Rheinmetall, Aktie

Rheinmetall Aktie: F126-Programm gestrichen

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 23:57 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Rheinmetall steigert Umsatz und operatives Ergebnis deutlich, senkt jedoch den Jahresausblick nach dem Aus für das F126-Fregattenprogramm.

Rheinmetall: Rekordquartal trifft auf Analystenstreit und Prognosesenkung
Silhouette eines modernen Marineschiffs in stürmischer See bei Dämmerung, symbolisiert industrielle Unsicherheit. Illustration mit AI erstellt.

Rheinmetall steckt in einer Phase widersprüchlicher Signale. Während der Rüstungskonzern operativ Rekordzahlen vorlegt, wächst unter Analysten die Skepsis an der Bewertung der Aktie.

Das Institut mwb research stufte das Papier am 8. August von „Hold" auf „Sell" zurück und senkte das Kursziel von 1.150 auf 1.050 Euro. Begründet wurde der Schritt mit einem ungünstigeren Chance-Risiko-Verhältnis sowie Kritik an der halbierten Investitionsquote von 8 bis 9 Prozent und dem gesenkten Ziel für den Auftragsbestand.

Der Kontrast zu anderen Häusern könnte kaum größer sein. Goldman-Sachs-Analyst Sam Burgess bestätigte am 6. August ein Kursziel von 2.300 Euro mit Einstufung „Buy" – ein Aufwärtspotenzial, das er zum damaligen Kurs von 1.190,40 Euro auf über 90 Prozent bezifferte.

Die Aktie notiert aktuell bei 1.113,80 Euro und damit 3,4 Prozent unter dem Vortagsniveau, nachdem sie am Freitag noch bei 1.152,40 Euro geschlossen hatte. Zum 52-Wochen-Hoch von 2.007 Euro, erreicht am 3. Oktober vergangenen Jahres, klafft damit eine Lücke von 45 Prozent.

Rekordumsatz trifft auf gesenkte Prognose

Hintergrund der Meinungsverschiedenheit sind die Zahlen zum zweiten Quartal, die Anfang August veröffentlicht wurden. Der Umsatz stieg um 69 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro, das operative Ergebnis legte um 115 Prozent auf 562 Millionen Euro zu, die operative Marge erreichte 17,1 Prozent.

Der Gewinn je Aktie sank dagegen um 8 Prozent auf 2,66 Euro. Gleichzeitig senkte Rheinmetall die Jahresprognose: Der Umsatz für 2026 soll nun bei 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro liegen, rund 300 Millionen Euro unter dem bisherigen Ausblick. Als Grund nannte das Unternehmen die Stornierung des F126-Fregattenprogramms durch die Bundesregierung.

Diese Entscheidung war bereits Ende Juni gefallen: Die Bundesregierung strich das Programm, Rheinmetall verlor damit den größten Auftrag der Unternehmensgeschichte, Abschreibungen von rund 2 Milliarden Euro folgen.

Stattdessen plant Berlin acht kleinere MEKO-A-200-Fregatten, die an den Wettbewerber ThyssenKrupp Marine Systems gehen sollen. Rheinmetall hatte zuvor im März für 1,5 Milliarden Euro die Naval Yards Lürssen erworben, um das Fregattenprogramm abzusichern – ein Investment, das durch die Stornierung an Wert verliert.

Auftragsbestand wächst trotz Rückschlags

Trotz des Verlusts wuchs der Auftragsbestand im zweiten Quartal um 44 Prozent auf 80 bis 80,5 Milliarden Euro, siebzig Prozent davon als Festaufträge. Das Unternehmen rechnet für das laufende Jahr sogar mit einem Bestand von über 100 Milliarden Euro.

Hoffnung setzt der Konzern auf den Boxer-Auftrag für die Bundeswehr: Eine Unterzeichnung des Multimillionen-Vertrags über gepanzerte Fahrzeuge wird bis Jahresende erwartet, laut Unternehmensangaben stehe „absolutely nothing" im Weg.

Der Bundestag soll den sogenannten Arminius-Boxer-Vertrag am 9. Dezember behandeln – ein Abschluss könnte den Ausfall des Fregattenprogramms nach eigenen Angaben mehr als kompensieren.

Auffällig ist das Verhalten von Insidern: In den vergangenen 90 Tagen wurden ausschließlich Käufe verzeichnet, insgesamt 15 Transaktionen im Volumen von rund 17,4 Millionen Euro. Fünf Führungskräfte stockten ihre Bestände auf, obwohl die Aktie im gleichen Zeitraum um 22,1 Prozent nachgab – die Käufe erfolgten im Anschluss an die Mai-Zahlen. Die nächsten Quartalsergebnisse werden für den 5. November erwartet.

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