Rheinmetall Aktie: Backlog knackt 80-Milliarden-Marke
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 23:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rheinmetall meldet Rekordzahlen. Trotzdem liegt die Aktie noch immer rund 43 Prozent unter ihrem Hoch vom Oktober 2025. Am Donnerstag legt der Rüstungskonzern seinen vollständigen Halbjahresbericht vor. Anleger wollen dann wissen, ob die vorläufigen Superlative auch im Detail halten.
Auftragsbestand knackt 80-Milliarden-Marke
Schon zur Wochenmitte sorgten vorläufige Zahlen für Aufsehen. Der Umsatz im zweiten Quartal 2026 stieg um rund 69 Prozent auf 3,29 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis von 562 Millionen Euro lag fast 20 Prozent über den Markterwartungen von etwa 470 Millionen Euro.
Der eigentliche Treiber sitzt aber im Auftragsbestand. Erstmals in der Firmengeschichte überschritt der Backlog zum Quartalsende die Schwelle von 80 Milliarden Euro. Allein im Berichtszeitraum kamen neue Nominierungen im Wert von über 11,3 Milliarden Euro hinzu, darunter Verträge für Loitering-Munition und Artilleriepakete für NATO-Partner wie Rumänien.
Auch die Marine bringt neue Aufträge
Rheinmetall wächst nicht nur bei Land- und Munitionssystemen. Am 30. Juli erhielt der Konzern den Zuschlag für die Modernisierung der Fregatte „Bayern" der F123-Klasse. Das Projektvolumen liegt im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Die Arbeiten laufen auf der neuen Jadewerft in Wilhelmshaven, die Rheinmetall erst im Frühjahr 2026 vollständig übernommen hat. Erneuert werden Führungs- und Waffeneinsatzsysteme sowie die Radar-Sensorik. Ziel ist es, das Schiff bis mindestens 2035 einsatzfähig zu halten.
Ukraine-Werk verzögert sich um ein Jahr
Beim Kapazitätsausbau zeigt sich ein gemischtes Bild. Das neue Werk in Litauen soll wie geplant noch 2026 die Produktion aufnehmen. Für den Standort in der Ukraine sieht es anders aus: Statt im Sommer 2026 startet die Produktion von 155-mm-Artilleriemunition dort erst 2027, weil sich der Baubeginn verzögert hat.
Diese Investitionen kosten kurzfristig Cash. Der operative freie Cashflow fiel im zweiten Quartal deutlich negativ aus. Das Management begründet das mit gezieltem Vorratsaufbau und verschobenen Anzahlungen — und sieht darin die Basis, um den riesigen Auftragsbestand überhaupt abarbeiten zu können.
Analysten trauen der Aktie deutlich mehr zu
Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt derzeit bei rund 1.700 Euro. Bernstein Research ruft sogar bis zu 1.900 Euro auf. Zum Vergleich: Am Freitag schloss die Aktie bei 1.145 Euro, nahezu unverändert zum Vortag.
Auf Wochensicht steht dennoch ein deutliches Plus von 10,74 Prozent zu Buche. Das Papier notiert damit klar über dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.107,87 Euro. Die Erholung wirkt fragil, denn der Wert liegt weiterhin gut 22 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt.
Am Donnerstag zeigt sich, ob die vorläufigen Zahlen im Detailbericht Bestand haben. Marktteilnehmer erwarten dann klarere Aussagen zur Cashflow-Entwicklung im zweiten Halbjahr. Auch eine mögliche Anhebung der Jahresprognose steht im Raum — aktuell rechnet Rheinmetall mit einem Konzernumsatz zwischen 14,0 und 14,5 Milliarden Euro für 2026.
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