Rocket Lab Aktie: 8,73-Prozent-Einbruch trotz 266-Mio-Auftrag
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 10:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rocket Lab kommt operativ kaum aus den Schlagzeilen – und doch bricht die Aktie weiter ein. Am Mittwoch verlor das Papier 8,73 Prozent und schloss bei 51,20 Euro. Der 14-Tage-RSI von 29,2 signalisiert eine überverkaufte Lage, ein deutlicher Kontrast zur Nachrichtenlage der vergangenen Tage, in der das Raumfahrtunternehmen gleich mehrere neue Verträge und einen Reaktionsschnelligkeitsrekord vermeldete.
Space Force vergibt weitere Aufträge
Am Dienstag wurde bekannt, dass die US Space Force Rocket Lab einen Rekordauftrag über 266 Millionen US-Dollar erteilt hat. Er umfasst zwölf suborbitale Starts vom Pacific Spaceport Complex auf Kodiak, Alaska, ab Ende 2026, mit einer Option auf sechs weitere Missionen. Alaska Aerospace betreibt den Startkomplex seit 1991 und kommt bislang auf 34 Starts, davon neun orbital und 25 suborbital. Kurz zuvor hatte die Space Force zudem ihren ersten GEO-Satellitenauftrag an Rocket Lab vergeben: 89,5 Millionen US-Dollar für den Bau zweier geostationärer Satelliten – ein neues Marktsegment für das Unternehmen.
Parallel dazu demonstrierte Rocket Lab seine operative Schlagkraft: Für die Victus-Haze-Mission der Space Force brachte eine Electron-Rakete den selbst gebauten Pioneer-Satelliten innerhalb von nur 16 Stunden und 42 Minuten nach Benachrichtigung ins All – ein neuer Rekord für die geforderte schnelle Reaktionsfähigkeit im Rahmen des TacRS-Programms. Zusätzlich meldete das Unternehmen einen erfolgreichen Qualifikationstest des Archimedes-Triebwerks für die neue Neutron-Trägerrakete, das beim Start eine Schubkraft von 1,5 Millionen Pfund erreichen soll.
Iridium-Deal und regulatorisches Rückenwind
Überschattet wird die Auftragsflut von der milliardenschweren Übernahme des Satellitenbetreibers Iridium für rund acht Milliarden US-Dollar, die Rocket Lab über einen Brückenkredit von 3,6 Milliarden US-Dollar finanziert. Zusätzlich sorgte ein Vorschlag der FAA für Aufsehen, wonach Umweltprüfungen für Raketenstarts künftig entfallen könnten – die Behörde hat dafür eine 30-tägige Kommentarfrist eröffnet. Trotz dieser eigentlich positiven regulatorischen Aussicht gab die Aktie am Tag der Meldung weiter nach, gemeinsam mit anderen Raumfahrtwerten. Der Grund liegt weniger im Unternehmen selbst als im Sektorumfeld: Der Kurssturz von SpaceX, das nach seinem Börsengang deutlich unter den Ausgabepreis gefallen ist, hat eine breite Verkaufswelle unter Raumfahrtaktien ausgelöst, die auch Rocket Lab erfasst hat.
ARK Invest kauft nach, Analysten bleiben optimistisch
Trotz eines nach bisherigem Verlauf historisch schwachen Julimonats für die Aktie zeigte sich Cathie Woods ARK Invest kaufbereit: Der Vermögensverwalter erwarb am 28. Juli rund 62.500 Rocket-Lab-Aktien im Wert von etwa vier Millionen US-Dollar. Gleichzeitig reduzierte ARK seine Iridium-Position um knapp 185.000 Aktien im Volumen von rund 8,4 Millionen US-Dollar – ein Fingerzeig darauf, dass der bevorstehende Zusammenschluss beider Unternehmen die Portfoliogewichtung verändert. Der Analystenkonsens sieht das Kursziel für Rocket Lab weiterhin deutlich über dem aktuellen Niveau, mit erheblichem Aufwärtspotenzial gegenüber den zuletzt gefallenen Kursen in den USA.
Ausblick: Zahlen am 10. August
Operativ zeigte Rocket Lab zuletzt Stärke: Im ersten Quartal 2026 lag der Verlust je Aktie bei 0,07 US-Dollar und fiel damit besser aus als die Konsensschätzung von minus 0,08 US-Dollar. Die nächsten Quartalszahlen sind für den 10. August terminiert und dürften zeigen, ob sich die Auftragsdynamik aus Kodiak, dem GEO-Geschäft und der Iridium-Integration bereits in den Finanzkennzahlen niederschlägt. Bis dahin bleibt die Aktie in einem Spannungsfeld: operative Fortschritte auf der einen, ein von der Sektorstimmung getriebener Kursdruck auf der anderen Seite.
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