Poste Italiane: Schwelle von 67 Prozent überschritten
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 16:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am ersten Tag der wiedereröffneten Angebotsfrist für Telecom Italia hat Poste Italiane die Schwelle von 67 Prozent des Kapitals überschritten. Gestern wurden dem Konzern 8.579.804 weitere TIM-Aktien angedient. Ziel der bis Freitag laufenden Nachfrist bleibt das Erreichen von 90 Prozent, um das Telekommunikationsunternehmen per Squeeze-out vollständig von der Börse zu nehmen.
An der Mailänder Börse gibt das Papier von Poste Italiane heute um 3,3 Prozent auf 25,87 Euro nach. Auf Jahressicht behauptet die Aktie dennoch ein deutliches Plus: Seit Jahresanfang liegt der Kurs 20 Prozent im Gewinn.
Für die Führung des Post- und Finanzdienstleisters steht hinter der Übernahme eine industriepolitische Weichenstellung. Generaldirektor Giuseppe Lasco bekräftigte die Zuversicht des Managements und betonte, dass es sich um eine strategische Entscheidung und nicht um ein reines Finanzmanöver handle. Mit der vollen Kontrolle will das Unternehmen den Weg für eine zügige Integration ebnen.
Nachfrist entscheidet über Squeeze-out
Nach dem Ende der ersten Frist hielt Poste Italiane 66,627 Prozent der Anteile. Um weitere Investoren zu überzeugen, bietet der Konzern je Telecom-Italia-Aktie 0,218 eigene Anteilsscheine sowie eine Barkomponente von 1,97 Euro. Diese Barzahlung hatte das Management vor rund zwei Wochen aufgebessert.
Die Auszahlung für Aktionäre, die ihre Papiere während der bis zum 25. September laufenden Verlängerung einreichen, ist für den 2. Oktober vorgesehen. Sollte die Marke von 90 Prozent verfehlt werden, bliebe der angestrebte Rückzug von der Börse zunächst erschwert. Nach Worten von TIM-Chef Pietro Labriola entscheiden sich viele Anleger bei Übernahmeangeboten erfahrungsgemäß erst in den letzten Tagen der Frist für die Andienung.
Synergien und Analystenstimmen
Aus dem Zusammenschluss soll ein staatlich kontrollierter Großkonzern mit rund 150.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 27 Milliarden Euro entstehen. Die geplante Integration verspricht jährliche Synergien von rund 700 Millionen Euro vor Steuern. Zur Abwicklung der ersten Phase hat das Unternehmen sein Grundkapital bereits um 216.603.998 neue Stammaktien erhöht.
Am Markt stößt die Transaktion auf Zuspruch. Das Analysehaus Equita vergibt eine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 31 Euro und stuft das Synergieziel als realistisch ein. Auch die Experten von Intermonte trauen dem Papier weiteres Potenzial zu und beziffern ihr Kursziel auf 33 Euro.
Gleichzeitig verspricht Vorstandschef Matteo Del Fante den Anteilseignern Kontinuität bei der Dividendenpolitik. Für die am 25. November fällige Abschlagszahlung stellte das Management mindestens 40 Cent je Aktie in Aussicht. Die kommenden Handelstage werden zeigen, ob Poste Italiane die notwendige Mehrheit für eine vollständige Übernahme ohne verbleibende Minderheitsaktionäre erreicht.
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