Rieter, Aktie

Rieter Aktie: Oetterli tritt ab, Lippuner übernimmt

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 19:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nach Oetterlis Rückzug übernimmt Lippuner die operative Führung; Rieter meldete im ersten Halbjahr 2026 einen Nettoverlust von 54,9 Millionen Franken.

Rieter wechselt Führung: Daniel Lippuner übernimmt ab November als CEO
Ein minimalistischer Konferenzraum symbolisiert einen Führungswechsel in der Industrie. Illustration mit AI erstellt.

Der Schweizer Textilmaschinenhersteller Rieter ordnet seine Führungsspitze neu. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, legt Thomas Oetterli seine Ämter als Vorstandschef und Verwaltungsratspräsident zum 31. Oktober 2026 nieder. Ab dem 1. November übernimmt Daniel Lippuner die operative Leitung als CEO.

Den Vorsitz im Verwaltungsrat übernimmt interimistisch Carl Illi, der dem Gremium bereits seit 2017 angehört, bis zur nächsten Generalversammlung am 14. April 2027. Laut einer Unternehmenssprecherin erfolgt die Trennung einvernehmlich und ohne Streit.

Neuausrichtung nach Großübernahme und Restrukturierung

Oetterli stand seit März 2023 an der operativen Spitze von Rieter und übernahm ein Jahr später zusätzlich das Präsidium des Verwaltungsrats. Die Entflechtung der beiden Spitzenämter war Unternehmensangaben zufolge bereits seit seinem Amtsantritt vorgesehen. Oetterli begründete seinen Rückzug mit dem Abschluss des Restrukturierungsprogramms „Next Level“, der damit verbundenen Standortkonsolidierung sowie der Akquisition von Barmag.

Das Sparprogramm hatte bis 2025 zum Abbau von 1.400 Vollzeitstellen geführt, um dem drastischen Markteinbruch zu begegnen. Zugleich stellte der Konzern im Februar 2026 mit dem Zukauf von Barmag für 713 Millionen Franken die Weichen für den Einstieg in den Markt für Chemiefasern.

Durch diesen Schritt erhofft sich das Unternehmen Synergien von mindestens 20 Millionen Franken bis Ende 2028. Gestützt wird der Konzernumbau von den beiden Großaktionären Peter Spuhler und Martin Haefner, die Anteile von 33,1 Prozent beziehungsweise 17,4 Prozent halten.

Schwache Ertragslage und hohe Verschuldung

Die zurückliegende Amtszeit von Oetterli war von einer anhaltend schwachen Nachfrage im traditionellen Textilmaschinengeschäft geprägt. Innerhalb von drei Jahren schrumpfte das Umsatzvolumen von 1,5 Milliarden Franken auf zuletzt unter 700 Millionen Franken zusammen. Erst die Barmag-Konsolidierung brachte im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatzsprung um 72 Prozent auf 576,7 Millionen Franken.

Unter dem Strich blieb die Ertragslage jedoch tiefrot: Rieter wies für die ersten sechs Monate ein operatives Ergebnis (EBIT) von minus 6,3 Millionen Franken sowie einen Nettoverlust von 54,9 Millionen Franken aus. Für das Gesamtjahr 2026 peilt das Management einen Jahresumsatz zwischen 1,3 und 1,5 Milliarden Franken an, bei einer EBIT-Marge von mageren 0 bis 3 Prozent.

Zudem hinterlässt die Akquisition tiefe Spuren in der Bilanz. Analysten der Schweizer Großbank UBS schätzen, dass sich die Nettoverschuldung zum Jahresende 2026 auf fast 530 Millionen Franken belaufen wird, nachdem Rieter ein Jahr zuvor noch über eine Nettoliquidität von 184 Millionen Franken verfügt hatte.

Hohe Hürden für den neuen Chef

Auf den künftigen Unternehmensleiter Daniel Lippuner wartet die Aufgabe, die Integration von Barmag in einem weiterhin herausfordernden Branchenumfeld abzuschließen und das Unternehmen zurück in die Gewinnzone zu führen. An den Finanzmärkten spiegelt sich die anhaltende Skepsis deutlich wider.

Derzeit notiert das Wertpapier bei 2,58 Euro. Seit Jahresanfang summiert sich der Kursverlust auf 25 Prozent. Um wieder an das 52-Wochen-Hoch von 4,44 Euro anzuknüpfen, müsste die Aktie einen weiten Weg zurücklegen: Der rechnerische Abstand zu dieser Spitzenmarke liegt aktuell bei 42 Prozent.

Ob der abrupte Stabwechsel an der Unternehmensspitze das Vertrauen der Investoren nachhaltig stabilisieren kann, hängt nun maßgeblich an den operativen Fortschritten der kommenden Monate.

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