Rheinmetall Aktie: ATACMS-Hochlauf mit Lockheed verzögert
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 05:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der gemeinsame Hochlauf der ATACMS-Raketenproduktion mit Lockheed Martin verzögert sich. Rheinmetall teilte am Freitag mit, dass die notwendige Bestandsauffüllung in den USA zunächst Vorrang habe, bevor die volle Fertigungskapazität für die Army Tactical Missile Systems erreicht werden könne. Das Vorhaben zählt zu den strategisch wichtigen Rüstungsprojekten des Konzerns in Nordamerika, dessen Zeitplan sich damit nach hinten verschiebt.
Analysten bleiben trotz Verzögerung zuversichtlich
Die Nachricht änderte wenig an der grundsätzlich positiven Einschätzung der Bankhäuser. Die Deutsche Bank bestätigte am Freitag ihre Kaufempfehlung für die Rheinmetall-Aktie.
Am Montag zog Warburg Research nach: Analyst Christian Cohrs bekräftigte die Einstufung "Buy" mit einem Kursziel von 1.500 Euro und begründete dies mit der positiven Margenentwicklung in sämtlichen Konzernsegmenten – trotz der zuletzt gesenkten Umsatzprognose für das laufende Jahr.
Diese Prognoseanpassung geht auf die Stornierung des Fregattenprojekts F126 zurück, die Rheinmetall im Rahmen des Halbjahresberichts am vergangenen Donnerstag bekanntgegeben hatte.
Der Konzern rechnet für das Gesamtjahr nun mit einem Umsatz zwischen 13,7 und 14,2 Milliarden Euro, rund 300 Millionen Euro weniger als zuvor in Aussicht gestellt. An der erwarteten operativen Marge von etwa 19 Prozent hält das Unternehmen jedoch fest – ein Signal, dass die Profitabilität trotz des Auftragsausfalls stabil bleibt.
Kurs unter Druck, Auftragslage bleibt breit
An der Börse zeigt sich die Gemengelage aus Wachstumsdynamik und Rückschlägen deutlich. Der Schlusskurs vom Montag lag bei 1.144,60 Euro, nachdem das Papier binnen sieben Tagen um 4,95 Prozent nachgegeben hatte. Zum 52-Wochen-Hoch von Anfang Oktober 2025 fehlen der Aktie inzwischen knapp 43 Prozent – ein Abstand, der die Korrektur der vergangenen Monate unterstreicht, auch wenn sich der Kurs binnen der vergangenen 30 Tage deutlich erholt hatte.
Operativ liefert Rheinmetall unterdessen weiter Aufträge ab, die das langfristige Wachstumsnarrativ stützen. Die europäische Beschaffungsbehörde OCCAR zog am Montag eine Option über 69 zusätzliche Boxer-Radschützenpanzer, die gemeinsam mit KNDS gefertigt werden – 35 Fahrzeuge gehen an die Bundeswehr, 34 an die Niederlande.
Parallel kündigten Rheinmetall und Boeing am selben Tag den Aufbau eines nationalen Systemintegrationszentrums in Deutschland an, das die Einführung der unbemannten Kampfplattform MQ-28 Ghost Bat bei der Bundeswehr bis 2029 vorbereiten soll.
Verzögerung relativiert sich vor dem Zahlenhintergrund
Vor dem Hintergrund der jüngsten Geschäftszahlen wirkt die ATACMS-Verzögerung wie ein Einzelfaktor unter vielen. Der Konzernumsatz war im ersten Halbjahr um 39 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro gestiegen, das operative Ergebnis kletterte um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro bei einer Marge von 15,0 Prozent.
Für Anleger bleibt damit die zentrale Frage, ob sich die kurzfristigen Lieferverzögerungen in den USA auf das mittelfristige Wachstumstempo auswirken – die Analysteneinschätzungen von Deutsche Bank und Warburg Research deuten bislang nicht darauf hin.
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