Ondas Holdings Aktie: 7,2-Prozent-Sturz trotz Guidance
Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 11:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Umsatzsprung von 6,3 Millionen auf 83,8 Millionen Dollar im zweiten Quartal, eine angehobene Jahresguidance von 525 bis 550 Millionen Dollar – und trotzdem stürzte die Aktie nach der Vorlage zunächst um 7,2 Prozent ab. Für mich ist genau dieser Widerspruch die eigentliche Geschichte hinter Ondas Holdings, nicht die Schlagzeilenzahlen selbst.
Wachstum ja, Profitabilität noch nicht
Der adjustierte EBITDA-Verlust von 50,6 Millionen Dollar fiel schlechter aus als erwartet, und genau daran entzündete sich die erste Verkaufswelle. Wall Street Zen stufte das Papier am 15. August sogar von "Sell" auf "Strong Sell" herab und begründete dies mit dem höher als erwarteten Verlust je Aktie von 0,19 Dollar.
Wer nur auf die Umsatzexplosion schaut, blendet aus, dass Ondas dafür weiterhin tief in die roten Zahlen greift. Diese Diskrepanz zwischen Top-Line-Euphorie und Bottom-Line-Realität dürfte Anleger auch in den kommenden Quartalen begleiten.
Auf der anderen Seite steht ein Auftragsbestand, der sich sehen lassen kann: Pro forma rund 757 Millionen Dollar per Ende Juni, inklusive der Zukäufe DZYNE Technologies und Cyberhawk. Genau diese Substanz überzeugte Oppenheimer, das Kursziel am 14. August von 16 auf 18 Dollar anzuheben und die Einstufung "Outperform" zu bestätigen.
Auch Needham & Company reiterierte am selben Tag ihr "Buy"-Rating mit Kursziel 19 Dollar und verwies auf das starke Backlog-Wachstum sowie den Hochlauf zentraler Verteidigungsprogramme. Für mich spricht diese Konstellation dafür, dass Analysten den Verlust als Preis für Skalierung akzeptieren – solange die Aufträge weiter fließen.
Verteidigung als Wachstumsmotor
Und die fließen tatsächlich. Innerhalb weniger Wochen verkündete Ondas gleich mehrere Deals mit militärischem Bezug: die Auswahl durch das israelische Verteidigungsministerium für das "Digital Bat"-Programm zum Bau taktischer Angriffsdrohnen, einen Auftrag der Air Force Research Laboratory für das Long Range Grasshopper-System sowie eine Order über mehr als 50 Millionen Dollar für Lethal Unmanned Systems, die über den Partner Mistral Inc. an die US-Armee geht.
Die Berufung des früheren Mossad-Direktors David Barnea ins Führungsteam unterstreicht, wie sehr Ondas auf sicherheitspolitische Netzwerke setzt, um die globale Expansion voranzutreiben. Für mich ist das ein bewusster strategischer Schachzug, kein Zufall.
Bemerkenswert ist auch der Kontrast zwischen ziviler und militärischer Anwendung: Während der Auftrag für die Jacksonville Jaguars zur Drohnenabwehr bei NFL-Heimspielen eher ein Nischengeschäft bleibt, zeigen die Verteidigungsdeals das eigentliche Potenzial.
Die Aktie erholte sich zwischen dem 13. und 14. August um 3,7 Prozent von ihrem Einbruch, wobei Medienberichten zufolge auch sektorweiter Rückenwind für US-Drohnenhersteller wie Red Cat Holdings und Unusual Machines half – befeuert von Spekulationen über mögliche 100-prozentige Zölle auf ausländische Drohnen. Diese politische Flankierung könnte sich als struktureller Rückenwind erweisen, sollte sie sich bestätigen.
Kursbild bleibt volatil, Vertrauen gemischt
Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 7,98 Euro, ein Plus von 3,2 Prozent an diesem Tag und über 30 Prozent Zuwachs in den vergangenen 30 Tagen. Zum 52-Wochen-Hoch von 13,02 Euro klafft aber weiterhin eine Lücke von 39 Prozent, während der Abstand zum Jahrestief von 2,77 Euro satte 188 Prozent beträgt. Diese Bandbreite zeigt: Ondas bleibt ein Hochrisiko-Papier mit entsprechender Schwankungsbreite von 90 Prozent auf 30-Tage-Basis.
Dass der Leerverkaufsanteil bei rund 40 Prozent des Streubesitzes liegt, deutlich über Wettbewerbern wie AeroVironment, passt ins Bild eines Marktes, der tief gespalten ist. Während Roth Capital am 11. August mit einem "Buy"-Rating und 13 Dollar Kursziel neu einstieg, hatte Weiss Ratings die Aktie bereits am 4. August von "Hold" auf "Sell" herabgestuft.
Unterm Strich überwiegt für mich die operative Dynamik: Auftragsbestand, Verteidigungsverträge und Guidance-Anhebung sind reale Fortschritte. Doch solange die Verlustzahlen die Erwartungen verfehlen und der Leerverkaufsanteil so hoch bleibt, dürfte die Aktie ein Spielball zwischen Wachstumsstory und Skepsis bleiben – Volatilität inklusive.
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