Qualcomm Aktie: Advantech baut Drohnencomputer mit QCS6490
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 08:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Druck im angestammten Geschäft mit Mobiltelefonen zwingt Qualcomm zur strategischen Neuausrichtung. Während die Erlöse im Handset-Segment im jüngsten Quartal um 20 Prozent im Jahresvergleich nachgaben, forciert der Chiphersteller seine Expansion in Industrie- und Edge-Anwendungen. Am heutigen Donnerstag kündigte der Hardwarehersteller Advantech ein neues Computersystem für autonome Drohnen an, das auf Qualcomms Prozessor QCS6490 aufsetzt.
An den Finanzmärkten zeigt sich die Aktie stabilisiert. Im vorbörslichen Handel notiert das Papier bei 165,60 Euro, was einem Zuwachs von 1,8 Prozent entspricht. Vom 52-Wochen-Hoch trennt den Halbleitertitel allerdings weiterhin ein Abstand von 26 Prozent.
Verschiebungen in der Smartphone-Lieferkette
Hintergrund der veränderten Prioritäten sind spürbare Verschiebungen bei Großkunden. Im Smartphone-Bereich liegt Qualcomms Lieferanteil an den Modems der neuesten iPhone-Generation nach Unternehmensangaben deutlich unter einer früheren Schätzung von 20 Prozent.
Zwar verlängerte der Konzern Ende September die globale Patentlizenzvereinbarung mit Apple mit Wirkung zum 1. April 2027. Diese Vereinbarung betrifft jedoch ausschließlich die Mobilfunkpatente und beinhaltet keine Lieferzusagen für Modembausteine.
Für Qualcomm bedeutet diese Trennung, dass die Erträge aus Lizenzgebühren zwar vertraglich abgesichert bleiben, das physische Chipvolumen bei Schlüsselkunden jedoch schrumpft. Das Management begegnet diesem strukturellen Wandel, indem es Ressourcen in alternative Geschäftsfelder und neue Halbleiterarchitekturen umleitet.
Werkzeuge für neue Chipgenerationen
Bei der Halbleiterentwicklung setzt das Unternehmen vermehrt auf spezialisierte Partnerschaften. Für die künftigen Dragonwing-Chips vereinbarte Qualcomm einen Lizenzvertrag mit dem taiwanischen Anbieter iSTART-TEK, der auf eine Laufzeit von mehr als zehn Jahren ausgelegt ist.
Die Software kommt bei Entwicklerteams für WLAN, das Internet der Dinge und künstliche Intelligenz zum Einsatz, um die benötigte Schaltungsfläche um rund 50 Prozent zu verringern.
Die industrielle Umsetzung dieser Plattformen schreitet voran. Der von Advantech vorgestellte Drohnen-Computer liefert eine Rechenleistung von bis zu 12 TOPS bei einer Leistungsaufnahme von unter 10 Watt. Das System demonstriert Qualcomms Absicht, abseits klassischer Konsumentengeräte in margenstarken Industriesegmenten Fuß zu fassen.
Wachstumsambitionen im Rechenzentrum
Gleichzeitig versucht das Unternehmen, im Markt für Cloud-Infrastruktur an Boden zu gewinnen. Qualcomm definierte die Ziele für die Rechenzentrumssparte vor gut drei Wochen; die Aktie legte seither um 5,5 Prozent zu.
Für das Fiskaljahr 2027 peilt das Management in diesem Segment Erlöse von 5,0 Milliarden US-Dollar an. Bis zum Fiskaljahr 2029 soll dieser Betrag auf 15,0 Milliarden US-Dollar anwachsen.
Vorsichtigere Analystenszenarien rechnen demgegenüber mit einem Erlöswachstum von etwa 3,2 Prozent bei operativen Margen nahe 19 Prozent. Der Erfolg der neuen Initiativen bei Edge- und Rechenzentrumschips wird bestimmen, ob Qualcomm diese Lücke schließen kann.
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