Rigetti Aktie: TangleLab-Bau startet morgen
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 12:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Beim Quantencomputer-Spezialisten Rigetti Computing steht die operative Umsetzung der kommerziellen Strategie im Fokus einer umfassenden personellen Neuausrichtung.
Mit der Ernennung von David Rivas zum Chief Operating Officer und Andrew Bestwick zum Chief Technology Officer am 19. August reagiert das Unternehmen auf den wachsenden Bedarf, die Bereitstellung von Quantensystemen vor Ort bei Kunden zu skalieren.
Diese Umstrukturierung erfolgt unmittelbar vor einem wichtigen infrastrukturellen Meilenstein: Morgen, am 1. September, soll der Bau des sogenannten TangleLab am Pittsburgh Supercomputing Center beginnen.
Strategischer Umbau für Vor-Ort-Systeme
Die neue Führungsstruktur zielt darauf ab, die Lücke zwischen technologischer Entwicklung und Marktreife zu schließen. David Rivas übernimmt in seiner Rolle als COO die Verantwortung für die Bereiche Fertigung, Systemauslieferung, Softwareanwendungen und Geschäftsentwicklung sowie für Regierungsprogramme und die Lieferkette. Parallel dazu leitet Andrew Bestwick als CTO die Entwicklung der Quantenprozessoren und die Hardware-Technik.
Hintergrund dieser Maßnahmen ist der Fokus auf die "On-Premises"-Strategie. Rigetti konzentriert sich verstärkt darauf, Quantenrechner direkt in den Rechenzentren der Kunden zu installieren, statt sie lediglich über Cloud-Dienste zugänglich zu machen.
Beispiele hierfür sind das 9-Qubit-System Novera für das Pittsburgh Supercomputing Center sowie das 108-Qubit-Systemprogramm Cepheus-1-108Q für das indische Center for Development of Advanced Computing (C-DAC). Das TangleLab in Pittsburgh soll nach dem Baustart am morgigen Dienstag die Grundlage für den operativen Betrieb ab dem Jahr 2027 bilden.
Finanzielle Basis und staatliche Förderung
Die finanzielle Lage des Unternehmens zeigt eine deutliche Ausweitung der Geschäftsaktivitäten bei gleichzeitig hohen Investitionskosten. In den am 6. August vorgestellten Ergebnissen für das zweite Quartal meldete Rigetti einen Umsatzsprung auf 5,1 Millionen US-Dollar, verglichen mit 1,8 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum.
Dieser Anstieg ist primär auf die starke Nachfrage nach Novera-Systemen bei kommerziellen Kunden in den USA zurückzuführen. Der Nettoverlust belief sich im selben Zeitraum auf 52,6 Millionen US-Dollar, während der bereinigte Verlust (Non-GAAP) bei 16,0 Millionen US-Dollar lag.
Mit liquiden Mitteln und kurzfristigen Anlagen in Höhe von 541,3 Millionen US-Dollar zum Ende des zweiten Quartals verfügt Rigetti über ein finanzielles Polster, das durch potenzielle staatliche Unterstützung weiter gestärkt werden könnte.
Das US-Handelsministerium hat eine Absichtserklärung über eine Förderung von bis zu 100 Millionen US-Dollar im Rahmen des CHIPS Act unterzeichnet. Diese über drei Jahre verteilten Mittel sollen die Forschung und Entwicklung im Bereich der supraleitenden Quantencomputer beschleunigen, wobei das Ministerium im Gegenzug eine entsprechende Kapitalbeteiligung am Unternehmen erhalten würde.
Marktumfeld und Analysteneinschätzungen
An der Börse spiegelt die Kursentwicklung die Herausforderungen des Sektors wider. Die Aktie notiert derzeit bei 13,44 Euro und hat seit Jahresbeginn rund 30 Prozent an Wert verloren. Damit liegt das Papier massiv unter seinem 52-Wochen-Hoch von 50,30 Euro, das Mitte Oktober des vergangenen Jahres markiert wurde. Der Abstand zu diesem Höchstwert beträgt aktuell rund 73 Prozent.
Analysten bewerten die langfristigen Aussichten trotz der kurzfristigen Volatilität teilweise optimistisch, mahnen jedoch zur Vorsicht hinsichtlich der Ausführung der ehrgeizigen Pläne. Das Analysehaus Benchmark senkte am 3. August das Kursziel von 50 auf 40 US-Dollar, behielt aber seine Kaufempfehlung bei. Als Grund nannten die Experten eine allgemeine Verlangsamung im Quantentechnologie-Sektor.
Medienberichten zufolge gab es in den vergangenen zwölf Monaten zudem Insiderverkäufe im Volumen von rund 39 Millionen US-Dollar, was am Markt als Indikator für eine gewisse Zurückhaltung des Managements gewertet wurde. Dennoch bleibt die Nachfrage nach Vor-Ort-Installationen ein zentraler Treiber für die zukünftige Umsatzmischung des Unternehmens.
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