OHB SE Aktie: Wachstum trifft Verlust
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 12:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Bremer Raumfahrtkonzern OHB hat zum Halbjahr eigentlich alles richtig gemacht — mehr Umsatz, mehr Auftragseingang, höhere Margen. Trotzdem rutschte die Aktie am Donnerstag um gut drei Prozent ab. Der Grund: Unterm Strich stand im zweiten Quartal ein Verlust, und die Gesamtleistung blieb hinter den Erwartungen der Analysten zurück.
Zahlen mit zwei Gesichtern
Die Gesamtleistung kletterte im zweiten Quartal auf 348,7 Millionen Euro, ein Plus von neun Prozent zum Vorjahr. Verglichen mit den Analystenschätzungen war das allerdings ein Fehlbetrag von rund sechs Prozent. Das bereinigte EBITDA lag mit 33 Millionen Euro dagegen über den Prognosen, die Marge kletterte um etwa 210 Basispunkte auf 9,5 Prozent.
Unter dem Strich blieb trotzdem ein Minus von gut 5 Millionen Euro — im Vorjahresquartal hatte OHB noch 7,5 Millionen Euro verdient. Höhere Kosten und Verluste aus Unternehmensbeteiligungen drückten das Ergebnis. Der freie Cashflow fiel mit minus 91 Millionen Euro deutlich negativ aus, was angesichts der laufenden Investitionen in den Wachstumskurs aber wenig überrascht.
Auf Halbjahressicht zeigt sich ein deutlich freundlicheres Bild: Die Gesamtleistung stieg um elf Prozent auf 627,9 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA sprang um 31 Prozent auf 60,4 Millionen Euro. Das Segment Access to Space war dabei der Wachstumstreiber schlechthin — die Erlöse legten dort um 54 Prozent zu, wenn auch bei noch vergleichsweise schwachen Margen. Space Systems und Digital zeigten sich margentechnisch robuster.
Kapitalpolster und neue Bündnisse
Eine Kapitalerhöhung im vergangenen Quartal hat die Bilanz spürbar gestärkt. Die Eigenkapitalquote stieg von 27,5 Prozent zum Jahresende 2025 auf 43,3 Prozent zur Jahresmitte, der Finanzmittelbestand wuchs von knapp 53 Millionen auf über 526 Millionen Euro.
Parallel dazu baut OHB sein Netzwerk in der Verteidigungsraumfahrt aus. Gemeinsam mit Rheinmetall soll eine geschützte Kommunikationsarchitektur für Europa entstehen. Im Joint Venture "KIRK" arbeitet OHB zudem mit Helsing, Hensoldt und Kongsberg Defence & Aerospace an einem weltraumgestützten Aufklärungssystem für das moderne Gefechtsfeld.
Der Auftragsbestand lag Ende Juni bei 3,3 Milliarden Euro, knapp acht Prozent über dem Vorjahreswert. Das Unternehmen rechnet mit dem Höhepunkt des Auftragseingangs erst im zweiten Halbjahr — getrieben von den Investitionsplänen der europäischen Raumfahrtorganisation ESA, deutschen Verteidigungsvorhaben sowie den geplanten EU-Mittelzuweisungen für Raumfahrt und Sicherheit.
Die Jahresguidance bleibt unverändert: OHB erwartet für 2026 eine Gesamtleistung von rund 1,4 Milliarden Euro bei einer bereinigten EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11 Prozent. Mittelfristig peilt der Vorstand eine Gesamtleistung von über vier Milliarden Euro bei einer Marge von etwa 13 Prozent an — einen konkreten Zeitpunkt dafür nennt das Unternehmen bislang nicht.
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