Geschäft.
Minimalistische futuristische Architektur bei Dämmerung als Symbol für Innovation in der Luft- und Raumfahrtindustrie. Illustration mit AI erstellt.

Ein Fertigungsfehler bremst den Hoffnungsträger aus

Die Ambitionen von Rocket Lab im Markt für mittlere Nutzlasten erleiden einen Dämpfer. Nach der Entdeckung von mikroskopischen Lufteinschlüssen in den Kohlefaserlagen des vorderen Tankdoms der ersten Stufe verschiebt das Raumfahrtunternehmen den Erstflug seiner Neutron-Rakete auf das Jahr 2027. Zuvor war der Jungfernflug noch für das vierte Quartal 2026 anvisiert worden. Wie CEO Peter Beck mitteilte, traten die Hohlräume nach dem Wechsel auf eine automatisierte Faserablage auf.

Für Anleger kommt diese Nachricht zur Unzeit. Die Aktie notiert im deutschen Handel aktuell bei 47,65 Euro, womit das Papier seit Jahresbeginn einen Verlust von 23 Prozent verzeichnet.

Die Verschiebung berührt das strategische Herzstück des Unternehmens: Während die bewährte Electron-Trägerrakete kleinere Nutzlasten transportiert, soll Neutron bis zu 13.000 Kilogramm in den niedrigen Erdorbit befördern und den Weg in renditestarke Großaufträge ebnen.

Investoren stehen nun vor der Frage, ob der Rückschlag lediglich eine zeitliche Verschiebung bedeutet oder das Fundament der mittelfristigen Wachstumsstory beschädigt.

Der Weg zur Profitabilität hängt am Erstflug

Die zentrale Variable für die weitere Bewertung ist der Zeitpunkt, an dem die kommerzielle Monetarisierung von Neutron einsetzt. Das Erreichen der operativen Gewinnschwelle ist eng an diesen Meilenstein gekoppelt: Das Management stellt ein positives bereinigtes EBITDA für das Quartal nach dem erfolgreichen Erstflug in Aussicht. Ein positiver freier Cashflow wird hingegen erst 18 bis 24 Monate nach diesem Ereignis erwartet.

Jeder Monat Verzögerung verschiebt somit diesen finanziellen Wendepunkt weiter nach hinten. Zwar überarbeitete das Ingenieursteam das Fertigungsverfahren bereits und stellte einen fehlerfreien hinteren Tankdom her, doch muss die vordere Komponente komplett neu gebaut und geprüft werden.

Die entscheidende Kennzahl für Anleger bleibt daher die zeitliche Bindung der Investitionsmittel: Solange die Entwicklungskosten laufen, ohne dass nennenswerte Einnahmen aus Neutron-Flügen fließen, verharrt das Unternehmen in einer kapitalintensiven Phase.

Ein gefülltes Auftragsbuch stützt das Kerngeschäft

Auf der optimistischen Seite verfügt Rocket Lab über ein tragfähiges Fundament, das den Aufschub abfedern kann. Das operative Geschäft wächst rasant. Im zweiten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Rekordumsatz von 234 Millionen US-Dollar, was einem Zuwachs von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Gleichzeitig stieg der Auftragsbestand auf 2,36 Milliarden US-Dollar an.

Dieses Polster verschafft dem Konzern operative Ruhe. Der Markt honoriert, dass das Kerngeschäft nicht stillsteht: Neben anhaltenden Buchungen für Electron, darunter eine Vereinbarung über 20 Starts mit Synspective, liefert das Segment Space Systems verlässliche Beiträge. Zudem existieren für Neutron bereits Vorverträge, unter anderem ein Entwicklungsauftrag der US Space Force über 397 Millionen US-Dollar.

Analysten werten das Aussetzen des Jahresendziels daher teilweise als Zeichen ingenieurtechnischer Umsicht statt als Scheitern. Das Analysehaus Stifel bekräftigte seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 132 US-Dollar und betonte, dass kein struktureller Konstruktionsfehler vorliege, sondern die Kundennachfrage intakt bleibe. In diesem Szenario nutzt das Management die Zeit bis 2027, um das Trägersystem ohne Fehlschlagrisiko zur Marktreife zu führen.

Längere Verzögerungen drohen Barmittel aufzuzehren

Auf der anderen Seite birgt die veränderte Zeitleiste erhebliche Risiken für die Bilanz. Der freie Cashflow fiel im jüngsten Quartal mit minus 110,1 Millionen US-Dollar deutlich negativ aus. Eine Verzögerung des Erstflugs bedeutet zwingend, dass höhere Vorlaufkosten und ein längerer Mittelverbrauch anfallen.

Citizens senkte das Kursziel von 130 auf 90 US-Dollar, beließ die Einstufung jedoch auf „Market Outperform“. Die Experten sehen den spürbarsten Effekt des veränderten Zeitplans darin, dass Startumsätze in den Geschäftsjahren 2027 und 2028 nach hinten wandern. Sollten während der Qualifikationstests der neun Archimedes-Triebwerke oder bei den Bodentests am Startplatz in Virginia weitere Hürden auftreten, droht eine Ausweitung des Finanzbedarfs.

Zusätzliche Komplexität entsteht durch strategische Verpflichtungen. Die geplante Übernahme von Iridium soll voraussichtlich Mitte 2027 abgeschlossen werden. Sollte sich der operative Start von Neutron über das Jahr 2027 hinausziehen, stiege das Risiko, dass Rocket Lab zur Finanzierung von Investitionen erneut auf Kapitalerhöhungen zurückgreifen muss. Dies würde den Wert der Altaktionäre verwässern.

Testläufe Anfang 2027 weisen die Richtung

Für Anleger definiert sich die Lage über klare Marken. Solange die Aktie oberhalb ihres 52-Wochen-Tiefs von 32,60 Euro verbleibt, spiegelt die Bewertung wider, dass der Markt den Aufschub als beherrschbares Übergangsjahr einpreist. Ein Halten dieser Zone signalisiert das Vertrauen der Investoren in die bestehende Liquiditätsausstattung.

Kippt dieses Vertrauen jedoch infolge erneuter technischer Rückschläge im Fertigungsprozess, droht dem Papier ein Test tieferer Niveaus. Ein solcher Vertrauensverlust würde eintreten, falls der Zeitplan für den Neubau der Tankkomponenten erneut ins Wanken gerät.

Der nächste konkrete Meilenstein steht am 9. November an. An diesem Tag legt Rocket Lab die Zahlen für das dritte Quartal vor. Neben der Umsatzentwicklung – das Management stellte hierfür zuletzt Erlöse zwischen 250 und 265 Millionen US-Dollar in Aussicht – werden Anleger vor allem die aktualisierten Prognosen zum Cash-Burn prüfen.

Die technische Nagelprobe folgt im ersten Quartal 2027, wenn die hydrostatischen und kryogenen Tests des vollständig montierten Erststufentanks abgeschlossen sein sollen. Erst dieses Ergebnis wird zeigen, wann der Erstflug im Jahresverlauf 2027 tatsächlich stattfinden kann.

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