Palantir Aktie: Bank of America setzt Ziel auf 255 Dollar
Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 07:38 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kaum ein Rekordquartal hat die Wall Street so ratlos zurückgelassen wie das jüngste von Palantir. Während RBC Capital Markets dem Softwarekonzern ein Kursziel von nur 90 Dollar zutraut und die Einstufung Underperform vergibt, sieht die Bank of America ein Ziel von 255 Dollar und rät klar zum Kauf. Zwischen diesen beiden Polen liegt eine Bandbreite, wie sie bei einem Schwergewicht dieser Größenordnung selten vorkommt.
Der Marktkonsens bewegt sich derzeit bei einem durchschnittlichen Kursziel von 194,07 Dollar und einer moderaten Kaufempfehlung. Doch die Ausreißer sprechen eine deutliche Sprache: Auf der skeptischen Seite verweisen mehrere Häuser auf eine Vergleichsbasis, die im zweiten Halbjahr auf 67 Prozent und im ersten Halbjahr 2027 sogar auf 89 Prozent steigen soll – ein Umstand, der das aktuelle Rekordwachstum kaum wiederholbar erscheinen lässt. Auf der optimistischen Seite steht die Überzeugung, dass Palantirs Regierungs- und Firmenkundengeschäft strukturell weiterwächst und die Bewertung diesen Kurs rechtfertigt.
Bewertung nach der Rekordrally
Die Zahlen zum zweiten Quartal, die Palantir am 3. August vorgelegt hatte, waren tatsächlich außergewöhnlich: Der Umsatz kletterte um 93 Prozent, das Geschäft mit US-Firmenkunden legte um 149 Prozent zu. Die Aktie reagierte am 4. August mit einem Kurssprung von rund 30 Prozent, dem zweitbesten Tagesgewinn ihrer Geschichte, und vernichtete dabei nach Berechnungen von Marktbeobachtern rund drei Milliarden Dollar an Buchgewinnen von Leerverkäufern.
Diese Dynamik zeigt sich weiterhin im deutschen Handel: Am Freitag schloss die Palantir-Aktie bei 148,84 Euro, ein Plus von 9,88 Prozent an einem einzigen Tag. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 179,98 Euro klafft dennoch weiterhin eine Lücke von 17,30 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 72,2 signalisiert eine überkaufte Marktlage – ein technisches Warnsignal, das zur fundamentalen Debatte passt. Denn genau hier setzt die Skepsis der Bären an: Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis, das nach der Rally weit über dem Marktdurchschnitt liegt, und einem Umsatzmultiple, das die etablierte Softwarekonkurrenz um ein Vielfaches übersteigt, braucht es anhaltend hohes Wachstum, um die Bewertung zu tragen. Bullische Häuser argumentieren dagegen mit der Umsatzbindung im Bestandskundengeschäft und der wachsenden Zahl von Großverträgen, die Palantir im Quartalsbericht auswies.
Politisches Risiko am Horizont
Zur fundamentalen Bewertungsfrage gesellt sich ein politischer Unsicherheitsfaktor. Demokratische Abgeordnete planen für den Fall eines Wahlsiegs bei den kommenden Kongresswahlen Untersuchungen gegen mehrere Unternehmen mit engen Verbindungen zur Trump-Administration, wie gestern berichtet wurde. Neben Apple, Alphabet, Blackstone, BlackRock und Tesla wird auch Palantir namentlich genannt. Im Fokus stehen dabei nicht ein sofortiges Amtsenthebungsverfahren, sondern die Verträge und finanziellen Verflechtungen der genannten Konzerne mit der Regierung.
Für Palantir, dessen Geschäft mit US-Behörden im jüngsten Quartal um 90 Prozent zulegte, wäre eine verstärkte politische Prüfung staatlicher Aufträge ein Faktor, den Anleger im Blick behalten dürften – losgelöst von der operativen Entwicklung des Unternehmens. Wie stark sich diese Ankündigung tatsächlich auf das Geschäft auswirken könnte, hängt zunächst vom Ausgang der Wahlen ab.
Die nächste Gelegenheit, die Wachstumsdebatte mit harten Zahlen zu befeuern, bietet sich am 2. November, wenn Palantir seine Ergebnisse für das dritte Quartal vorlegt. Für dieses Quartal hat das Unternehmen einen Umsatz von 2,16 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt.
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