Ocugen Aktie: Term Sheet mit MENA-Partner weckt Hoffnung
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 16:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ocugen steht vor zwei Entscheidungen, die über den Kurs der Aktie entscheiden könnten. Ein Term Sheet für die Region Nahost und Nordafrika soll bares Geld bringen. Gleichzeitig läuft die Uhr für den geplanten Zulassungsantrag der Gentherapie OCU400.
Die Aktie notiert bei 1,16 Euro und liegt damit rund 51 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 2,35 Euro aus dem März. Zum bisherigen Jahrestief im August 2025 beträgt der Abstand allerdings 38 Prozent nach oben. Der Markt bewertet also weiterhin, ob die jüngsten Pipeline- und Lizenzschritte echten Wert schaffen.
Ein Term Sheet ist kein Vertrag
Ocugen hat mit Roots Pharmaceutical ein bindendes Term Sheet unterschrieben. Es soll eine exklusive Lizenz für OCU400 in der MENA-Region regeln. Im Raum stehen bis zu 255 Millionen Dollar an Meilensteinzahlungen und eine Lizenzgebühr von 22 Prozent auf den Nettoumsatz, dazu eine moderate Vorauszahlung.
Wichtig: Das Papier verpflichtet beide Seiten zu Verhandlungen, ist aber noch kein unterschriebener Lizenzvertrag. Die tatsächliche Höhe der Vorauszahlung und die endgültigen Vertragsbedingungen stehen noch aus. Auf der klinischen Seite hat die US-Arzneimittelbehörde FDA derweil grünes Licht für die Phase-3-Studie zu OCU410 gegeben, einer Therapie gegen geografische Atrophie bei trockener Makuladegeneration. Der Start soll noch in diesem Quartal erfolgen.
Die entscheidende Frage: Wird verhandelt oder unterschrieben?
Der Kurs dürfte sich vor allem daran entscheiden, ob aus dem MENA-Term-Sheet ein unterschriebener Vertrag mit echtem Geldfluss wird. Zweiter Faktor ist der Zeitplan für den Zulassungsantrag von OCU400. Das Unternehmen hatte zuvor mitgeteilt, die Rekrutierung für die Phase-3-Studie liMeliGhT sei abgeschlossen. Ein rollierender BLA-Antrag soll im dritten Quartal 2026 eingereicht werden. Verzögert sich die Verhandlung mit Roots oder verschiebt sich der Antrag erneut, verlieren Anleger einen der beiden kurzfristigen Kurstreiber.
Bull-Szenario: Regionale Deals summieren sich
Befürworter der Aktie verweisen auf ein Muster: Ocugen lizenziert OCU400 Region für Region und behält sich die Rechte für die großen Märkte vor. Genau nach diesem Modell hatte das Unternehmen bereits mit dem südkoreanischen Pharmakonzern Kwangdong Pharmaceutical einen Deal geschlossen — mit Vorabzahlung, Meilensteinzahlungen und Lizenzgebühren.
Folgt das Roots-Term-Sheet demselben Weg zu einem unterschriebenen Vertrag, entstünde eine zweite regionale Einnahmequelle. Die Pipeline liefert zusätzliche Argumente: OCU410 hat von der FDA den Status einer "Regenerative Medicine Advanced Therapy" erhalten, was ein beschleunigtes Zulassungsverfahren ermöglichen kann. Zudem hat Ocugen mit Mohamed Genead einen neuen Chief Medical Officer verpflichtet, einen Augenarzt mit über 20 Jahren Erfahrung in Ophthalmologie und Gentherapie. Bull-Investoren sehen in diesen Schritten Potenzial für eine Neubewertung nach oben, sollten BLA-Antrag und MENA-Deal wie geplant eintreten.
Bär-Szenario: Verhandlungen können scheitern
Das Gegenargument ist einfach: Ein "bindendes Term Sheet zur Verhandlung" ist explizit die Vorstufe eines Vertrags, nicht der Vertrag selbst. Gespräche über Meilenstein-Struktur und Lizenzsätze können sich hinziehen oder ganz scheitern. In diesem Fall bliebe die genannte Summe von 255 Millionen Dollar eine theoretische Obergrenze, die nie erreicht wird.
Hinzu kommt regulatorisches Risiko. Die Phase-3-Studie liMeliGhT verlangt eine einjährige Nachbeobachtung der Probanden nach der Dosierung, bevor die primären Endpunkte ausgewertet werden können. Der rollierende BLA-Antrag hängt also von Datenreife ab — und die Zeitpläne haben sich bereits verschoben. Ursprünglich sollte die Einreichung in der ersten Hälfte 2026 erfolgen, inzwischen ist von Quartal drei die Rede. Die 30-Tage-Volatilität der Aktie liegt bei 50 Prozent annualisiert. Das zeigt, wie empfindlich der Kurs auf Enttäuschungen bei Lizenzierung oder Zulassung reagieren dürfte.
Ausblick: Zwei Katalysatoren im Blick
Setzt Ocugen die Umwandlung regionaler Term Sheets in unterschriebene Lizenzverträge fort und laufen sowohl der Start der OCU410-Phase-3-Studie als auch die BLA-Einreichung für OCU400 ohne weitere Verzögerung, spricht das für eine Erholung Richtung 200-Tage-Durchschnitt bei 1,29 Euro. Scheitert die MENA-Verhandlung oder verschiebt sich der Zulassungsantrag erneut, dürfte die Aktie eher Richtung ihres 50-Tage-Durchschnitts bei 1,18 Euro oder tiefer tendieren.
Die konkreten Termine für die kommenden Wochen: der Abschluss — oder das Scheitern — der Verhandlungen mit Roots Pharmaceutical, sowie der bestätigte Start der OCU410-Phase-3-Studie, beide für das laufende Quartal angekündigt. Parallel dazu bleibt der rollierende BLA-Antrag für OCU400 im dritten Quartal 2026 der Termin, der über die mittelfristige Richtung entscheidet.
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