Plug Power Aktie: 13,6 Millionen Euro abgeschrieben
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 23:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Plug Power hat sein Wasserstoffprojekt am Hafen von Antwerpen gestrichen und dafür 13,6 Millionen Euro an Vermögenswerten abgeschrieben. Der Elektrolyseur mit 100 Megawatt Leistung sollte grünen Wasserstoff für den belgischen Markt liefern. Nun ist er Geschichte.
Für mich ist dieser Schritt kein Ausrutscher, sondern die logische Fortsetzung eines Musters, das seit Monaten sichtbar wird: Plug Power zieht sich dort zurück, wo das Geld knapp wird, und das Unternehmen selbst nennt als Grund die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts sowie anhaltende finanzielle Herausforderungen.
Die Finanzierungsfrage bleibt der wunde Punkt
Hintergrund der Antwerpen-Entscheidung ist auch die Situation um die Kreditgarantie des US-Energieministeriums über 1,66 Milliarden US-Dollar, die einen Teil der Wasserstoffaktivitäten des Konzerns absichern sollte.
Plug Power hatte Aktivitäten rund um diese Garantie ausgesetzt und dabei selbst darauf hingewiesen, dass diese Aussetzung das Risiko birgt, den Zugang zur Finanzierung ganz zu verlieren. Es handelt sich also nicht um einen Entzug durch die Behörde, sondern um eine unternehmenseigene Entscheidung mit offenem Ausgang. Genau diese Unsicherheit halte ich für den eigentlichen Belastungsfaktor der Aktie – wichtiger als jede einzelne Projektabsage.
Gleichzeitig zeigen die Quartalszahlen, dass operativ nicht alles schlecht läuft. Im zweiten Quartal 2026 meldete Plug Power einen Umsatz von 178,3 Millionen US-Dollar, mehr als der Marktkonsens von 169,11 Millionen US-Dollar erwartet hatte.
Der Verlust je Aktie lag bei minus 0,07 US-Dollar und damit besser als die erwarteten minus 0,08 US-Dollar. Das Unternehmen hob zudem die Umsatzwachstumsprognose für das Gesamtjahr auf 15 bis 16 Prozent an und hält an dem Ziel fest, im vierten Quartal 2026 ein positives EBITDAS zu erreichen.
Wachstum bei Fuel Cells, aber die Cash-Frage bleibt
Bemerkenswert finde ich die Entwicklung im Servicegeschäft: Die Zahl der ausgelieferten GenDrive-Brennstoffzelleneinheiten stieg im Jahresvergleich um 125 Prozent auf 1.666 Einheiten, der Serviceumsatz kletterte um 82 Prozent auf 30 Millionen US-Dollar bei einer Marge von 27 Prozent. Das sind Zahlen, die zeigen, dass Plug Power in bestimmten Nischen tatsächlich Substanz aufbaut.
Parallel dazu treibt der Konzern internationale Elektrolyseur-Projekte voran, etwa die Lieferung von GenEco-PEM-Elektrolyseuren an den Hunter-Valley-Wasserstoff-Hub in Australien, der die endgültige Investitionsentscheidung bereits erreicht hat und im Vollbetrieb rund 4.700 Tonnen erneuerbaren Wasserstoff pro Jahr produzieren soll. In Dänemark wurde zudem ein 5-Megawatt-System in Esbjerg fertiggestellt und in Betrieb genommen.
Auf der anderen Seite bleibt die Warnung bestehen, dass Plug Power weiterhin einen erheblichen Cash-Verbrauch aufweist und der Auftragseingang schwach ist. Verzögerungen bei der Monetarisierung von Projektvermögen in New York könnten dazu führen, dass im Verlauf von 2026 zusätzliches Kapital nötig wird.
Diese Kombination aus operativen Fortschritten und struktureller Kapitalnot ist für mich der Kern der Story: Das Unternehmen wächst dort, wo es kann, und schrumpft dort, wo es muss.
Unterm Strich
Am Markt zeigt sich diese Zerrissenheit deutlich. Die Aktie notiert aktuell bei 1,80 Euro und liegt damit 55 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 4,04 Euro, das im Oktober erreicht wurde.
Zugleich steht sie 50 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 1,20 Euro vom September – ein Beleg dafür, wie volatil die Bewertung zwischen Hoffnung auf operative Fortschritte und Sorge um die Bilanz hin- und herpendelt. Die annualisierte Volatilität von 58 Prozent auf Sicht von 30 Tagen unterstreicht das.
Für mich überwiegt derzeit die Skepsis. Bessere Quartalszahlen und internationale Projekterfolge sind erfreulich, ändern aber nichts an der Grundfrage: Kann Plug Power seine Finanzierungslücken schließen, bevor die Substanz weiter schrumpft? Solange diese Frage offen bleibt, dürfte jede positive Meldung von der nächsten Abschreibung oder Kapitalsorge überschattet werden.
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