Recordati Aktie: Palliser fordert höheres BidCo-Gebot
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 05:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Tauziehen um den italienischen Pharmakonzern Recordati spitzt sich wenige Wochen vor dem Ende der Annahmefrist zu. Das von CVC Capital Partners und der Groupe Bruxelles Lambert getragene Übernahmevehikel Respighi BidCo sicherte sich bis zum vergangenen Mittwoch Zusagen über 49,61 Prozent der anvisierten Aktien. Die Offerte über 51,29 Euro je Anteilsschein läuft noch bis zum 15. Oktober, stößt am Markt und bei Investoren jedoch auf spürbaren Widerstand.
Am Freitag ging die Recordati-Aktie mit einem leichten Minus von 0,6 Prozent bei 53,05 Euro aus dem Handel. Der Titel notiert damit weiterhin oberhalb der gebotenen 51,29 Euro, was die Skepsis der Marktteilnehmer hinsichtlich des aktuellen Angebotspreises unterstreicht.
Palliser fordert Nachbesserung auf 60 Euro
Widerstand formierte sich bereits Mitte des Monats von Seiten des Investors Palliser Capital. Der Aktionär forderte den Verwaltungsrat von Recordati auf, die Unterstützung für das Angebot von Respighi BidCo zurückzuziehen. Nach Ansicht von Palliser wird das Unternehmen durch die Offerte von 51,29 Euro je Aktie materiell unterbewertet.
Das Konsortium um CVC und Groupe Bruxelles Lambert müsse das Gebot auf mindestens 60 Euro je Anteilsschein anheben, um den tatsächlichen Wert des Spezialpharmazeuten abzubilden. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, sorgt der schwelende Bewertungsstreit für erhebliche Unsicherheit bezüglich des endgültigen Ausgangs der Transaktion.
Rückenwind für eine höhere Bewertung kam zudem von Analystenseite. Am 8. September hob die britische Bank Barclays ihr Kursziel für Recordati von 50 auf 55 Euro an und beließ die Einstufung auf „Equal Weight“. Mit diesem Zielkurs taxieren die Experten den fairen Wert des Unternehmens ebenfalls über der bisherigen Offerte der Bieter.
Pipeline-Investitionen und Umstrukturierung
Ungeachtet der Übernahmeschlacht treibt das Unternehmen seine geschäftlichen Initiativen voran. Am 15. September gab Orvida Pharma eine Zwischenfinanzierung bekannt, die von Recordati angeführt wird.
Mit den Mitteln soll die Weiterentwicklung von Ontivatrep sowie weiterer Programme für seltene Erkrankungen finanziert werden; erste Ergebnisse einer Phase-1b-Studie zum Olmsted-Syndrom werden für das vierte Quartal 2026 erwartet.
Zur Förderung wissenschaftlicher Arbeiten vergab Recordati zudem am 17. September den 12. Arrigo-Recordati-Preis an Dr. Laura Broutier, deren Forschungsprojekt zu pädiatrischen Sarkomen ein Stipendium von 250.000 Euro erhält.
Gleichzeitig setzt das Management Restrukturierungsmaßnahmen im Heimatmarkt um. Am Standort Campoverde in Aprilia leitete Recordati am 10. September Medienberichten zufolge ein Verfahren zum kollektiven Personalabbau ein.
Der Schritt betrifft 55 Beschäftigte, darunter 48 Produktionsmitarbeiter und sieben Verwaltungsangestellte, und wurde mit industriellen, organisatorischen sowie produktionsbedingten Gründen begründet. Für die Anleger bleibt nun entscheidend, ob das Bieterkonsortium bis Mitte Oktober beim Preis nachbessert oder die erforderlichen Mehrheiten zu den bestehenden Konditionen verfehlt.
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