Palantir, Aktie

Palantir Aktie: Maven wird Program of Record

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 20:37 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Palantir steigert Umsatz und Prognose deutlich, während neue Pentagon-Mittel die langfristige Bedeutung staatlicher Aufträge unterstreichen.

Palantir: Pentagon-Aufträge treiben Wachstum und Bewertung
Abstraktes, modernes Datenanalyse-Zentrum in einer Verteidigungsumgebung mit technologischer Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Es gibt Aktien, die man mit klassischen Kennzahlen analysiert. Und es gibt Palantir. Wer verstehen will, warum das Papier trotz eines Rücksetzers vom Rekordhoch immer noch als eine der spannendsten Wetten des Jahres gilt, muss einen Blick auf Washington werfen – nicht auf eine Bilanz.

Am Mittwoch vergangener Woche unterschrieb der Deputy Secretary of War, Steve Feinberg, eine Direktive mit dem schlichten Titel "Funding Palantir". Sie sieht eine Aufstockung der Pentagon-Mittel für das Unternehmen um 244 Millionen Dollar bis März 2027 vor.

Gleichzeitig strebt das Verteidigungsministerium an, über fünf Jahre 2,3 Milliarden Dollar für das Maven-Programm und das Joint Fires Network bereitzustellen.

Wenige Tage später, am 27. August, wurde Maven offiziell zum "Program of Record" erklärt – ein bürokratischer Begriff, der in der Praxis bedeutet: mehrjährige, verlässliche Budgetlinien statt Projektgelder von Fall zu Fall.

Vom Software-Startup zur Infrastruktur des Staates

Das ist der eigentliche Strukturwandel, den diese Aktie verkörpert: Palantir verkauft nicht mehr nur Analysesoftware, es wird zunehmend zur Betriebssystem-Schicht staatlicher und militärischer Entscheidungsprozesse.

William-Blair-Analyst Louie DiPalma brachte es Ende August auf den Punkt, als er schrieb, jedes Signal deute auf ein robustes Wachstum in den kommenden neun Monaten hin. Er bezifferte das Maven Smart System bereits auf einem Weg zu einer Milliarde Dollar jährlich wiederkehrendem Umsatz.

Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern folgt einer Logik, die sich seit Monaten abzeichnet. Die Bindung an staatliche Institutionen verschafft Palantir etwas, das viele Softwarefirmen nicht haben: Planungssicherheit über Legislaturperioden hinweg. Wer als Programm-of-Record gilt, verschwindet nicht mit dem nächsten Haushaltsjahr.

Die Zahlen bestätigen den Trend – vorerst

Die Geschäftszahlen vom 3. August untermauern die These. Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal auf 1,935 Milliarden Dollar, ein Plus von 93 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über den Erwartungen von 1,81 Milliarden Dollar.

Besonders auffällig: Das US-Commercial-Geschäft wuchs um 149 Prozent auf 764 Millionen Dollar, während der US-Regierungsumsatz um 90 Prozent auf 809 Millionen Dollar zulegte. Palantir erreichte einen "Rule of 40"-Score von 155 Prozent – eine Kennzahl, die Wachstum und Profitabilität kombiniert und in dieser Höhe selten ist.

Das Management reagierte mit einer kräftigen Anhebung der Jahresprognose: Der Umsatz für das Gesamtjahr soll nun zwischen 8,150 und 8,158 Milliarden Dollar liegen, deutlich mehr als die zuvor avisierten 7,650 bis 7,662 Milliarden. Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von 2,160 bis 2,164 Milliarden Dollar in Aussicht.

An der Wall Street sorgte das für eine Kaskade angehobener Kursziele: Citi-Analyst Tyler Radke hob sein Ziel Anfang August auf 245 Dollar an, UBS auf 220 Dollar, DA Davidson auf 200 Dollar, Piper Sandler bestätigte 230 Dollar. Truist Securities verwies zudem auf Palantirs strukturellen Vorteil durch das "Forward Deployed Engineer"-Modell – das Unternehmen habe rund 80 Prozent der führenden Talente in diesem Bereich selbst ausgebildet.

Zwischen Euphorie und Realität

Doch jede Erzählung hat ihre Risse. Cathie Woods ARK Invest verkaufte Mitte August Palantir-Aktien im Wert von 27,2 Millionen Dollar – und kaufte fast zeitgleich SpaceX-Aktien im ähnlichen Umfang. Ein Signal, dass selbst überzeugte Tech-Investoren an anderer Stelle Chancen wittern.

Am Kursverlauf zeigt sich diese Ambivalenz ebenfalls. Nach einem 30-Tage-Anstieg von 49 Prozent notiert die Aktie aktuell bei 158,70 Euro, ein Minus von 1,4 Prozent zum Vortag und rund 12 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 179,98 Euro aus Anfang November.

Die Volatilität von 100 Prozent auf Jahresbasis erinnert daran, dass hier keine ruhige Value-Aktie gehandelt wird, sondern ein Papier, das im Rhythmus geopolitischer Nachrichten atmet.

Die eigentliche Frage lautet nicht, ob Palantir wächst – das belegen die Zahlen eindeutig. Sie lautet, ob ein Unternehmen, dessen Schicksal so eng mit einzelnen Pentagon-Direktiven verwoben ist, auf Dauer die Bewertungsprämie rechtfertigen kann, die der Markt ihm gerade zugesteht. Die Antwort darauf schreibt derzeit weniger Bloomberg-Terminal als das Verteidigungsministerium selbst.

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