Oracle, Aktie

Oracle Aktie: 165 bis 400 Dollar Kurszielspanne

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 23:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Oracle steigert Umsatz und Cloud-Geschäft deutlich, doch Margendruck und hohe Investitionen belasten den Kurs sowie die Analystenbewertungen.

Moderner Rechenzentrums-Serverraum mit langen Reihen beleuchteter Serverschränke
Oracle Corporation US68389X1054 zeigt einen modernen, realistisch fotografierten Rechenzentrums-Serverraum mit beleuchteten Serverschränken und Kabeln Illustration mit AI erstellt.

Es gibt Zahlen, die eigentlich für Euphorie sorgen müssten – und trotzdem passiert das Gegenteil. Oracle hat am vergangenen Donnerstag Quartalszahlen vorgelegt, die auf den ersten Blick beeindrucken: Umsatz von 19,3 Milliarden Dollar, ein Plus von 30 Prozent zum Vorjahr, die Cloud-Infrastruktursparte wächst um 121 Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar. Seither hat die Aktie dennoch 1,4 Prozent verloren. Wer verstehen will, warum, muss über die Schlagzeilenzahlen hinausschauen.

Oracle hat sich in den vergangenen Jahren konsequent zum Infrastrukturlieferanten der KI-Branche umgebaut. Diese Wette scheint aufzugehen, zumindest wenn man auf die Auftragsbücher blickt: Die Restposten offener Bestellungen, die sogenannten Remaining Performance Obligations, kletterten um 209 Milliarden Dollar auf 664 Milliarden Dollar.

Allein im jüngsten Quartal kamen Verträge über mehr als 30 Milliarden Dollar rund um Künstliche Intelligenz hinzu, dazu 850 Megawatt zusätzliche Rechenzentrumskapazität. Das ist die Erzählung, mit der Oracle sich selbst gerne präsentiert: ein Softwarekonzern, der zur zentralen Recheninfrastruktur der KI-Ära wird.

Der Preis des Wachstums

Doch dieses Wachstum kostet. Der Bruttomarge brach im Jahresvergleich um rund 1.000 Basispunkte ein, die operative Marge hielt sich nur durch Effizienzmaßnahmen einigermaßen stabil.

Parallel dazu bestätigte das Management seine Investitionspläne von 90 bis 95 Milliarden Dollar Kapitalausgaben, netto rund 70 Milliarden Dollar. Wer derart aggressiv in Rechenzentren und Chips investiert, verbrennt zwangsläufig Cash – die Frage ist nur, wie lange Investoren bereit sind, dafür Geduld aufzubringen.

Genau hier liegt der eigentliche Konflikt, der sich in den Tagen nach den Zahlen an den Kurszielen der Analysten ablesen lässt. Die Lager sind sichtbar gespalten.

RBC Capital senkte am Freitag das Kursziel von 190 auf 165 Dollar und beließ die Einstufung bei Hold. Auch BMO Capital Markets, Stifel, Scotiabank, TD Cowen und Jefferies kappten ihre Ziele – bei allen blieb die grundsätzlich positive Einstufung als Buy oder Outperform aber erhalten.

Auf der anderen Seite stehen Häuser, die nach den Zahlen optimistischer wurden: Barclays hob das Ziel leicht auf 252 Dollar an, UBS setzte es auf 250 Dollar herauf, Morgan Stanley erhöhte moderat auf 210 Dollar. Guggenheim nennt sogar 400 Dollar als Zielmarke.

Diese Bandbreite – von 165 bis 400 Dollar – ist ungewöhnlich groß für ein Unternehmen dieser Größenordnung. Sie zeigt, wie unterschiedlich der Markt die Frage beantwortet, ob Oracles Kapitalintensität am Ende in nachhaltige Erträge mündet oder die Bilanz überdehnt. Wachsende Auftragsberge sind das eine, freier Cashflow das andere. Genau in dieser Lücke bewegt sich derzeit der Aktienkurs.

Ein Konzern im Umbruch, ein Markt in Sorge

Dass Oracle sein klassisches Softwaregeschäft dabei schrumpfen sieht – die Sparte verlor im Quartal 3 Prozent –, passt ins Bild eines Unternehmens, das sich komplett neu ausrichtet. Services und Hardware wuchsen zwar, doch sie bleiben im Vergleich zur Cloud-Sparte klein. Oracle transformiert sich vom traditionellen Datenbank- und Lizenzanbieter zum Infrastrukturbetreiber – ein Strukturwandel, der Kapital verschlingt, bevor er sich auszahlt.

Der Aktienkurs spiegelt diese Umbruchsituation deutlich wider: Er notiert rund 55 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 288,95 Euro, das im September vergangenen Jahres erreicht wurde, hat sich aber seit dem 52-Wochen-Tief bei 100,76 Euro Ende Juli bereits um 29 Prozent erholt. Mit einem Minus von 22 Prozent seit Jahresbeginn bleibt die Aktie eine der schwächeren im breiten Technologiesegment.

Bleibt die Frage, die sich Anleger derzeit zwangsläufig stellen: Ist die aktuelle Skepsis eine überzogene Reaktion auf kurzfristige Margendruck-Effekte, oder rechnet der Markt bereits ein, dass die gigantischen Investitionssummen erst mit erheblicher Verzögerung Früchte tragen?

Die Auftragsbücher sprechen für Ersteres, die Cashflow-Belastung für Zweiteres. Oracle steht damit exemplarisch für ein Dilemma, das derzeit die gesamte KI-Infrastrukturbranche umtreibt: Wachstum wird honoriert, solange es nicht zu teuer erkauft wird – und wo genau diese Grenze verläuft, muss der Markt erst noch austarieren.

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