Oracle Aktie: 18-Milliarden-Schulden belasten New-Mexico-Projekt
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 12:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Software- und Cloud-Konzern Oracle befindet sich mitten in einem beispiellosen Wandel. Für mich markieren die gewaltigen Ausgaben für den Ausbau der physischen Infrastruktur jedoch eine hochriskante Wende im Geschäftsmodell.
An der Börse notiert das Papier heute bei 129,74 Euro, was einem Rückgang von 22 Prozent seit Jahresanfang entspricht. Dieser Kursverlauf spiegelt die wachsende Skepsis vieler Marktteilnehmer wider: Kann das Unternehmen den Spagat zwischen extremen Investitionen und solider Bilanzierung meistern?
Der Schuldendruck hinter dem Rechenzentrum
Ein zentraler Brennpunkt dieser Expansion ist das gigantische Rechenzentrumsprojekt im US-Bundesstaat New Mexico. Für die mit diesem Vorhaben verbundene Schuldenlast von 18 Milliarden Dollar gestaltet sich die Platzierung am Kapitalmarkt zunehmend zäh. Kredite für das Projekt handelten am Sekundärmarkt zuletzt mit deutlichen Abschlägen bei 89 bis 91 Cent je Dollar Nennwert.
Hier zeigt sich die fundamentale Verwundbarkeit einer Strategie, die vor allem auf aggressiver Fremdfinanzierung aufbaut. Wenn Banken Schwierigkeiten haben, Verbindlichkeiten am Markt unterzubringen, gerät das Narrativ einer reibungslosen Expansion ins Wanken. Verzögerungen bei Genehmigungen für die Energie- und Wasserversorgung verdeutlichen zudem, wie steinig der Weg von der Ankündigung zur tatsächlichen Inbetriebnahme ist.
Dennoch wiegen die strukturellen Bedenken schwer. Der Investor Michael Burry wies jüngst auf die Gefahr hin, dass langfristige Mietverträge über Jahrzehnte hinweg auf extrem kurze Innovationszyklen bei Rechenchips treffen.
Auch Torsten Slok, Chefökonom von Apollo Global Management, warnte davor, dass die aggressive Ausgabenpolitik der großen Cloud-Anbieter auf riskanten Annahmen über den künftigen Mittelzufluss beruht.
Prall gefüllte Auftragsbücher als Gegenpol
Auf der anderen Seite stehen operative Kennzahlen, die den Optimisten an der Wall Street handfeste Argumente liefern. Diese Entwicklung wird vor allem von massiven Verträgen über Cloud-Infrastruktur getragen, zu deren Abnehmern unter anderem OpenAI gehört.
Aus diesem Grund stufte Scotiabank-Analyst P. Colville die Aktie positiv ein. Dass das Unternehmen zugleich seine traditionelle Software-Basis modernisiert, zeigt zumindest, dass das operative Kerngeschäft keineswegs stillsteht.
Dennoch dürfen die beeindruckenden Vorbestellungen nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Umsätze erst noch realisiert werden müssen. Solange die Anlagen nicht unter Volllast laufen, verbrennt der Aufbau vor allem liquides Kapital.
Fazit: Die Risikoprämie ist gerechtfertigt
Unterm Strich halte ich die vorsichtige Haltung der Anleger für vollkommen berechtigt. Mit einem Abstand von 54 Prozent zum 52-Wochen-Hoch preist der Markt die Risiken der massiven Verschuldung bereits spürbar ein.
Solange ungelöste Finanzierungsfragen und logistische Hürden bei den Megaprojekten bestehen, dürften die Zweifel die Fantasie überlagern. Für eine nachhaltige Neubewertung muss der Konzern beweisen, dass die milliardenschweren Kapazitäten rentabel ans Netz gehen.
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