Oracle Aktie: 4,18-Prozent-Rutsch auf 125,62 Euro
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 22:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Oracle steckt in einer Zwickmühle, die sich nicht mehr wegdiskutieren lässt. Die Aktie verlor am heutigen Dienstag 4,18 Prozent und rutschte auf 125,62 Euro ab, nachdem sie bereits am Vortag deutlich nachgegeben hatte. Für mich ist der Auslöser eindeutig: Die Herabstufung durch S&P auf die niedrigste Investment-Grade-Stufe wiegt schwerer als jeder Auftragsbestand, den Oracle in den vergangenen Wochen vermeldet hat.
Die Rating-Frage ist keine Randnotiz
Reuters berichtete am Freitag, dass Investoren zunehmend daran zweifeln, ob Oracle seine Investitionen in KI-Infrastruktur nachhaltig finanzieren kann. S&P hat das Unternehmen mit der Herabstufung an den Rand des Ramschstatus gebracht – ein Umstand, den Reuters bereits am 4. August als "hochriskante Rating-Wette" bezeichnete, die aus Oracles schuldenfinanzierter KI-Strategie resultiert.
Wer glaubt, das sei nur ein technisches Detail für Bondhändler, irrt aus meiner Sicht. Ein wackelndes Investment-Grade-Rating verteuert künftige Anleihen, und genau auf frisches Fremdkapital ist Oracle angewiesen, um seine Cloud- und KI-Ausbaupläne zu stemmen.
Genau hier liegt für mich der Kern des Problems: Medienberichten zufolge sitzt Oracle auf einem verbleibenden Auftragsbestand (Remaining Performance Obligations) von 638 Milliarden Dollar – eine beeindruckende Zahl, keine Frage. Doch dieselben Berichte verweisen auf einen negativen freien Cashflow.
Ein Rekordbacklog nützt Anlegern wenig, solange das Unternehmen es nicht in Cash umwandeln kann, ohne sich dafür immer tiefer zu verschulden. Diese Lücke zwischen Papierversprechen und tatsächlichem Geldfluss ist der wunde Punkt, den der Markt gerade gnadenlos einpreist.
Sektorweiter Schuldenwettlauf verschärft den Druck
Oracle steht mit diesem Muster nicht allein da. Auch Alphabet bereitete laut Berichten vom 6. August eine Anleiheemission von bis zu 25 Milliarden Dollar zur Finanzierung von KI-Investitionen vor. Die gesamte Technologiebranche greift derzeit tief in die Fremdkapitalmärkte, um das KI-Wettrüsten zu finanzieren. Das relativiert Oracles Vorgehen ein Stück weit – es ist kein Einzelfall.
Zugleich zeigt es aber, wie eng das Zeitfenster für günstige Finanzierung wird, wenn gleich mehrere Schwergewichte um dieselben Investorengelder buhlen. Für ein Unternehmen mit angeschlagenem Rating dürfte dieser Wettbewerb die Konditionen zusätzlich verschlechtern.
Bezeichnend finde ich, wie die Marktteilnehmer selbst reagieren. Michael Burry baute laut Berichten eine Short-Position gegen Oracle auf – neben Nebius eine seiner prominenten Wetten gegen den KI-Boom.
Parallel dazu reduzierten institutionelle Anleger wie Generali Investments Management ihre Bestände, und auch Sapient Capital trennte sich von 5.605 Oracle-Aktien. Einzelne Verkäufe müssen keine Trendwende bedeuten, aber die Häufung passt ins Bild einer Aktie, deren Story gerade hinterfragt wird.
Analysten bleiben trotz allem konstruktiv
Nicht jeder teilt die Skepsis in vollem Umfang. UBS senkte am Mittwoch vergangener Woche das Kursziel für Oracle von 285 auf 245 Dollar, beließ die Einstufung aber bei Kaufen. Das liest sich für mich wie ein Kompromiss: Die Kursziel-Kürzung erkennt das gestiegene Risiko an, die Kaufempfehlung hält gleichzeitig am langfristigen KI-Potenzial fest.
Operative Fortschritte gibt es durchaus – etwa die am 3. August verkündete Kooperation mit CACI International zur Modernisierung der Personal-IT der US-Behörde OPM. Solche Verträge liefern Substanz, ändern aber nichts an der grundsätzlichen Finanzierungsfrage.
Mein Fazit
Unterm Strich sehe ich bei Oracle zwei Erzählungen, die immer weiter auseinanderdriften: die des KI-Infrastrukturanbieters mit gigantischem Auftragspolster, und die des hochverschuldeten Konzerns, dessen Rating auf der Kippe steht.
Die Kurszahlen sprechen eine klare Sprache – mit einem Minus von 24,42 Prozent seit Jahresbeginn und einem Abstand von 57,40 Prozent zum 52-Wochen-Hoch hat der Markt sein Urteil längst gefällt.
Solange Oracle nicht zeigt, dass sich der Milliarden-Backlog auch in echten Cashflow verwandeln lässt, dürfte die Rating-Sorge die Nachrichtenlage dominieren – und das Vertrauen der Anleger belasten, ganz gleich wie optimistisch einzelne Analystenhäuser bei ihren Kurszielen bleiben.
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