Rheinmetall, Aktie

Rheinmetall Aktie: Analysten-Kursziele zwischen 1.350 und 2.300 Euro

Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 11:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Rheinmetall erhält Auftrag für 69 Boxer-Panzer und wird Systemintegrator für Ghost-Bat-Drohne. Analysten uneins über Kursziele.

Rheinmetall: Neue Großaufträge und Ghost-Bat-Integration treiben Wachstum
Abstrakte Darstellung moderner Industrietechnologie und Verteidigungssektor in einer atmosphärischen Lichtstimmung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Rheinmetall hat in dieser Woche gleich mehrfach Nachrichten geliefert, die Investoren aufhorchen lassen. Warburg Research bestätigte am Montag seine Kaufempfehlung für die Aktie und beließ das Kursziel bei 1500 Euro. Analyst Christian Cohrs begründete dies mit einem Quartal, in dem alle Segmente zum Wachstum beitrugen. Besonders die Luftabwehr übertraf die Erwartungen deutlich, während der Schiffbau als einziger Bereich negativ abwich.

Neuer Großauftrag für Boxer-Panzer

Parallel zur Analystenrunde meldete der Rüstungskonzern einen weiteren Großauftrag: 69 zusätzliche Boxer-Radschützenpanzer gehen an die Bundeswehr und die Niederlande, 35 Fahrzeuge für Deutschland, 34 für die Niederländer.

Rheinmetall fertigt den Auftrag gemeinsam mit KNDS über die Beschaffungsorganisation Occar. Damit wurde eine zuvor bestehende Option auf 222 weitere Boxer-Panzer gezogen – ein Signal dafür, dass die europäische Landstreitkraft-Beschaffung ungebrochen weiterläuft.

Systemintegrator für die Kampfdrohne Ghost Bat

Noch weiter reicht ein zweites Projekt, das ebenfalls am Montag bekannt wurde: Rheinmetall übernimmt gemeinsam mit Boeing die deutsche Systemintegration für die unbemannte Kampfdrohne MQ-28 Ghost Bat. Die Plattform hat bereits an multinationalen Übungen teilgenommen und gilt als vergleichsweise ausgereift.

Ziel der Partnerschaft ist der Aufbau sogenannter Collaborative-Combat-Aircraft-Fähigkeiten bis 2029. An Bord sind zudem Rohde & Schwarz, Diehl Defence und HENSOLDT – ein breit aufgestelltes deutsches Konsortium für ein Zukunftsfeld der Luftwaffe.

Analysten driften auseinander

Trotz der positiven operativen Nachrichten gehen die Einschätzungen der Banken weit auseinander. Während Warburg Research bei 1500 Euro bleibt, stufte JPMorgan die Aktie zuletzt auf "Neutral" mit einem deutlich niedrigeren Kursziel von 1350 Euro ein.

Goldman Sachs positioniert sich am anderen Ende der Spanne: Die Bank votiert für "Buy" und traut dem Papier ein Kursziel von 2300 Euro zu. Diese Bandbreite zeigt, wie unterschiedlich der Markt die künftige Auftragsdynamik und die Margenentwicklung in einzelnen Sparten – allen voran den schwächelnden Schiffbau – bewertet.

Kursverlauf: Erholung von niedrigem Niveau

An der Börse hat sich die Aktie zuletzt stabilisiert, auch wenn das Gesamtjahr bislang schwierig verlief. Am Montag schloss das Papier bei 1.144,60 Euro, nach einem Rückgang seit Jahresbeginn von 26,27 Prozent.

Auf Sicht von 30 Tagen hat der Kurs dagegen um 16,03 Prozent zugelegt – ein Hinweis darauf, dass die jüngste Nachrichtenlage aus Aufträgen und Analystenkommentaren am Markt positiv aufgenommen wird, auch wenn der Abstand zum Rekordhoch vom Oktober weiterhin erheblich bleibt.

Papperger übt scharfe Kritik an Merkel

Neben dem operativen Geschäft sorgte auch ein politischer Auftritt von Vorstandschef Armin Papperger für Aufmerksamkeit. Beim Welt-Sicherheitsgipfel Anfang Juli warf er der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, die deutsche Rüstungsindustrie jahrelang an den Rand gedrängt zu haben. Merkel habe einst gesagt, man brauche die Branche eigentlich nicht – bei Problemen rufe man die Amerikaner an.

Erst mit der von Kanzler Scholz ausgerufenen "Zeitenwende" habe sich die Haltung der Politik geändert, so Papperger. Als Beleg für verpasste Chancen nannte er ein Artilleriewerk, das Rheinmetall für 0,5 Milliarden Euro errichtet hatte, während der ursprüngliche Auftrag lediglich 200.000 Schuss Munition umfasste.

Inzwischen hat der Konzern die Kapazität bei Artilleriemunition von 70.000 auf eine Million Schuss gesteigert und dabei die USA bei konventioneller Munition überholt – ein Ausbau, der die aktuelle Auftragsdynamik erst ermöglicht.

Für Anleger ergibt sich daraus ein zweigeteiltes Bild: Operativ liefert Rheinmetall mit neuen Großaufträgen und Zukunftsprojekten wie der Ghost-Bat-Integration weiter Wachstumsimpulse. An der Börse bleibt die Bewertung jedoch umstritten, wie die weit auseinanderliegenden Kursziele der Analysten zeigen.

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