Planet Labs PBC Aktie: Neue Fabrik in Berlin eröffnet
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 06:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit der Eröffnung einer eigenen Produktionsstätte in Berlin-Mitte baut Planet Labs PBC seine industrielle Präsenz außerhalb der Vereinigten Staaten deutlich aus.
Am gestrigen Dienstag nahm der US-Konzern den Standort in Betrieb, an dem künftig Erdbeobachtungssatelliten der Pelican-Klasse gefertigt werden sollen. Das Unternehmen reagiert damit vor allem auf den wachsenden Bedarf europäischer Regierungen und Streitkräfte an eigenständigen Aufklärungskapazitäten.
Verdopplung der Kapazitäten für Pelican-Satelliten
Die neue Fertigungsstätte umfasst rund 5.700 Quadratmeter Fläche, darunter mehr als 2.000 Quadratmeter Reinraum. Laut CEO Will Marshall liegt das Investitionsvolumen im achtstelligen Euro-Bereich.
Vor Ort sollen die Kapazitäten schrittweise auf bis zu 60 Satelliten pro Jahr hochgefahren werden. Ein solches Volumen würde die weltweite Jahresproduktion des Konzerns, dessen einziger bisheriger vollständiger Fertigungsstandort in San Francisco liegt, verdoppeln.
Der erste in der Bundeshauptstadt gebaute Flugkörper soll noch vor dem Jahreswechsel fertiggestellt werden. Für den Transport in den Erdorbit setzt das Unternehmen auf europäische Partner: Der Erststart ist für Anfang 2027 an Bord einer Spectrum-Trägerrakete von Isar Aerospace geplant. Damit verringert der Konzern zugleich die Abhängigkeit von bisherigen Trägerdiensten.
Um die Fertigungslinie zu betreiben, erweitert Planet Labs das bestehende Berliner Team von knapp 150 Mitarbeitern um 70 zusätzliche Fachkräfte. Europa stellt damit bereits mehr als 30 Prozent der weltweiten Belegschaft des Unternehmens.
Europäische Sicherheitsinteressen treiben die Nachfrage
Hinter der Expansion steht eine spürbare Verschiebung der Kundennachfrage. Das Verteidigungs- und Sicherheitssegment macht mittlerweile rund 60 Prozent der gesamten Geschäftsaktivitäten aus. Angesichts geopolitischer Spannungen investieren europäische Staaten massiv in weltraumgestützte Aufklärung. In Deutschland sehen Planungen bis 2030 Investitionen von rund 35 Milliarden Euro für Satellitenkommunikation und Erdbeobachtung vor.
Die in Berlin entstehenden Pelican-Satelliten wiegen rund 300 Kilogramm und sollen in der nächsten Ausbaustufe eine optische Auflösung von 30 Zentimetern liefern. Planet Labs betreibt gegenwärtig rund 200 Satelliten im Erdorbit und zählt unter anderem das Bundesinnenministerium sowie Behörden in Japan und Schweden zu seinen Auftraggebern.
Mit der physischen Fertigung auf dem Kontinent erleichtert der Konzern öffentlichen Auftraggebern den Zugriff auf hochauflösende Geodaten. Die direkte Produktion vor Ort ermöglicht es Kunden, striktere nationale Sicherheitsvorgaben und Anforderungen an Datenhoheit zu erfüllen.
Kurs bleibt nahe dem Jahrestief
An den Finanzmärkten sorgte der Schritt zunächst für verhaltene Reaktionen. Im gestrigen Handel verzeichnete die Aktie einen leichten Rückgang um 0,7 Prozent und schloss bei 14,80 Euro. Das Papier notiert damit 9,6 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief.
Analysten heben gleichwohl die langfristigen Aussichten des Sektors hervor. Das Bankhaus Berenberg stuft Planet Labs mit einer Kaufempfehlung ein und verweist auf die branchenweit drastisch gesunkenen Startkosten als wesentlichen Wachstumstreiber.
Auf operativer Ebene legte der Umsatz im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 im Vorjahresvergleich um 58 Prozent auf 116,1 Millionen US-Dollar zu. Der Standortausbau festigt nun das Standbein im wachsenden europäischen Markt.
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