Rheinmetall, Aktie

Rheinmetall Aktie: Schwerer Waffenträger elf Monate verzögert

Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Rheinmetall sieht sich mit verschobenen Großaufträgen und US-Exportstopp für Wolfram konfrontiert. Analysten bewerten die Aktie trotz Kurserholung unterschiedlich.

Rheinmetall: Verzögerte Heeresaufträge und Rohstoffrisiken belasten Aktie
Düstere, industrielle Fertigungshalle in der Rüstungsindustrie bei Dämmerung mit Fokus auf Metallstrukturen und Schatten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Rheinmetall muss sich neuer Kritik an der Auftragsabwicklung stellen. Laut "Capital" verzögern sich zwei wichtige Heeresprojekte deutlich: Der Schwere Waffenträger Infanterie, ein Auftrag über 123 Radpanzer im Wert von 2,7 Milliarden Euro, kommt mindestens elf Monate später als geplant.

Auch das Drohnenabwehrsystem Skyranger 30 soll erst ab Mitte 2027 statt Mitte 2026 ausgeliefert werden. Die Bundeswehr übt daran Kritik, Rheinmetall weist die Vorwürfe jedoch zurück und verweist darauf, dass die Serienauslieferung nur um fünf Monate verschoben werde und bis Ende 2026 zusätzlich 24 weitere Fahrzeuge geliefert werden sollen.

Lieferengpässe belasten das operative Umfeld

Die Verzögerungen treffen einen Konzern, der zugleich mit Rohstoffrisiken kämpft. Die USA blockieren ab dem 27. August für ein Jahr den Export von Wolframschrott, einem wichtigen Vorprodukt für Munition.

Rheinmetall baut derzeit in Aschau eine Pulverfabrik mit einer Kapazität von mehr als einer Million Treibladungsmodulen auf – ein Ausbau, der die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten unterstreicht.

Alternative Anbieter wie Almonty in Südkorea oder der langjährige Partner Plansee, der seinen Abnahmevertrag jüngst auf 21 Jahre verlängert hat, sollen künftig für mehr Versorgungssicherheit sorgen.

Der Handlungsdruck bei kritischen Rohstoffen für die Verteidigungsindustrie zeigt sich auch in den USA: Das Pentagon verfolgt seit Juli eine Executive Order zur Rückverfolgung von Lieferketten und setzt eine Frist zum 1. Januar 2027, ab der Beschaffungen aus China, Russland, Iran und Nordkorea untersagt sind.

Kurs unter Druck, Bewertung bleibt Diskussionspunkt

An der Börse zeigen sich die Belastungen deutlich. Die Aktie notiert am Donnerstag bei 1.176,00 Euro und damit leicht im Minus gegenüber dem Vortagesschluss von 1.180,00 Euro.

Auf Jahressicht steht ein Kursrückgang von 24 Prozent, seit dem 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro Anfang Oktober hat sich der Wert nahezu halbiert. Zugleich hat sich die Aktie vom Jahrestief bei 902,50 Euro Ende Juni um rund 30 Prozent erholt, was auf eine gewisse Stabilisierung hindeutet.

Trotz der operativen Rückschläge sehen einige Marktbeobachter die Aktie als unterbewertet an. Morningstar zählt Rheinmetall zu den Kandidaten mit deutlichem Aufholpotenzial gegenüber dem fairen Wert, nachdem sich der Kurs seit dem Hoch mehr als halbiert hat.

JPMorgan bleibt dagegen vorsichtiger: Das Institut bestätigte jüngst die Einstufung "Neutral" mit einem Kursziel von 1.350 Euro. Analyst David Perry verweist auf Umsatzrisiken für die Jahre 2027 bis 2030, die auch die aktuellen Lieferverzögerungen widerspiegeln dürften.

Auftragslage bleibt zwiespältig

Parallel zu den Verzögerungen bei Landfahrzeugen erhielt Rheinmetall zuletzt einen Bundeswehr-Auftrag über mobile Rettungsstationen mit einem Wert von mehr als 500 Millionen Euro – ein Hinweis darauf, dass der Konzern trotz der Kritik an einzelnen Großprojekten weiterhin als gefragter Partner der Streitkräfte gilt.

Für Anleger ergibt sich damit ein gemischtes Bild: Auf der einen Seite belasten Lieferverzögerungen und Rohstoffengpässe das kurzfristige Sentiment, auf der anderen Seite bleibt die grundsätzliche Nachfrage nach Rüstungsgütern hoch.

Ob die aktuelle Kurserholung von den Tiefstständen trägt, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie schnell Rheinmetall die angekündigten Nachlieferungen tatsächlich umsetzt.

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