Poste Italiane: Verfehlt 90-Prozent-Schwelle für Squeeze-out
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 04:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit dem Abschluss der wiedereröffneten Umtauschefferte hat sich Poste Italiane eine klare Mehrheit an Telecom Italia gesichert. Nach vorläufigen Ergebnissen kontrolliert der Konzern nun 85,82 Prozent des Kapitals des Telekommunikationsunternehmens. Die für einen unmittelbaren Zwangsausschluss der verbliebenen Minderheitsaktionäre erforderliche Schwelle von 90 Prozent verfehlte das Unternehmen jedoch knapp.
In der zweiten Annahmephase wurden knapp 410 Millionen TIM-Aktien angedient, was rund 19,2 Prozent des Grundkapitals entspricht. Zusammen mit den Anteilen aus der ersten Phase sowie dem bereits bestehenden Aktienpaket vereint der Konzern damit voraussichtlich über 1,83 Milliarden Papiere auf sich.
Die endgültigen Ergebnisse sollen am Donnerstag vorliegen. Für die zuletzt eingereichten Anteile ist die Abwicklung für Freitag vorgesehen: Je TIM-Papier erhalten die Aktionäre 0,218 neue Poste-Aktien sowie 1,97 Euro in bar.
Strategische Kontrolle ohne automatischen Börsenrückzug
Für das Management bedeutet das Resultat eine komfortable Mehrheit, die bei außerordentlichen Hauptversammlungen volle Handlungsfreiheit gewährleistet. Da das Überschreiten der 90-Prozent-Marke ausblieb, greift das reguläre Squeeze-out-Recht nach italienischem Recht vorerst nicht. Damit vollzieht sich der angestrebte Börsenrückzug der Telekom-Tochter nicht über das beschleunigte Verfahren.
Als alternative Wege gelten künftige Zukäufe am offenen Markt oder eine Verschmelzung auf eine Konzerngesellschaft wie PosteMobile. Ein solcher Schritt würde den verbliebenen Aktionären typischerweise Barabfindungs- oder Rücktrittsrechte einräumen.
Unabhängig von der Delisting-Struktur verschiebt sich das operative Gewicht nun vollständig auf die Zusammenführung beider Infrastrukturen. Geplant ist unter anderem, das dichte Filialnetz mit rund 13.000 Postämtern für den gemeinsamen Produktvertrieb einzusetzen.
Analysten blicken auf Synergien und neuen Geschäftsplan
Am Markt wird der Fokus nun auf die Hebung der operativen Einsparpotenziale gelenkt. Das Analysehaus Intermonte beziffert die vom Konzern angestrebten Synergien auf rund 700 Millionen Euro jährlich. Großes Potenzial versprechen dabei Einsparungen bei IT-Plattformen, Rechenzentren sowie ergänzende Vertriebserlöse.
Die Experten von Equita bestätigten ihre Kaufempfehlung für die Aktie von Poste Italiane mit einem Kursziel von 31 Euro. Sie rechnen damit, dass die operative Verzahnung umgehend anläuft, während ein neuer strategischer Geschäftsplan im ersten Quartal 2027 vorgelegt werden dürfte.
An der Börse notierte die Aktie von Poste Italiane gestern bei 25,87 Euro. Seit Jahresanfang verzeichnet der Titel einen Wertzuwachs von 20 Prozent. Mit der gesicherten Zweidrittelmehrheit kann der Konzern die geplante Neuausrichtung nun aus eigener Kraft gestalten.
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