PANDION Aktie: Gläubiger starten Käufersuche
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 14:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein vorläufiger Gläubigerausschuss hat einem M&A-Berater grünes Licht gegeben. Ab heute soll dieser prüfen, ob sich für die insolventen Gesellschaften der PANDION-Gruppe oder für einzelne, nicht insolvente Unternehmensteile noch Käufer finden lassen. Für mich ist das der Moment, an dem sich zeigt, ob von PANDION am Ende überhaupt noch etwas übrig bleibt, das diesen Namen verdient.
Ein Verfahren, das sich selbst beschleunigt
Wer die Chronik der vergangenen Wochen liest, erkennt ein Muster: Jede neue Meldung ist schlechter als die vorherige. Vor rund einem Monat stellte PANDION beim Amtsgericht Köln den Antrag auf Eigenverwaltung, nachdem ein Finanzierungspartner einen zugesagten Baustein zurückgezogen hatte. Wenig später kamen weitere Tochtergesellschaften hinzu.
Ende August wurde das Projektportfolio im Zuge der Sanierung neu strukturiert – und für elf weitere Projektgesellschaften, darunter PANDION Wolframstraße Stuttgart, Flint Areal, Silberburg Höfe Stuttgart und die Prinzessinnenstraße Berlin, wurden ebenfalls Insolvenzanträge gestellt. Die Geschäftsführungen begründeten das mit einer Liquiditätslage, die sich durch die bereits laufenden Verfahren weiter verschärft hat.
Diese Kaskade ist aus meiner Sicht keine Serie unabhängiger Rückschläge, sondern die logische Folge eines einzigen Grundproblems: Der Finanzierungsbaustein, der im August wegfiel, hat ein Kartenhaus zum Einsturz gebracht, dessen einzelne Projektgesellschaften finanziell enger miteinander verflochten waren, als es von außen sichtbar war.
Warum der M&A-Prozess jetzt entscheidend ist
Die Beauftragung eines M&A-Beraters unterscheidet sich qualitativ von den vorangegangenen Meldungen. Bislang ging es um Verwaltung des Niedergangs – Anträge, Strukturierungen, Portfoliobereinigungen. Jetzt geht es erstmals um die Frage, ob es für die Gruppe als Ganzes oder für einzelne werthaltige Teile noch einen Markt gibt.
Dass sowohl strategische als auch Finanzinvestoren angesprochen werden sollen, deutet darauf hin, dass der Gläubigerausschuss sich alle Optionen offenhalten will – vom kompletten Verkauf bis zur Zerschlagung in verwertbare Einzelteile.
Für Anleiheinhaber der Unternehmensanleihe 2021/2028 ist das die zentrale Weichenstellung. Die Zinszahlung für diese Anleihe blieb bereits Anfang August aus, nachdem PANDION eine unerwartete Liquiditätslücke eingeräumt hatte. Seitdem ist die Anleihe faktisch eine Wette auf den Verwertungserlös der Insolvenzmasse. Der M&A-Prozess ist nun das Instrument, das diesen Erlös maximieren oder eben offenbaren soll, dass er gering ausfällt.
Die Zahlen im Rücken sprechen nicht für Optimismus
Man sollte sich die Ausgangslage nicht schönreden. PANDION hatte bereits Anfang Juli mitgeteilt, dass das vorläufige Ergebnis vor Ertragsteuern für 2025 voraussichtlich bei minus 69 Millionen Euro liegen werde – belastet durch Wertberichtigungen bei Gewerbeobjekten infolge veränderter Bewertungsparameter, gestiegener Finanzierungskosten und verzögerter Transaktionsmärkte.
Ein Unternehmen, das aus einer solchen Position in ein Insolvenzverfahren rutscht, bringt für einen M&A-Prozess selten die besten Karten mit. Investoren, die jetzt zugreifen, werden das wissen und entsprechend verhandeln.
Zugleich spricht aus meiner Sicht einiges dafür, dass gerade die Aufteilung in Gesamt- oder Teiltransaktionen Chancen eröffnet, die ein reiner Komplettverkauf nicht böte. Einzelne Projekte mögen trotz der Schieflage der Gruppe für sich genommen werthaltig sein – etwa dort, wo Baufortschritt und Standort stimmen. Der Berater wird genau das ausloten müssen.
Mein Fazit
Unterm Strich sehe ich in der Beauftragung des M&A-Beraters weniger ein Hoffnungssignal als einen überfälligen Realitätscheck. Die Ausweitung der Insolvenzanträge auf elf weitere Projektgesellschaften hat gezeigt, wie tief die Probleme in der Gruppenstruktur verwurzelt sind.
Der jetzt startende Investorenprozess wird binnen der kommenden Wochen offenlegen, was von PANDION überhaupt noch verwertbar ist. Für Anleihegläubiger bleibt es eine Geduldsprobe mit ungewissem Ausgang – die Chancen auf eine nennenswerte Quote hängen fast vollständig davon ab, wie viele Bieter sich tatsächlich finden.
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