Rheinmetall Aktie: FV-014 erstmals gestartet
Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 19:16 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rheinmetall hat am Donnerstag erstmals sein neues Loitering-Munition-System FV-014 aus einem containerisierten Raketenwerfer gestartet. Der Test markiert einen weiteren Baustein in der Produktoffensive des Düsseldorfer Rüstungskonzerns, der seine Portfoliobreite derzeit auf mehreren Ebenen gleichzeitig ausbaut.
Nur wenige Tage zuvor hatte Rheinmetall gemeinsam mit Boeing eine strategische Zusammenarbeit zur Entwicklung von Fähigkeiten für sogenannte Collaborative Combat Aircraft in Deutschland angekündigt.
Die Kooperation soll auf einer bereits verfügbaren, ausgereiften Plattform aufbauen. Ergänzt wird die Produktpalette durch das neue Multi-Missions-System GMF 140, das Rheinmetall Anfang August für den Einsatz in der modernen Seekriegsführung vorstellte.
Auftragsbestand trotz Kürzung auf hohem Niveau
Die Entwicklungsvorhaben fallen in eine Phase, in der Rheinmetall seinen Halbjahresbericht bereits verdaut hat – seit der Vorlage am vergangenen Donnerstag legte die Aktie um 2,7 Prozent zu.
Das Management hatte darin sein Ziel für den potenziellen Auftragsbestand von 135 Milliarden Euro auf eine Spanne von 100 bis 120 Milliarden Euro gesenkt, nachdem das Fregattenprogramm F126 im Wert von 15 Milliarden Euro weggefallen war. Der bestätigte Auftragsbestand lag zum Halbjahr dennoch bei 80,5 Milliarden Euro, bei einer operativen Marge von 17,1 Prozent.
Der Wegfall des Marineauftrags hat unmittelbare Folgen: Für den Aufbau der ATACMS-Raketenproduktion mit Lockheed Martin kündigte Rheinmetall-Chef Armin Papperger an, dass erste Umsätze aus dem Joint Venture erst ab 2028 zu erwarten sind. Ein Abschluss für das Boxer-Programm wird dagegen noch für Ende 2026 angestrebt.
Die neuen Produktlinien wie FV-014, GMF 140 und die Boeing-Kooperation sollen diese Lücke im Backlog perspektivisch schließen. Zusätzlich sorgte der vor rund zwei Wochen erteilte Modernisierungsauftrag für die Fregatte Bayern für Rückenwind – seither steht die Aktie 5,5 Prozent höher.
Cashflow-Frage bleibt im Blick
Neben der Wachstumsstory bleibt ein Punkt für Anleger relevant: Rheinmetall verzeichnete im ersten Halbjahr einen negativen Cashflow von 1,6 Milliarden Euro.
Analysten von Morningstar verweisen darauf, dass dieser durch erwartete Zahlungen aus Rumänien und dem Arminius-Programm im Dezember ausgeglichen werden soll – bis zu 4,5 Milliarden Euro könnten dann fließen. Bis dahin bleibt die Frage offen, wie belastbar die Liquiditätsplanung des Konzerns tatsächlich ist.
Am Kapitalmarkt zeigt sich die Aktie bereits erholt: Der Kurs kletterte binnen 30 Tagen um 25 Prozent und notiert mit 1.207,00 Euro rund 10 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt.
Zum bisherigen Jahreshoch von über 2.000 Euro fehlen dennoch 40 Prozent – ein Hinweis darauf, dass die Skepsis rund um die gekürzte Backlog-Prognose die Bewertung noch belastet.
Die Kombination aus technologischer Diversifizierung und einem soliden, wenn auch reduzierten Auftragspolster dürfte darüber entscheiden, ob Rheinmetall die verlorene Marinesparte kompensieren kann. Neue Produktlinien allein ersetzen keine Milliardenaufträge – sie können aber die Basis für künftige legen.
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