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Oracle Aktie: Ältere Chips finden weiter Abnehmer

Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 14:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Hohe Nachfrage und ein Auftragsbestand von 664 Milliarden US-Dollar stehen Oracles Schulden und negativem freien Cashflow gegenüber.
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Oracles entscheidende Bewährungsprobe liegt für mich an diesem Samstag in der wirtschaftlichen Qualität seines KI-Geschäfts. Das Unternehmen verweist auf robuste Nachfrage und höhere Preise bei Vertragsverlängerungen. Das spricht für die Verwertbarkeit seiner Infrastruktur, sofern daraus verlässliche Zahlungsströme entstehen. Angesichts des negativen freien Cashflows und der hohen Verschuldung gehört genau dieser Zusammenhang ins Zentrum der Bewertung.

Ältere Chips können weiter Geld verdienen

Oracle hält die Nachfrage nach seiner KI-Infrastruktur ausdrücklich für stark. Das gelte auch für ältere Grafikprozessoren.

Das ist aus Anlegersicht ein gewichtiges Argument für Oracle, sofern solche Verlängerungen dauerhaft wirtschaftlich attraktiv bleiben. Bereits eingesetzte Hardware kann dann länger Erlöse erwirtschaften. Für mich liegt darin der stärkste positive Punkt der Debatte: Oracle beschreibt konkrete Preisverbesserungen bei bestehenden Kapazitäten und damit eine geschäftliche Grundlage für seinen Optimismus.

Dem steht der von Bloomberg berichtete Rückzug Microsofts aus dem früher vereinbarten Mietvertrag gegenüber. Die Nutzung sei über die vergangenen Monate zurückgefahren worden. Als Grund nennt der Bericht ältere Nvidia-Chips, die Microsofts Anforderungen nicht mehr entsprächen. Oracle und Microsoft bestätigten die Nichtverlängerung öffentlich nicht.

Für Oracles Perspektive entscheidet deshalb die Anschlussverwertung solcher Kapazitäten. Die Unternehmensangaben sprechen dafür, dass ältere Chips weiterhin Abnehmer finden können, sofern deren Anforderungen zur angebotenen Leistung passen. Genau diese Passung muss Oracle wirtschaftlich organisieren. Ein zahlungsbereiter Ersatzkunde wäre für die Ertragskraft hilfreicher als eine allgemeine Versicherung über hohe Nachfrage.

Das Auftragspolster braucht finanzielle Übersetzung

Ende August bezifferte Oracle seinen Auftragsbestand auf 664 Milliarden US-Dollar. Dieses Volumen spricht für eine umfangreiche vertragliche Nachfragebasis. Für mich gewinnt es jedoch erst dann an Überzeugungskraft, wenn die Umsetzung auch den freien Cashflow stärkt.

Hier liegt die zentrale Spannung der Investmentgeschichte. Oracle muss seine Verpflichtungen bedienen und zugleich die wirtschaftlichen Früchte des KI-Ausbaus ernten. Ein großes Auftragsbuch ist dabei ein Vorteil, sofern die damit verbundenen Geschäfte nach den erforderlichen Ausgaben genügend Geld im Unternehmen lassen.

Die finanziellen Ausgangswerte mahnen zur Vorsicht: Zum 31. August beliefen sich die Schulden auf rund 125,3 Milliarden US-Dollar. Im Geschäftsjahr 2026 betrug der negative freie Cashflow 23,7 Milliarden US-Dollar.

Diese Kombination spricht gegen einen Vertrauensvorschuss allein auf Basis des Auftragsbestands, solange der Mittelabfluss anhält. Ich gewichte die Finanzierungskraft deshalb stärker als die schiere Größe der Nachfrage. Oracle muss zeigen, dass aus gebuchten Geschäften eine belastbarere finanzielle Position entstehen kann.

Moody’s bewertet Oracle mit Baa2 und einem negativen Ausblick. Das unterstreicht aus meiner Sicht die Bedeutung der Bilanzentwicklung, solange das Geschäft erhebliche Mittel bindet.

Politische Risiken verschärfen die Auswahl

Zusätzlichen Druck bringt die politische Durchsetzbarkeit großer Verträge. Nach einem Bericht der Financial Times soll Oracle einen geplanten Tencent-Vertrag nach Bedenken von US-Beamten aufgegeben haben. Er umfasste rund 7 Milliarden US-Dollar über fünf Jahre und den Zugang zu bis zu 100.000 KI-Chips in Südostasien.

Für mich erhöht dieser Vorgang die Anforderungen an die Qualität künftiger Vereinbarungen. Wirtschaftliche Attraktivität zählt für Oracle besonders dann, wenn sich Verträge auch regulatorisch umsetzen lassen. Politisch tragfähige Kundenbeziehungen verdienen deshalb bei der Bewertung ebenso viel Aufmerksamkeit wie Laufzeiten und Volumen.

Unterm Strich sehe ich bei Oracle überzeugende Nachfrageargumente, aber die finanzielle Belastung wiegt derzeit schwerer. Meine Einschätzung würde konstruktiver ausfallen, sobald Vertragsverlängerungen, Auftragsumsetzung und freier Cashflow gemeinsam Fortschritte erkennen lassen. Der Maßstab ist klar: Oracle muss aus seinem KI-Geschäft mehr finanzielle Tragfähigkeit gewinnen.

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