Palantir Aktie: US-Commercial springt 149 Prozent
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 10:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Für mich markiert dieses Quartal einen Wendepunkt für Palantir. Jahrelang haben Skeptiker angezweifelt, ob sich die Artificial Intelligence Platform (AIP) wirklich skalieren lässt. Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 beenden diese Debatte.
Ein Umsatzsprung, der Erwartungen sprengt
Palantir meldet für das Quartal bis zum 30. Juni 2026 einen Umsatz von 1,935 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 93 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und liegt deutlich über den Konsens-Schätzungen von rund 1,80 Milliarden Dollar.
Der eigentliche Motor sitzt im US-Commercial-Geschäft. Dort springt der Umsatz um 149 Prozent auf 764 Millionen Dollar. CEO Alex Karp nennt die Nachfrage nach der Software seines Unternehmens "otherworldly" – das Wachstum verlaufe "jenseits jeder Vorstellungskraft". Das ist keine Eintagsfliege: Der Total Contract Value wuchs um 49 Prozent auf 3,373 Milliarden Dollar, im US-Commercial-Segment sogar um 153 Prozent.
Kurs und Fundamentaldaten laufen auseinander
Hier liegt für mich der eigentliche Widerspruch dieser Geschichte. Trotz dieser Wachstumszahlen bleibt die Aktie ein Fall für Nervenstarke: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 30,44 Prozent, auf Sicht von zwölf Monaten sind es 21,39 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 179,98 Euro, aufgestellt im November 2025, trennen die Aktie inzwischen 39,27 Prozent. Diese Lücke zeigt für mich: Der Markt hatte zuvor noch aggressivere Erwartungen eingepreist – oder die hohe Schwankungsbreite von rund 53 Prozent annualisierter Volatilität hat Anleger vorsichtig gemacht. Fundamental liefert Palantir. Der Kurs zieht erst langsam nach.
Profitabilität statt Wachstum um jeden Preis
Das eigentlich Bemerkenswerte: Palantir wächst nicht auf Kosten der Marge. Der GAAP-Nettogewinn liegt bei 1,062 Milliarden Dollar, das entspricht einer Marge von 55 Prozent. Das bereinigte Ergebnis je Aktie kommt auf 0,41 Dollar und übertrifft die Schätzung von 0,35 Dollar.
Der "Rule of 40"-Score, die Standardkennzahl für SaaS-Unternehmen aus Wachstum plus Profitabilität, erreicht einen Wert von 155 Prozent. Zum Vergleich: Ein Wert über 40 gilt in der Branche schon als gesund. Das Management reagiert entsprechend und hebt die Umsatzprognose für 2026 auf eine Spanne zwischen 8,150 und 8,158 Milliarden Dollar an. Für das US-Commercial-Geschäft erwartet der Konzern nun ein Wachstum von mindestens 134 Prozent im Gesamtjahr.
Der Burggraben bleibt bestehen
Zwar suchen Behörden in Frankreich und Großbritannien Berichten zufolge nach heimischen Alternativen zu Palantirs Datenplattformen. Militär- und Geheimdienstverantwortliche betonen jedoch, dass es aktuell keinen echten Konkurrenten in dieser Größenordnung gibt. Dieser Wettbewerbsvorteil spiegelt sich im Analysten-Konsens: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 158,17 Euro – ein Aufschlag von 44,7 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.
Charttechnisch deutet sich bei der Aktie ein Bodenbildungsprozess an. Nach dem 52-Wochen-Tief bei 93,30 Euro im Juni hat sie bereits gut 17 Prozent aufgeholt, notiert aber weiterhin knapp unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt.
Mein Fazit: Die Kombination aus beschleunigtem Umsatzwachstum, Rekordmargen und einem satten Abschlag vom Allzeithoch spricht für eine fortgesetzte Erholung. Karp schreibt in seinem Aktionärsbrief, "zum ersten Mal glauben uns die Leute" – ein Satz, den die Finanzmärkte meiner Einschätzung nach bald teilen dürften, sollte sich das aktuelle Wachstumstempo fortsetzen.
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