Rocket Lab Aktie: Neutron erst Q4 zur Startrampe
Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 09:58 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rocket Lab hat am Montag ein Rekordquartal vorgelegt und gleichzeitig neue Zweifel an seinem wichtigsten Zukunftsprojekt gesät. Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal 2026 auf 234 Millionen Dollar, der Auftragsbestand erreichte mit 2,36 Milliarden Dollar ebenfalls einen Höchststand.
Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen erneut ein Rekordumsatz in Aussicht. Die Aktie fiel im nachbörslichen Handel dennoch deutlich – ein scheinbarer Widerspruch, der sich vor allem aus der Neutron-Rakete erklärt.
Margen enttäuschen, Neutron verschiebt sich erneut
Reuters berichtete, dass Rocket Lab für das dritte Quartal eine GAAP-Bruttomarge von 29 bis 31 Prozent in Aussicht stellte – deutlich unter der von Analysten erwarteten Marke von 37,6 Prozent. Diese Guidance gilt als Hauptgrund für den Kursrückgang nach den Zahlen, obwohl der Umsatz die Erwartungen übertroffen hatte. Der bereinigte Verlust je Aktie lag bei 0,08 Dollar.
Zusätzlich belastete eine Neuigkeit zur Neutron-Rakete, dem Schwerlastträger, auf den viele Anleger langfristig setzen. Rocket Lab teilte mit, die Rakete solle nun im vierten Quartal 2026 zur Startrampe geliefert werden – nicht, wie zuvor vielfach erwartet, tatsächlich starten.
Reuters und Bloomberg werteten die Formulierung als faktische Verschiebung und äußerten Zweifel, ob Neutron überhaupt noch in diesem Jahr abheben wird. Laut Spaceflight Now bestätigte das Unternehmen in einer Mitteilung, dass die Produktion der Stufe-1-Tanks auf diesen Zeitplan ausgerichtet sei, der tatsächliche Starttermin aber von weiteren Qualifikationstests im späteren Jahresverlauf abhänge.
Gegen diese vorsichtige Lesart stellte sich CEO Peter Beck. In einem Bloomberg-Videointerview am Dienstag sagte er, das Unternehmen arbeite mit Nachdruck darauf hin, Neutron noch in diesem Jahr erstmals zu starten. Bloomberg wies darauf hin, dass diese Aussage im Widerspruch zu der zurückhaltenderen Formulierung aus der Quartalsmitteilung steht – ein Spannungsfeld, das Anleger vorerst begleiten dürfte.
Auftragslage bleibt robust
Abseits der Neutron-Debatte liefert das operative Geschäft weiter Substanz. Rocket Lab gab an, seit Quartalsende bereits mehr als eine Milliarde Dollar an neuen Aufträgen für das dritte Quartal eingesammelt zu haben.
Anfang August hatte das Unternehmen zudem einen Auftrag der US-Raumfahrtstreitkräfte über 397 Millionen Dollar im Rahmen des SB-AMTI-Programms bekanntgegeben, der den Bau und Start von Flatellite-Raumfahrzeugen auf Neutron vorsieht.
Für Neutron selbst kam zudem ein dedizierter Startvertrag mit Kepler Communications hinzu, der frühestens 2028 mehrere Satelliten für dessen Konstellation von der Startanlage Launch Complex 3 auf Wallops Island aus ins All bringen soll.
Das kleinere Trägersystem Electron lieferte am 6. August seinen 92. Flug und den 13. Electron-Start des Jahres 2026 ab, dabei wurde für den japanischen Kunden iQPS der Satellit QPS-SAR-13 ausgesetzt – bereits die achte Mission für diese Konstellation mit bislang hundertprozentiger Erfolgsquote.
Kurs unter Druck, Bewertung bleibt hoch
Die Rocket-Lab-Aktie schloss am Mittwoch bei 70,40 Euro und liegt damit knapp sieben Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 75,43 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro, das Ende Mai markiert wurde, fehlen der Aktie 47 Prozent.
Auf Zwölfmonatssicht steht dennoch ein Plus von 91 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, wie volatil die Bewertung des Unternehmens zwischen Wachstumsfantasie und Ausführungsrisiko schwankt.
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