Oracle Aktie: 30 Milliarden Dollar KI-Verträge abgeschlossen
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 16:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Hohe Ausgaben treffen auf Rekordaufträge
Die Weichenstellungen im Markt für künstliche Intelligenz erreichen eine neue finanzielle Dimension. Oracle hat die Messlatte für das Geschäftsjahr 2027 mit einer Umsatzprognose von mindestens 90 Milliarden $ deutlich nach oben geschraubt.
Gleichzeitig treiben die gewaltigen Infrastrukturprojekte des Softwarekonzerns die Kosten in beispiellose Höhen.
Anleger stehen vor der Frage, ob diese beispiellose Ausgabenwelle die künftige Ertragskraft sichert oder die Bilanzen überdehnt. Am Markt sorgt die enorme Kapitalbindung für wachsende Nervosität.
Mit einem aktuellen Kurs von 130,10 Euro notiert das Papier seit Jahresanfang 22 Prozent im Minus und sucht nach einem tragfähigen Boden.
Der Cashflow entscheidet über die Tragfähigkeit
Der zentrale Dreh- und Angelpunkt für die Bewertung liegt im Verhältnis zwischen den vertraglichen Zahlungsverpflichtungen und den tatsächlichen Investitionsabflüssen. Ein Capex-Volumen von bis zu 95 Milliarden $ übersteigt den avisierten Jahresumsatz von mindestens 90 Milliarden $. Ein derartiges Missverhältnis zwingt das Management dazu, externe Liquiditätsquellen in erheblichem Umfang anzuzapfen.
Für Investoren wird die Fähigkeit entscheidend sein, diese gigantischen Mittel zügig in margenstarke operative Zuflüsse umzuwandeln. Gelingt es nicht, die massiven Vorabinvestitionen schnell über zahlende Cloud-Kunden zu refinanzieren, drohen zusätzliche Verwässerungen oder steigende Finanzierungskosten.
Die Nachfrage nach Rechenleistung treibt das Wachstum
Befürworter der aggressiven Expansionsstrategie verweisen auf das operative Momentum im Cloud-Geschäft. Die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 untermauern die Dynamik.
Der bereinigte Gewinn je Aktie legte um 30 Prozent auf 1,92 $ zu. Der GAAP-Gewinn je Aktie stieg sogar um 55 Prozent auf 1,56 $.
Haupttreiber dieser Entwicklung bleibt das Cloud-Segment, dessen Erlöse um 62 Prozent auf 11,6 Milliarden $ anzogen. Zudem schloss das Unternehmen neue KI-Cloud-Verträge im Umfang von mehr als 30 Milliarden $ ab. Dadurch schwollen die verbleibenden Leistungsverpflichtungen auf 664 Milliarden $ an.
Für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 stellt Oracle ein weiteres Cloud-Umsatzplus von 65 bis 71 Prozent in Aussicht, bei einem Gesamtumsatzwachstum von 30 bis 34 Prozent. Sollte sich dieses Tempo verstetigen, könnte die rasche Monetarisierung des Auftragsbergs die hohen Anfangskosten rechtfertigen.
Refinanzierungsrisiken und steigender Schuldendruck
Die Risikoseite gewinnt durch die Entwicklungen am Kreditmarkt erheblich an Gewicht. Wenn Kredite für zentrale Rechenzentren mit deutlichen Abschlägen gehandelt werden, signalisieren die Gläubiger steigende Ausfall- oder Verzögerungsrisiken bei Großprojekten. Ein Ausgabenplan von bis zu 95 Milliarden $ erfordert einen reibungslosen Zugang zu den Kapitalmärkten.
Verschärfen sich die Konditionen für Infrastrukturkredite weiter, verteuert sich der Bau neuer Kapazitäten drastisch. Zugleich birgt das Ausgeben neuer Aktien zur Finanzierung der Vorhaben das Risiko, den Gewinn je Aktie für bestehende Anteilseigner zu verwässern. Hinzu kommt das operative Risiko: Sollten Kunden ihre Projekte langsamer abrufen als geplant, bliebe Oracle auf immensen Fixkosten sitzen.
Ausstehende Quartalsdaten bestimmen den Trend
Für die weitere Kursentwicklung ist die Verteidigung der jüngsten Handelsspannen maßgeblich. Solange das operative Wachstum die angekündigten Raten von über 60 Prozent in der Cloud erreicht, bleibt das Vertrauen in die langfristige Strategie intakt. Kippt jedoch die Stimmung am Anleihemarkt weiter oder geraten zusätzliche Finanzierungsvehikel unter Druck, droht eine Neubewertung der gesamten Investitionspipeline.
Bis dahin müssen die Verantwortlichen belegen, dass die geplanten 95 Milliarden $ an Ausgaben die Rentabilität nicht dauerhaft untergraben.
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