Raspberry Pi Aktie: Peel Hunt sieht 1.085 Pence
Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 20:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der britische Computerhersteller Raspberry Pi steht nach einer ersten umfassenden Bewertung durch namhafte Analysehäuser am Scheideweg. Während die Aktie seit Jahresbeginn eine beeindruckende Performance von 125 % verzeichnete, dämpften gestern Expertenstimmen die kurzfristige Euphorie. Im Kern der Debatte stehen die künftige Margenentwicklung und die Komplexität der globalen Vertriebsstrukturen.
Berenberg mahnt zur Vorsicht bei der Bewertung
Die Analysten von Berenberg starteten am gestrigen Mittwoch die Beobachtung der Raspberry-Pi-Aktie mit einer neutralen Einstufung („Hold“) und setzten ein Kursziel von 670 Pence fest. Zur Begründung verwies das Bankhaus auf ein gemischtes Chance-Risiko-Verhältnis. Zwar erkenne man das langfristige Wachstumspotenzial in den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI) und Internet of Things (IoT) an, sehe jedoch erhebliche strukturelle Hürden.
Besonders kritisch bewertet Berenberg die mangelnde Transparenz und die fragmentierte Kundenbasis des Unternehmens. Ein wesentlicher Belastungsfaktor ist zudem der derzeit negative freie Cashflow (Free Cashflow).
Erschwerend kommt hinzu, dass Halbleiter lediglich rund 1 % zum Konzernumsatz beisteuern, während die Kosten für Speichermodule eine schwer kalkulierbare Unsicherheit für die Bruttomarge darstellen. Laut Berenberg impliziert die aktuelle Marktbewertung ein jährliches Umsatzwachstum von mehr als 20 %, was angesichts der prognostizierten Herausforderungen als ambitioniert gilt.
Peel Hunt sieht deutliches Aufwärtspotenzial
Im Gegensatz zur verhaltenen Haltung von Berenberg zeichnen die Analysten von Peel Hunt ein deutlich optimistischeres Bild. Sie beziffern das Kursziel für Raspberry Pi auf 1.085 Pence und stützen sich dabei auf einen starken „Bull Case“.
Das Haus erwartet, dass der Umsatz um bis zu 88 % auf 608 Millionen Pfund steigen könnte. Ein zentrales Argument der Bullen ist der hohe Industrie-Anteil: Rund 70 % der verkauften Einheiten fließen in industrielle Anwendungen, was für eine stabilere Nachfrage als im reinen Endkonsumentengeschäft sorgen dürfte.
Die Skepsis bezüglich der Speicherkosten findet sich jedoch auch in breiteren Marktberichten wieder. So warnte Apple-Chef Tim Cook jüngst vor einer außergewöhnlichen Preissteigerung bei Speicherchips, und auch Micron signalisierte Kunden ohne langfristige Verträge drohende Versorgungsengpässe bis mindestens 2027. Da Raspberry Pi stark von diesen Komponenten abhängig ist, bleibt die Entwicklung der Einkaufspreise ein zentrales Thema für Investoren.
Technologische Impulse durch Google-Kooperation
Trotz der finanziellen Debatten unterstreichen neue technologische Projekte die Relevanz der Hardware-Plattform. Google Creative Lab veröffentlichte jüngst das Open-Source-Projekt „Gemma Translator“, das speziell für den Raspberry Pi 5 mit 8 GB Arbeitsspeicher konzipiert wurde.
Die Anwendung ermöglicht eine vollständige Sprachübersetzung im Offline-Betrieb, ohne auf Cloud-Schnittstellen zugreifen zu müssen. Solche Entwicklungen untermauern die Rolle des Unternehmens als Basis für KI-Anwendungen am Netzwerkrand (Edge AI).
An der Börse reagierte das Papier heute mit einer leichten Korrektur und notiert bei 7,92 €. Mit einem Abstand von 39 % zum 52-Wochen-Hoch vom Juni zeigt sich, dass die Aktie nach der massiven Rallye im ersten Halbjahr in eine Phase der Konsolidierung übergegangen ist. Anleger beobachten nun genau, ob die Wachstumsraten im zweiten Halbjahr 2026 die hohen Erwartungen der Optimisten erfüllen können.
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