Nvidia Aktie: Warum die Marge sinkt
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 14:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nvidia liefert Rekordzahlen und trotzdem knabbert der eigene Erfolg an der Profitabilität. Für das vierte Quartal stellt der Konzern eine Bruttomarge von 71 bis 72 Prozent in Aussicht – nach 75,0 Prozent im zweiten Quartal. Der Grund liegt nicht in nachlassender Nachfrage, sondern in einem Engpass, den der KI-Boom selbst erzeugt.
Finanzchefin Colette Kress nannte die Ursache offen: Speicherknappheit. Mit der neuen Chip-Generation "Vera Rubin" verkauft Nvidia keine einzelnen Server mehr, sondern komplette Rechnerschränke, in denen Dutzende Chips über die firmeneigene Verbindungstechnik NVLink wie ein einziger Großrechner zusammenarbeiten.
Jeder Rubin-Chip braucht dafür riesige Mengen an Hochleistungsspeicher – und genau diese Speicherchips werden zum Flaschenhals. Hinzu kommt spezielle Fertigungstechnik für die enge Verbauung von Rechen- und Speicherchips, die ebenfalls knapp ist.
Zulieferer profitieren, nicht die Konkurrenz
Der Effekt: Nvidia teilt seinen Gewinn zunehmend mit anderen Firmen – allerdings nicht mit Konkurrenten, sondern mit den eigenen Zulieferern. Weil bei den dicht verbauten Systemen ein einzelner fehlerhafter Chip das gesamte Rack lahmlegen kann, wird aufwendiges Vorab-Testen zur Pflicht. Firmen wie Aehr, Teradyne und FormFactor profitieren davon mit steigenden Auftragseingängen.
Auch die Stromversorgung wird zur Herausforderung. Ein einzelnes Vera-Rubin-Rack verbraucht zwischen 190 und 230 Kilowatt – Luftkühlung reicht dafür nicht mehr aus, Flüssigkühlung wird zur Voraussetzung. Beim übernächsten Chip "Kyber" stößt sogar klassisches Kupferkabel an physikalische Grenzen. Nvidia plant deshalb den Umstieg auf eine 800-Volt-Gleichstromtechnik, die aber laut eigenem Zeitplan erst 2027 in Serie gehen soll.
Hugging Face als strategische Absicherung
Parallel zu den Hardware-Engpässen arbeitet Nvidia an seiner Position im Software-Ökosystem. Die milliardenschwere Übernahme der Open-Source-Plattform Hugging Face wird von Analysten weniger als klassischer Zukauf gelesen, sondern als Absicherung gegen die wachsende Konkurrenz durch kundenspezifische KI-Chips.
Die Kernthese: Solange Hugging Face die bevorzugte Plattform für offene Modelle bleibt, kann sich kein einzelner Anbieter den Markt für KI-Dienste sichern – jenen Bereich, in dem Nvidia traditionell wenig Einfluss hat.
Als konkrete Risikofaktoren gelten Alphabet und Anthropic, die beide an eigenen Chips für ihre KI-Angebote arbeiten. Setzt sich einer dieser Anbieter mit firmeneigener Hardware durch, könnte das Nvidias Preissetzungsmacht schwächen. Bleibt Open-Source-KI dagegen eine ernstzunehmende Alternative, dürfte der Chipkonzern auch dort standhalten, wo er selbst kaum Einfluss hat.
Untermauert wird die Wachstumsstory von den jüngsten KI-Fortschritten der Kunden selbst: OpenAIs neues Modell wurde nach Angaben von Konzernchef Jensen Huang mit mehr als 100.000 Nvidia-Systemen der Grace-Blackwell-Generation trainiert, weitere 400.000 GPUs sollen demnächst ans Netz gehen. Die Marge mag kurzfristig unter Druck stehen – die Auslastung der Chips offenbar nicht.
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