Oracle Aktie: Absicherung wird teurer
Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 00:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Oracle steckt zwischen zwei Erzählungen. Auf der einen Seite präsentiert der Konzern seine Cloud-Strategie als Antwort auf die nächste Phase der KI-Nutzung. Auf der anderen Seite wird die Finanzierung dieser Strategie am Kreditmarkt zunehmend kritisch beäugt.
Bei einem Branchenevent zur Enterprise-KI erklärte Oracle-Cloud-Manager Karan Batta diese Woche, Unternehmen fragten nicht mehr, welches KI-Modell sie einsetzen sollten, sondern wie sie KI über die gesamte Organisation operationalisieren.
Oracles Antwort darauf heißt verteilte Cloud-Infrastruktur: Daten sollen dort bleiben, wo sie entstehen, während Oracle mit 50 bis 70 dedizierten Regionen weltweit ein einheitliches Sicherheits- und Governance-Modell darüber legt. Die Datenbank-Plattform des Konzerns läuft inzwischen parallel auf der eigenen Cloud OCI sowie bei Microsoft Azure, Google Cloud und Amazon Web Services.
Kreditausfallswaps als Warnsignal
Während Oracle strategisch auf Wachstum setzt, sendet der Anleihemarkt andere Signale. Wer sich Mitte August gegen einen Zahlungsausfall von Oracle über fünf Jahre absichern wollte, zahlte dafür 2,13 Prozent des Anleihe-Nennwerts jährlich — vor einem Jahr waren es noch 0,43 Prozent. Zum Vergleich: Bei Alphabet kostete eine vergleichbare Absicherung zuletzt 0,56 Prozent.
Der Anstieg spiegelt weniger eine akute Ausfallsorge wider als die wachsende Nervosität über die Finanzierungslast des KI-Ausbaus. Fast 70 Prozent der 456 Milliarden Dollar, die Technologiekonzerne 2026 für KI-Projekte am Kapitalmarkt eingesammelt haben, stammen aus Investment-Grade-Anleihen — mehr als doppelt so viel wie im gesamten Vorjahr. Oracle zählt neben Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft zu den fünf Konzernen, die den Großteil dieser Schulden tragen.
Investoren verlangen für diese Risiken mittlerweile deutlich höhere Zinsen. Hyperscaler-Anleihen mit Fälligkeit 2035 werfen im Schnitt 5,7 Prozent Rendite ab, gut einen Prozentpunkt mehr als zehnjährige US-Staatsanleihen — vor einem Jahr betrug der Aufschlag nur 0,44 Prozentpunkte.
Strategen bei Société Générale sehen darin ein Zeichen, dass klassische Gewinnkennziffern für Hyperscaler an Aussagekraft verlieren und empfehlen, stärker auf Kreditausfallswaps zu achten.
Personalwechsel bei Partner OpenAI
Zusätzliche Unsicherheit kam am Dienstag von einem zentralen Partner: Bei OpenAI verließ Chris Malone, verantwortlich für den Aufbau von Rechenzentren, das Unternehmen — der vierte namhafte Abgang aus der Führungsebene vor dem für 2027 geplanten Börsengang.
Oracle ist über das gemeinsame Rechenzentrumsprojekt Stargate eng mit OpenAI verbunden, die Oracle-Aktie gab am Dienstag leicht nach. OpenAI-Präsident Greg Brockman versuchte im Fernsehen, die Wechsel als normale Fluktuation darzustellen.
Wie stark sich Finanzierungskosten und operative Zahlen tatsächlich auseinanderentwickeln, dürfte sich an den kommenden Quartalsberichten der Branche zeigen — Nvidia berichtet an diesem Mittwoch, Meta folgt Ende Oktober. Beide Termine liefern neue Anhaltspunkte, wie die Kapitalmärkte die Investitionspläne der KI-Infrastrukturanbieter künftig bepreisen.
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