Rocket Lab Aktie: Auftragsbestand übertrifft 100 Missionen
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 09:28 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Zeitpunkt für den Rekordvertrag könnte kaum besser gewählt sein. Während der Weltraummarkt auf Engpässe bei Trägerraketen zusteuert, zementiert Rocket Lab seine Rolle als verlässlicher Partner für dedizierte Kleinsatellitenstarts.
Die Vereinbarung mit dem japanischen Erdbeobachtungsunternehmen Synspective über 20 Electron-Missionen markiert für mich den endgültigen Übergang des Unternehmens von der Pionierphase in ein skalierbares, industrielles Geschäftsmodell.
Bemerkenswert ist dabei vor allem die Kundenbindung: Synspective schraubt sein Gesamtkontingent bei Rocket Lab damit auf 47 Missionen hoch. Kein anderer Kunde hat bisher so viele Starts bei dem Raumfahrtkonzern gebucht. Zwischen 2028 und 2031 sollen die zusätzlichen StriX-SAR-Satelliten von Neuseeland aus in den Orbit transportiert werden.
Dass alle bisherigen 13 Starts für das Tokioter Unternehmen reibungslos verliefen, schafft ein Vertrauenspolster, das am Kapitalmarkt oft unterschätzt wird. Zuverlässigkeit ist in der Raumfahrt die härteste Währung überhaupt.
Rückenwind durch Engpässe beim Marktführer
Strategisch gewinnt dieser Schritt zusätzlich an Gewicht, wenn man das Marktumfeld betrachtet. Für viele Satellitenbetreiber droht nach 2028 ein akuter Mangel an Startgelegenheiten, da die Nachfrage das Angebot bis mindestens zum Ende des Jahrzehnts übersteigen dürfte.
Genau in diese Lücke stößt Rocket Lab vor. Die Japaner sichern sich frühzeitig feste Startfenster, statt auf ungewisse Mitfahrgelegenheiten zu hoffen. Dass Rocket Labs gesamter Start-Auftragsbestand nun die Marke von 100 Missionen übertrifft, belegt diesen Trend eindrucksvoll.
Anleger sollten diesen Aspekt nicht als bloße Statistik abtun: Ein prall gefülltes Auftragsbuch verleiht dem operativen Geschäft eine Visibilität, von der viele Wettbewerber nur träumen können.
Unterm Strich zahlt sich die Doppelstrategie aus Trägerraketen und Satellitensystemen aus. Allein im zweiten Quartal 2026 kletterte der Konzernumsatz um 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 234 Millionen US-Dollar. Für das dritte Quartal peilt das Management bereits Erlöse zwischen 250 und 265 Millionen US-Dollar an.
Mit liquiden Mitteln und marktgängigen Wertpapieren von rund 2,4 Milliarden US-Dollar zum Ende des zweiten Quartals verfügt der Konzern über ein finanzielles Polster, das die weiteren Expansionspläne solide absichert.
Große Vorhaben fordern Disziplin
Trotz der erfreulichen Auftragsflut dürfen die bestehenden Risiken nicht ausgeblendet werden. Die geplante Großrakete Neutron, die frühestens Ende 2026 an die Startrampe geliefert werden soll, befindet sich noch nicht im kommerziellen Betrieb.
Hier lauern die branchenüblichen Gefahren von Verzögerungen und Budgetüberschreitungen. Zudem muss Rocket Lab beweisen, dass die anstehende Übernahme von Iridium Communications reibungslos integriert werden kann. Immerhin gaben die Iridium-Aktionäre dafür zuletzt mit 99,6 Prozent der Stimmen grünes Licht.
An der Börse notierte das Papier am Mittwoch bei 61,60 Euro und liegt damit rund 54 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro. Für mich spiegelt diese Bewertung eine gesunde Dosis Skepsis wider, die jedoch die langfristigen Chancen überlagert.
Das Chance-Risiko-Verhältnis spricht aus meiner Sicht derzeit für das Unternehmen. Rocket Lab beweist operative Liefertreue auf der Electron-Plattform und baut gleichzeitig systematisch Marktanteile aus. Gelingt der planmäßige Übergang in die Neutron-Ära, dürfte der aktuelle Bewertungsabschlag kaum von Dauer sein. Die Weichen für die nächste Wachstumsphase sind jedenfalls gestellt.
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